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Regenwetter mit Sonne im Glas

Den verregneten Sonnabend konnte man sich schön trinken bei den Tagen der offenen Weingüter. Zum Glück war der Sonntag wieder fast regenfrei.

Zum Wohl! Am Sonntag war Petrus gnädig zu den Winzern und deren Besuchern - hier im Weingut Andreas Henke in Sörnewitz.
Zum Wohl! Am Sonntag war Petrus gnädig zu den Winzern und deren Besuchern - hier im Weingut Andreas Henke in Sörnewitz. © Norbert Millauer

Elbland. Die kurze Regenpause am Samstagnachmittag muss Bernd Kastler schnell nutzen, um seinen Weinberg am Knollenweg in Radebeul zu betreten und mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Denn das war der Plan für die 22. Tage des offenen Weingutes am vergangenen Wochenende. Insgesamt 45 Weingüter, Strauß- und Besenwirtschaften der Sächsischen Weinstraße zwischen Dresden und Diesbar-Seußlitz hatten geöffnet. Für die Besucher heißt das jedes Jahr Weinverkostungen, Kellerführungen, aber natürlich auch Streifzüge durch die Weinberge mit den Winzern.

Doch der anhaltende und starke Regen hat dem Plan von Bernd Kastler einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Besucher sitzen zusammengerückt unter dem Partyzelt: „Bei diesem Wetter hatte ich mit ganz wenig Gästen gerechnet, aber seit 11 Uhr sind unsere Plätze alle besetzt“, sagt der gebürtige Schwabe, der seit fast 20 Jahren in Radebeul lebt. Normalerweise bleiben die Leute nicht so lange, denn sie wollen so viele Weingüter wie möglich besuchen: „Aber wer heute einen trockenen Sitzplatz gefunden hat, geht so schnell nicht wieder“, sagt er.

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Im Weinberg der Radebeuler Winzer Bernd Kastler (links) und Enrico Friedland konnten die Besucher ihre Kenntnisse bei einem Weinberg-Quiz testen.
Im Weinberg der Radebeuler Winzer Bernd Kastler (links) und Enrico Friedland konnten die Besucher ihre Kenntnisse bei einem Weinberg-Quiz testen. © Norbert Millauer

Auf dem Johannisberg, der von ihm allein bewirtschaftet wird, stehen Familie Klapper und Schreiber aus Freiberg und Dresden und kosten den Sommer: Trotz oder gerade wegen des Wetters haben sie sich für das Sommerkind entschieden, einen Weißwein-Cuvée: „Das ist unsere erste Station, aber wir wollen dann noch weiter ziehen“, sagen sie.

Dass sie heute hier stehen können, ist etwas Besonderes, denn normalerweise ist der Weinberg nicht zugänglich. Um den Gästen das Thema Wein auf launige Art zu vermitteln, hat Bernd Kastler laminierte Schilder in seinen Weinberg gehängt: Die Besucher machen ein Quiz und können sich fragen, ob der Schieler, den es nur in Sachsen gibt, so heißt, weil man nach zu vielen Gläsern seine Augen nicht mehr kontrollieren kann.

Etwas Ungewöhnliches: Winzer Andreas Henke in Sörnewitz hat seinen Weinkeller in der ehemaligen Pumpstation des Wasserwerks und gab Führungen.
Etwas Ungewöhnliches: Winzer Andreas Henke in Sörnewitz hat seinen Weinkeller in der ehemaligen Pumpstation des Wasserwerks und gab Führungen. © Norbert Millauer

Neben dem Johannisberg gehören noch die Lagen Steinrücken unterhalb des Wasserturms und der Goldene Wagen zu den Kastler-Friedland-Weinen. Zusammen mit Enrico Friedland, der eine Straußwirtschaft an der Radebeuler Sternwarte betreibt, produzieren die beiden jährlich zwischen 10.000 und 15.000 Flaschen Radebeuler Wein.

Es gibt sie im Restaurant Gaumenkitzel auf der Coswiger Straße, in der Villa Sorgenfrei und im Löma-Center auf der Meißner Straße. Vor der diesjährigen Ernte wünscht sich Bernd Kastler noch etwas Sonnenschein, damit die Trauben des Müller-Thurgaus und des Weiß- und Spätburgunders nicht faulen. Die Ernte per Hand muss er dann nicht allein machen: „Wer Wein hat, hat immer Freunde“, sagt er.

Auch in Sörnewitz müssen die Weinfreunde erst einmal durch große Pfützen waten, um das Weingut Henke zu besuchen. Fast alle Stühle unter den als Regenschirme umfunktionierten Sonnenschirmen sind besetzt und einige Interessierte warten schon auf die erste Archivweinprobe des Tages. Das Besondere hier: Im Jahr 2003 wurde der Familienbetrieb mit Feld-, Obst- und Weinbau um die Weinkellerei erweitert, die sich in dem Gebäude des ehemaligen Wasserwerkes befindet.

Die Besucher der Weinguter waren für den teils heftigen Regen am Sonnabend gut gerüstet, hier im Weingut Matyas in Coswig. Der Sonntag war zum Glück freundlicher.
Die Besucher der Weinguter waren für den teils heftigen Regen am Sonnabend gut gerüstet, hier im Weingut Matyas in Coswig. Der Sonntag war zum Glück freundlicher. © Norbert Millauer

Vier Kellerführungen und drei Archivweinproben hat Familie Henke für die Besucher heute geplant. Im Freien gibt es Livemusik, als Grundlage Leckeres vom Grill und aus der Gulaschkanone und natürlich die Weine von Familie Henke. Die gedeihen auf fast neun Hektar Rebfläche auf räumlich getrennten Lagen: am Gellertberg in Weinböhla, am Katzensprung in Proschwitz, in Oberau und an der Bosel. Das ist mit erhöhtem Arbeitsaufwand verbunden, aber das Ausfallrisiko durch Wetterunbilden wie Hagel geringer.

Es sei schon eine Besonderheit für die Besucher, von oben auf so einen Weinkeller zu blicken, sagt Kellermeister Frank Doedtmann. Je nachdem, ob sie Interesse haben, geht er mit Besuchern nach unten, um ihnen einiges über die Herstellung zu erklären. Das Weingut Henke produziert bis zu 35.000 Flaschen Wein pro Jahr und verkauft es an regionale Gaststätten, auf Festen und mittlerweile auch an den Einzelhandel.

In den 90er-Jahren hatten es die Elbland-Winzer sehr schwer, erinnert sich Frank Doedtmann, der seit 45 Jahren in der Weinproduktion arbeitet: „Nach der Wende hätte niemand gedacht, dass unsere regionalen Weine einmal so beliebt werden“, sagt der Kellermeister. Weil es am Sonntag fast trocken blieb im Elbland, schenkten die Winzer auch wieder im Freien ein.

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