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Schleicht der Goldschakal durch Radebeul?

In den Weinbergen will ein Einwohner das Raubtier schon zweimal gesehen haben. Ein Foto sorgt für neue Spekulationen.

Der Vertreter welcher Tierart ist dieser Vierbeiner - Goldschakal oder Fuchs? Das unscharfe Foto wurde in Radebeul geschossen.
Der Vertreter welcher Tierart ist dieser Vierbeiner - Goldschakal oder Fuchs? Das unscharfe Foto wurde in Radebeul geschossen. © Screenshot Facebook

Radebeul. Eine Nachricht macht in Radebeul die Runde. Ein Goldschakal soll sich im Stadtgebiet herumtreiben. Ralf Walter will dem Raubtier begegnet sein.

Ursprünglich auf dem Balkan beheimatet breitet sich der Goldschakal (Canis aureus) auch immer mehr nördlich der Alpen aus. Das Raubtier, das kleiner als ein Wolf (Canis lupus) aber größer als ein Fuchs (Vulpes vulpes) ist, wandert auch in Deutschland ein. Seit 1996 gibt es immer wieder einzelne Nachweise. In Sachsen wurde die mit Isegrim eng verwandte Tierart nachweislich in der Oberlausitz gesichtet.

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2019 will ein Naturfreund einen Goldschakal im Triebischtal gesehen haben. Damals nährten ungewöhnliche Heulgeräusche den Verdacht. Im Februar des Jahres gelang damals in der Nähe von Nossen ein Mitschnitt des Phänomens.

Ebenfalls fast zwei Jahre ist es her, dass der Radebeuler Ralf Walter zum ersten Mal einen Goldschakal in der Lößnitzstadt gesehen haben will. Ein zweites Mal habe er einen vor drei Wochen beobachtet. „Links und rechts der Finsteren Gasse war das in beiden Fällen“, berichtet der Weinhändler, der eine Vinothek nahe der Dresdner Frauenkirche betreibt.

Der Goldschakal (laufgenommen im Yarkon-Park in Tel Aviv) ist nur wenig größer als ein Rotfuchs, aber deutlich kleiner als ein Wolf. Im Geomagazin wird sein Aussehen als „eine (biologisch unmögliche) Kreuzung aus den beiden“ beschrieben.
Der Goldschakal (laufgenommen im Yarkon-Park in Tel Aviv) ist nur wenig größer als ein Rotfuchs, aber deutlich kleiner als ein Wolf. Im Geomagazin wird sein Aussehen als „eine (biologisch unmögliche) Kreuzung aus den beiden“ beschrieben. © Voikhansky/Wikimedia

Was macht ihn sicher, dass es ein Goldschakal und kein Fuchs war? „Zum einen die Farbe des Felles“, berichtet Walter. Das Tier, das ihm zweimal über den Weg lief, hatte einen graubraunen Pelz. „Ein Fuchs ist eher rotbraun gefärbt“, meint der Radebeuler. Zum anderen seien die Beine des Tieres länger gewesen und es habe sich daher ganz anders als ein Reineke bewegt.

Sehen sehr ähnlich aus

„Man kann sie verwechseln, sie sehen sehr ähnlich aus“, sagt Walter. Beim ersten Mal hatte er anfangs auch gedacht, dass es sich um einen Fuchs gehandelt habe. Doch nach Recherchen im Internet ist er sich mit seinem Sohn einig, dass es ein Goldschakal war. Was sie in ihrem Verdacht bestärkt, ist die Uhrzeit der Beobachtung. Beide Male war das Wildtier in den Mittags- beziehungsweise frühen Nachmittagsstunden unterwegs. „Ein Goldschakal ist tagaktiv, der Fuchs dagegen nachts“, so Walter.

In der Dunkelheit ist ein Fuchs schon einmal über den Albertplatz in der Dresdner Neustadt oder durch Berlin-Mitte nahe dem Deutschen Theater spaziert. Wer auf dem Lande lebt und Hühner züchtet, weiß, dass er nicht vergessen darf, den Stall mit einsetzender Dämmerung zu schließen, sonst findet er am nächsten Morgen nur noch Federn vor. Füchse nutzen die Gelegenheit einer offenen Tür allzu gern, um den Hühnerstall zu plündern.

