merken
PLUS Radebeul

Stadtteilkümmerer werfen entnervt hin

Die Stadt Radebeul hatte zwei neue Stadtteilmanager gefunden. Diese kündigten aber nach kurzer Zeit. Hat die Verwaltung zu sehr gegängelt?

Vor fünf Jahren stellten Händler der Bahnhofstraße ein Frühlingsfest auf die Beine. Weitere Straßenfeste folgten. Stadtteilmanager sollen Aktionen und Veranstaltungen kreieren, die die Einkaufsmeilen in West und Ost beleben.
Vor fünf Jahren stellten Händler der Bahnhofstraße ein Frühlingsfest auf die Beine. Weitere Straßenfeste folgten. Stadtteilmanager sollen Aktionen und Veranstaltungen kreieren, die die Einkaufsmeilen in West und Ost beleben. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Radebeul. Der Wochenmarkt auf der Hauptstraße sowie der Frischemarkt auf der Bahnhofstraße haben sich in Radebeul etabliert. Um Straßenfeste wie das Frühlingsspektakel oder Radebeul tanzt ist es dagegen ruhig geworden. Um mit derartigen Aktionen und Veranstaltungen Besucher auf die Einkaufsmeilen und Kunden in die Geschäfte der pandemiegebeutelten Einzelhändler zu locken, hat die Stadt Radebeul Zentrenbudgets im Umfang von insgesamt 150.000 Euro verteilt auf drei Jahre eingeführt und nach zwei Stadtteilmanagern gesucht. Die Stellen auf Honorarbasis konnten besetzt werden. Doch nun haben beide, eine Frau und ein Mann, die Reißleine gezogen und ihre Aufgaben nach kurzer Zeit wieder niedergelegt.

Stadtrat macht Vorgänge öffentlich

„Ich habe dies mit Ärger zur Kenntnis genommen“, sagte Stadtrat Uwe Wittig (Freie Wähler) auf der Stadtratssitzung am Mittwochabend, als er den bislang internen Verwaltungsvorgang öffentlich machte. Er zitierte aus seinem Redebeitrag vom Februar dieses Jahres, als das Stadtparlament einstimmig beschlossen hatte, die Stelle des sogenannten Kümmerers für das Zentrum von Radebeul-West neu auszuschreiben und in Ost eine zu schaffen.

Anzeige
Festivalstimmung in der Lausitz
Festivalstimmung in der Lausitz

80 Veranstaltungen an 50 Orten: Das Lausitz Festival will Kultur erlebbbar machen. Mit Vielfalt, bekannten Namen und dem feinen Gespür für Zwischentöne.

„Wer nicht auf Augenhöhe kommuniziert und nicht versteht, dass auf der Straße‘ behördliche Muskelspiele unnötiger Ballast sind, muss sich die Frage gefallen lassen, ob nicht viel Potenzial verspielt wird. Vieles ist über die zwischenmenschliche Ebene möglich. Empathievermögen und die Fähigkeit zu Perspektivwechsel sind unabdingbar“, mahnte Wittig damals an.

Schon im Februar trieb den Stadtrat eine Frage um, und zwar, bei welcher Abteilung im Rathaus die Stadtteilmanager angedockt sind „Menschen, die es schaffen, mitzureißen, Dinge für das Allgemeinwohl auf die Beine stellen, wo andere nur staunen, die den Mut haben neue Wege zu gehen, müssen gehegt werden! Sonst ziehen sich die Akteure zurück und Initiativen gehen zugrunde!“ Das Hegen und das Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen vermisst Wittig bei der Wirtschaftsförderung im Rathaus. Bei dieser Stelle laufen alle Fäden in puncto Zentrenbudgets und Stadtteilmanagement zusammen.

Stellen waren im April ausgeschrieben worden

Der Aufgabenbereich der Stadtteilkümmerer wurde im April-Amtsblatt beschrieben. Die Stadtteilmanager sollen Ansprechpartner für Händler und Gastronomen vor Ort sein und diese vernetzen. Sie dienen als Kontaktpersonen zwischen Gewerbetreibenden und Verwaltung; sie planen, organisieren und führen Veranstaltungen und Werbeaktionen durch, entwickeln Ideen und Projekte, die Menschen in die Innenstadt locken und verweilen lassen. Dafür stellt die Stadt 50.000 Euro pro Jahr von 2021 bis einschließlich 2023 zur Verfügung. 24.000 Euro waren jährlich als Honorar gedacht und 26.000 Euro für Aktionen.

Gesucht wurden Menschen mit unternehmerischem Denken, kaufmännischer Kompetenz sowie einem hohen Maß an Kreativität und Ideenreichtum. Aus den Bewerbungen wurden zwei Stadtteilmanager ausgesucht, die sich gemeinsam sowohl um West als auch Ost kümmern wollten, und zwar als freie Mitarbeiter mit zusammen 24 Stunden im Monat.

„Die Freiheit eines Freelancers war nicht gegeben. Unsere Denk- und Arbeitsweise wurde sehr eingeschränkt“, sagt der Mann. „Das geht nicht, bekamen wir ständig zu hören“, ergänzt die Frau. Beide wollen nicht namentlich genannt werden. Sie wären gern als Stadtteilmanager für Radebeul tätig geworden, wenn sie einen anderen Ansprechpartner im Rathaus bekommen hätten, der sich in ihre Arbeit nicht ständig einmischt, Vorgaben macht und Ideen ablehnt.

Organisation des Frischemarkts ans Kulturamt angedockt

Am Mittwochabend fragte Wittig daher bei der Rathausspitze nach, ob das Stadtteilmanagement nun einem anderen Verwaltungsbereich zugeordnet werde. „Es bleibt bei der Wirtschaftsförderung“, antwortete Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Der Person sollte eine zweite Chance gegeben werden, fuhr er fort. Ein anderes Arbeiten sei möglich. Für die Stellen der Stadtteilmanager gab es eine erneute Bewerbungsrunde. Zwei neue wurden gefunden, die im Juli ihre Arbeit antreten.

Weiterführende Artikel

Frauenpower für die Stadtteilzentren

Frauenpower für die Stadtteilzentren

Um das Beleben von Haupt- und Bahnhofstraße kümmern sich in Radebeul zwei Managerinnen. Sie haben neue Ideen für Einkaufevents.

Kümmerer für Händler in Ost und West

Kümmerer für Händler in Ost und West

Die Stadt Radebeul will einen Stadtteilmanager für ihre beiden Zentren beschäftigen. Zudem bekommt dieser ein Budget für Feste und andere Aktivitäten.

„Wir haben die Resettaste gedrückt“, meinte Müller. Denn das System sei überlastet gewesen, weil man zu viel hineingestopft habe. So war die Organisation des monatlichen Frischemarkts Aufgabe des Stadtteilmanagements in West. Doch dafür wären das Zentrenbudget und die Arbeitsstunden fast komplett draufgegangen. Nun ist die Organisation des Frischemarkts dem Sachgebiet Märkte und Feste im städtischen Kulturamt zugeteilt, dass sich bereits um den Wochenmarkt auf der Hauptstraße in Ost kümmert. Astrid Hadan, die das monatliche Markttreiben auf der Bahnhofstraße ins Leben gerufen hat, wird den Markt weiterführen.

Mehr zum Thema Radebeul