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Beim Geld hört auch für Narren Spaß auf

Die Sofa-Party war ein Trost für die Fans des Karnevals in Radeburg. Der RCC hofft auf Absatz der Faschingshefte. Denn 2020 war ein schwieriges Jahr - nicht erst seit Corona.

Olaf Häßlich (re.) der Präsident des Radeburger Carnevals Clubs, und Ex-Prinz und Elferratsmitglied Mirko Angermann moderierten am vergangenen Sonnabend, die auf dem YouTube-Kanal des Vereins zu erlebende virtuelle Prunksitzung.
Olaf Häßlich (re.) der Präsident des Radeburger Carnevals Clubs, und Ex-Prinz und Elferratsmitglied Mirko Angermann moderierten am vergangenen Sonnabend, die auf dem YouTube-Kanal des Vereins zu erlebende virtuelle Prunksitzung. © RCC

Radeburg. In Radeburg versteht man es, den Karneval nicht einfach nur zu feiern, sondern zu zelebrieren. Als der Platz im „Hirsch“ nicht mehr reichte, um all die Kartennachfragen für die Saalveranstaltungen zu bedienen, wurde kurzerhand die geniale Idee geboren, den nahezu kompletten Markt mit einem Megazelt zu überdachen. Und als wäre es nicht genug, dort dann am Umzugswochenende zwei Mega-Partys zu feiern, schlängeln sich seitdem auch noch die Umzugsgruppen beim alljährlichen Saisonhöhepunkt durch das Zelt.

Doch gegen die Corona-Pandemie und ihre Folgen sind selbst die Radeburger Narren nahezu machtlos. Ganz wollten sie sich den Spaß durch das Virus aber dann doch nicht verderben lassen. Und so gab es am vergangenen Sonnabend mal wieder eine Premiere - eine virtuelle Prunksitzung. Dafür hatten die Gruppen des Vereins - von den Gardemädels über die Narrenpolizei bis hin zum Elferrat - verschiedene Programmnummern aus Prunksitzungen der vergangenen Jahre herausgesucht. Präsident Olaf Häßlich und Elferratsmitglied Mirko Angermann sorgten nicht nur für die verbindende Moderation, sondern mit dem Drehen am Glücksrad auch für die Auswahl der nächsten Programmnummer. Und des nächsten Getränks, wenn das Rad auf der für Karnevalisten magischen Zahl 11 stehenblieb.

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Zudem gab es noch Einspieler neueren Datums, bei denen Mitglieder der verschieden Gruppen über das eine oder andere Ereignis fabulierten. Offenbar sehr zur Freude von enger mit dem RCC verbundenen Karnevalsfans. Allerdings konnte nicht jeder immer etwas damit anfangen. Und so gab es auch das von Klaus Kroemke beobachtete Phänomen: „Eine Nummer bekommt im Live-Chat die meisten lobenden Kommentare und gleichzeitig sinkt die Zuschauerzahl. Die Radeburger lieben die ,Insider-Sachen‘, aber Zuschauer von außerhalb können damit wenig anfangen. Das ist schwierig.“ Nichtsdestotrotz waren bei der Premiere reichlich Närrinen und Narren auf dem heimischen Sofa dabei. Immerhin gab es rund 3.200 Aufrufe. Rund 500 Besucher waren im Schnitt immer online. Und das sicher nicht allein.

„Wir wollten den Fans und Faschingsverrückten mit unserer virtuellen Prunksitzung die Möglichkeit für ein gemeinsames Erlebnis schaffen, ohne dabei zusammenzusein“, sagt Olaf Häßlich. Auch deswegen habe man die Form der Liveübertragung gewählt und die Sache nicht permanent ins Netz gestellt. „Die Reaktionen zeigen, dass uns das im Großen und Ganzen gelungen ist.“

Faschingsheft zum Spendenpreis

Am kommenden Montag steht nun eine weitere Premiere an: Ab dann soll es das inzwischen zur Vereinstradition gehörende Faschingsheft geben, das normalerweise in großer Auflage vor dem Umzugswochenende gratis verteilt wird. „Der Erwerb des stark limitierten Hefts wird in diesem für uns als Verein schwierigen Jahr erstmals nur gegen eine Spende von fünf Euro möglich sein“, ergänzt der RCC-Präsident und hofft auf ein reges Interesse.

