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Schwimmhallenbetrieb im Coronamodus

Nach dem Fitnessstudio hat auch die Schwimmhalle im „Krokofit“ wieder geöffnet. Besucher halten sich aber noch zurück.

Nach monatelanger Schließung erwartet die Schwimmhalle in Radebeul wieder Besucher. Bislang ziehen nur wenige Badegäste ihre Bahnen. Im großen Becken dürfen sich bis zu 52 Schwimmer maximal tummeln.
Nach monatelanger Schließung erwartet die Schwimmhalle in Radebeul wieder Besucher. Bislang ziehen nur wenige Badegäste ihre Bahnen. Im großen Becken dürfen sich bis zu 52 Schwimmer maximal tummeln. © Norbert Millauer

Radebeul. Ein Desinfektionsmittel-Spender steht im Eingangsbereich, weitere sind im gesamten Gebäude zu finden. Auf Sitzbänken liegen Schilder und weisen in regelmäßigen Abständen darauf hin, Distanz zu wahren - mindestens 1,5 Meter. Die Kassentheke ist mit einer Plexiglasscheibe versehen. Davor sowie im gesamten Eingangsbereich und im sogenannten Stiefelgang ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Nur jeder zweite Umkleideschrank sowie jede zweite Dusche steht zur Verfügung.

All dies ist Bestandteil des Hygienekonzepts für die Schwimmhalle in Radebeul. Fünf Seiten umfasst der Plan, den Titus Reime, Geschäftsführer der Stadtbäder und Freizeitanlagen GmbH (sbf) Radebeul, mit seinem Team aufgestellt hat. Das vom Gesundheitsamt genehmigte Konzept ist erforderlich, damit Besucher des Sport- und Freizeitzentrums „Krokofit“ ihre Bahnen ziehen, Zweitklässler das Schwimmen lernen und Aqua-Gesundheitskurse stattfinden können. Seit Mitte März war das Schwimmbad geschlossen. Nun steht es für Badenixen wieder offen.

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Vor der Corona-Pandemie tummelten sich bis zu 600 Badegäste täglich in der Halle. Bis auf Öffnungszeiten und reservierte Bahnzeiten gab es keine Einschränkungen. Das hat sich mit der Corona-Krise geändert. Maximal 102 Personen dürfen sich gleichzeitig in der Schwimmhalle aufhalten, davon wiederum nur 52 auf einmal im Schwimmerbecken und 35 im Nichtschwimmerbecken, informiert Reime.

Um die erlaubte Besucherzahl zu kontrollieren, erhalten die Badegäste beim Bezahlen des Eintrittsgeldes eine Nutzerkarte. Sind alle verteilt, müssen nachfolgende Besucher warten. Ein neuer Gast darf erst hinein, wenn ein anderer die Schwimmhalle durch das Drehkreuz in Richtung Ausgang verlassen und seine Karte am Empfang wieder abgegeben hat.

Warteschlangen haben sich dadurch vor dem Badeingang noch nicht gebildet. „Die Menschen sind zurückhaltend“, berichtet Reime. Dies konnte er bereits im Fitnessstudio und im Bilzbad beobachten. An warmen und sonnigen Tagen war im Freibad nur rund die Hälfte an Badegästen zu verzeichnen im Vergleich zu heißen Sommertagen in den Vorjahren. Dieser Trend setze sich nun im Schwimmhallenbetrieb fort. „Das öffentliche Schwimmen wird deutlich weniger frequentiert sein“, ist sich Reime sicher, gegenüber der Zeit vor der Corona-Krise.

Schulschwimmen startet wieder

Neben den Öffnungszeiten für jedermann, sind bestimmte Uhrzeiten für Vereine und Institutionen, wie etwa dem Rheumaverein oder der Polizei, in der Halle reserviert. Grundschüler bilden die deutlich größte Gruppe. Denn Schwimmen steht in der zweiten Klasse auf dem regulären Stundenplan. Das Schulschwimmen nehmen alle Radebeuler, Coswiger und Moritzburger Grundschulen im „Krokofit“ wahr. Bis zu zwölf Klassen tummeln sich nun wieder an einem Tag in dem Hallenbad - unter Einhaltung der Hygieneregeln versteht sich - und bekommen das Schwimmen beigebracht. Die Schwimmkurse geben nicht die Schwimmmeister des sfb, sondern extra dafür ausgebildete Lehrer der Schulen.

Durch die coronabedingte Schließung Mitte März fand auch der Schwimmunterricht der jetzigen Drittklässler ein abruptes Ende. Nicht jeder damalige Zweitklässler war schon perfekt mit den verschiedenen Techniken und Stilen vertraut. Damit nicht eine Generation von Nichtschwimmern heranwächst, ist das sbf-Team bereit, für all jene Schüler, die wegen der ausgefallenen Schulstunden noch nicht Schwimmen können, Extrakurse anzubieten. Voraussetzung dafür allerdings ist, dass der Freistaat die Kosten dafür übernimmt.

Zusätzliche Schwimmkurse sollen nicht zulasten des öffentlichen Schwimmens gehen. „Wenn das Land Sachsen die Finanzierung der Sonderkurse zusagt, dann bieten wir Extrazeiten an“, kündigt Reime an. Die sbf steht bereit, die Öffnungszeiten am Sonnabend und eventuell am Sonntag um zwei Stunden zu verlängern, um so Hallen- beziehungsweise Bahnzeiten als Ersatz für das ausgefallene Schulschwimmen reservieren zu können.

Corona sorgt für weniger Umsatz

Weniger Besucher in der Schwimmhalle bedeutet nicht weniger Arbeit für die rund 30 festen Mitarbeiter des sbf. Im Gegenteil: Für das Umsetzen des Hygienekonzeptes müssen beispielsweise die Reinigungskräfte deutlich häufiger ran. Putzten und wischten sie früher dreimal täglich Sanitärtrakt, Umkleideräume und Flure sowie bei Bedarf gründlich durch, sind sie nun stündlich dort sowie im Schwimmbereich unterwegs, um alles zu desinfizieren. Außerdem sind mehr Mitarbeiter im Kassenbereich im Einsatz, um über die Einhaltung der Besucherobergrenze zu wachen. Für die Schwimmhalle musste Geschäftsführer Reime daher den Personalbestand um drei Mitarbeiter aufstocken. Dringend gesucht wird noch eine Fachkraft für Bäderbetrieb.

Corona sorgt nicht nur für mehr Personalaufwand. Auch die Ausgaben steigen, schon allein für den Einsatz von mehr Putz- und Desinfektionsmitteln. Während der mehrmonatigen Schließung konnte das Wasser aus den Becken auch nicht einfach abgelassen und die Filtertechnik ausgeschaltet werden. Die beiden Wasserbecken der vor rund 36 Jahren in Betrieb genommenen Halle sind gefliest. Ohne Wasser bilden sich Trockenrisse in den Fugen. Um dies zu verhindern, blieb die gesamte Zeit das Wasser drin. Damit sich keine Bakterien oder andere Keime darin bilden, musste es weiterhin umgewälzt und gechlort werden. Rund 700 Euro verschlingt allein die Wassertechnik täglich. Die Kosten fürs Heizen sind da noch nicht eingerechnet.

Wochenlange Schließtage sowie weniger Besucher seit Wiedereröffnung lässt den Umsatz der sbf in diesem Jahr einbrechen. Im Vergleich zu den Vorjahren hat er sich bislang um die Hälfte reduziert.

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