Auch in Radebeul werden immer wieder Füchse gesichtet. Einen regen Austausch darüber, wo Vertreter der Gattung herumlaufen, gab es nach einem geposteten Foto, das ein Exemplar beim Überqueren der Schienen der Lößnitzgrundbahn zeigt. Die Aufnahme ist von einer sehr schlechten Qualität. Das Tier ist nur unscharf zu erkennen. In die Kommentarspalte schreibt Ralf Walter mit voller Überzeugung, dass der abgebildete Vierbeiner kein Fuchs, sondern ein Goldschakal sei. Er verweist auf die Tageszeit. Das Foto wurde am Nachmittag geschossen.

Zwei Fotonachweise in Sachsen bislang

Was gegen das Unterscheidungskriterium von Tages- oder Nachtaktivität spricht, sind Fälle, bei denen nachweislich ein Rotfuchs bei Sonnenschein durch Kötzschenbroda lief. Und erst vor rund einem Monat, hatte sich am 8. Mai ein Vertreter der Gattung vor dem Spiel von Dynamo Dresden gegen Viktoria Köln (Anstoß 14 Uhr) in den K-Block des Rudolf-Harbig-Stadions verirrt.

Vor rund einem Monat flitzte .ein Rotfuchs durch das Rudolf-Harbig-Stadion vor einem Dynamo-Spiel durch die Zuschauerränge.
Vor rund einem Monat flitzte .ein Rotfuchs durch das Rudolf-Harbig-Stadion vor einem Dynamo-Spiel durch die Zuschauerränge. © dpa/Robert Michael

Bislang gibt es im Freistaat zwei gesicherte Nachweise für den Goldschakal. „Zwei Sichtungen aus der Oberlausitz (2018 und 2019) sind bislang durch Fotos von Wildkameras in Sachsen sicher belegt“, teilt Karin Bernhardt, Sprecherin des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mit.

Anatomisch unterscheiden sich beide Tierarten, die zur Familie der Hundeartigen gehören, vor allem durch Größe und Gewicht. „Der Goldschakal ist etwas größer und schwerer als der Rotfuchs“, so Bernhardt. Erstgenannter bringt zwischen sieben und 15,5 Kilogramm auf die Waage, der andere wiegt zwischen vier und zehn Kilogramm. „Beide Arten sind sehr anpassungsfähig und können sowohl nacht- als auch tagaktiv sein“, klärt Bernhardt auf.

Landesbehörde klärt über Tier auf dem Foto auf

Der Goldschakal kommt mehr im offenen Gelände vor. „Dazu zählen Steppenlandschaften, ausgedehnte landwirtschaftliche Flächen, Tagebaugebiete, Truppenübungsplätze oder Sumpfgebiete, vereinzelt auch mal Siedlungsränder“, informiert Bernhardt. Dichte, geschlossene Wälder meidet der Goldschakal. „Anders als beim Fuchs, sind uns bisher keine Sichtungen in Stadtzentren bekannt“, heißt es aus dem Landesamt. Das Nahrungsspektrum von Goldschakal und Fuchs ähnelt sich. Zu ihrer Beute gehören hauptsächlich Nager und Kleinsäuger, Frösche, Eidechsen, aber auch Insekten.

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Möglicherweise ist das eingewanderte Raubtier für ungewöhnliche Heulgeräusche in der Region verantwortlich. 

Den Tierexperten des Landesamtes sendete Sächsische.de einen Screenshot des Fotos aus dem sozialen Netzwerk zu, um zu klären, ob das darauf festgehaltene Tier ein Goldschakal sein könnte. „Nein. Es handelt sich um einen Rotfuchs. Charakteristisch dafür sind unter anderem die dunkle Färbung der Ohrrückseite und die ausgedehnte Weißfärbung hinter der Nase“, antwortet Bernhardt. Die Behördensprecherin räumt aber ein, dass ein Vorkommen des Goldschakals in der Weinbergslandschaft und Umgebung nicht ausgeschlossen sei.

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