Obwohl der große Straßenumzug wegen der Corona-Pandemie ausfallen muss, gibt es auch in dieser Saison - der 64. des Radeburger Carnevals Clubs - ein Faschingsheft. Erstmals wird dieses aber nicht kostenlos, sondern für eine Spende von fünf Euro abgegeben.
Obwohl der große Straßenumzug wegen der Corona-Pandemie ausfallen muss, gibt es auch in dieser Saison - der 64. des Radeburger Carnevals Clubs - ein Faschingsheft. Erstmals wird dieses aber nicht kostenlos, sondern für eine Spende von fünf Euro abgegeben. © RCC

Denn obwohl in dieser - der 64. Saison des Vereins - keine Veranstaltungen stattfinden können und somit auch kein Geld in die Kasse kommt, „haben wir natürlich trotzdem weiter Ausgaben“, so Olaf Häßlich. „Im Monat kommen im Schnitt um die 500 Euro zusammen.“ Schließlich müssen der Kostümfundus und der Umzugswagen eingelagert beziehungsweise untergestellt werden. Und geprobt werden kann auch nicht unter freiem Himmel.

Die Corona-Pandemie trifft den Verein zudem in einer ungünstigen Situation. „Die letzte Saison war für uns extrem schwierig“, sagt der RCC-Präsident und erklärt auch warum. „Wir mussten ein Minus von 25.000 Euro stemmen, was wir zum Glück aus den Rücklagen konnten.“ Damit sind die Reserven natürlich weitestgehend aufgebraucht.

Schuld an dem Verlust war der Sturm, der am Umzugssonntag 2020 auch über den Landkreis zog. Während die Strehlaer ihren Umzug abgesagt hatten, zog er in der Zille-Stadt wie geplant durch die Straßen. Zumindest fast: Denn Zelteingänge konnten wegen des Sturms nicht weit geöffnet werden und die Gruppen daher auch nicht die übliche Runde durch das Zelt drehen. Die Verkaufsstände waren da noch zugänglich.

Das Narrengericht konnte am Umzugssonntag 2020 noch auf dem überdachten Markt tagen. Doch schließlich wurde der Sturm zu stark und das Mega-Zelt musste dicht gemacht werden.
Das Narrengericht konnte am Umzugssonntag 2020 noch auf dem überdachten Markt tagen. Doch schließlich wurde der Sturm zu stark und das Mega-Zelt musste dicht gemacht werden. © SZ/Sven Görner

Doch es kam noch schlimmer. Da der Wind weiter auffrischte, mussten die Verantwortlichen des RCC das Zelt schließlich schweren Herzens ganz schließen. Ein herber Verlust. Denn normalerweise ist dort vom Start des Narrengerichts um 9.11 Uhr bis in den späten Abend hinein Betrieb. Am Minus mit beteiligt waren aber auch die zusätzlichen Kosten zur Sicherung des Zeltes vor dem Sturm „und letztlich kamen wegen des Wetters auch weniger Besucher nach Radeburg“, so Olaf Häßlich.

Unterm Strich seien so am Ende rund 45.000 Euro weniger als geplant in die Kasse gekommen. „Zum Glück hat Freiberger davon 20.000 Euro übernommen.“

Gespräche mit der Stadt

Für den Vereinschef ist diese Bilanz dennoch Grund genug, darüber nachzudenken, wie es künftig weitergehen soll. „Denn zweimal hintereinander könnten auch wir so etwas nicht verkraften.“ In den vergangenen Monaten habe es daher mit der Stadt intensive Gespräche gegeben. „Es geht darum, Möglichkeiten zu suchen, wie das Risiko für den Verein künftig minimiert werden kann“, sagt Olaf Häßlich. Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) bestätigt, dass Stadt und Verein im Gespräch sind. Auch im Stadtrat, so ist zu hören, sei darüber bereits in nichtöffentlicher Sitzung gesprochen worden.

Alle an der Geschichte des Radeburger Karnevals Interessierte können sich übrigens auf das Faschingsheft besonders freuen. Denn es gibt auch einen Einblick in die 11. Saison des RCC und knüpft damit direkt an den Band I der von Klaus Kroemke aufgeschriebenen und vom RCC herausgegebenen Geschichte des Vereins an. „Da dieser leider von den Verkaufszahlen hinter unseren Erwartungen geblieben ist, kann deshalb aus heutiger finanzieller Sicht leider kein weiterer Band gedruckt werden, wenn wir nicht mindestens noch etwa 100 Bücher des ersten Bandes verkaufen“, ergänzt der Präsident.

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Am Sonntag, den 7. Februar ab 15 Uhr, will der RCC seine Sofa-Party nun noch einmal online stellen. „Der Termin soll an den Rentnerfasching erinnern, der sonst am Sonntag vor dem Umzug stattfindet“, so Präsident Olaf Häßlich.

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