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Über das Leben im Dresdner Knast

Insassen bringen seit 20 Jahren eine Gefangenenzeitung heraus. Ulfrid Kleinert aus Radebeul hat die besten Texte in einem Buch vereint.

Der Verleger Jens Kuhbandner (r.) und der Autor Ulfrid Kleinert packen das im Notschriftenverlag erscheinende Buch über die Dresdner Justizvollzugsanstalt am Hammerweg aus.
Der Verleger Jens Kuhbandner (r.) und der Autor Ulfrid Kleinert packen das im Notschriftenverlag erscheinende Buch über die Dresdner Justizvollzugsanstalt am Hammerweg aus. © Norbert Millauer

Radebeul. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich der Alltag für einen Insassen im Knast anfühlt, wie er Weihnachten und andere Feste dort feiert, wie das Gefängnis zur Theaterbühne wird oder warum in der Justizvollzuganstalt am Hammerweg in Dresden eine Rattenplage herrscht, sollte zum neuesten Buch des Radebeulers, Ulfrid Kleinert, greifen. Ganz frisch ist das Werk mit dem Titel "Ein deutsches Gefängnis im 21. Jahrhundert" dieser Tage aus der Druckerei im Notschriftenverlag an der Bahnhofstraße eingetroffen.

"So ein Buch gibt es noch nicht, wo man erfährt, was an Gutem und Schlechtem im Gefängnis los ist", meint Kleinert. Der Professor, Gründungsrektor und erster Rektor der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden muss es wissen, hat er selbst schon zwei Bücher zum Strafvollzug veröffentlicht. Das Besondere an dem, über 300 Seiten starken Werk ist, dass Gefängnisinsassen selbst zu Wort kommen, besser gesagt, dass sie die Verfasser der wesentlichen Texte, des von Kleinert und Lydia Hartwig herausgegebenen Buches sind, das im Radebeuler Notschriftenverlag erscheint.

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80 Riegel-Hefte bislang erschienen

Kleinert ist seit 2000 Vorsitzender des Anstaltsbeirats der Justizvollzugsanstalt Dresden und des Hammerweg e.V., ein Verein zur Förderung Strafgefangener und Haftentlassener. 2001 wurde das neue Gefängnis am Hammerweg in der Landeshauptstadt mit Platz für 805 Gefangene eröffnet. Seither erscheint bis zu viermal im Jahr die Gefangenenzeitung "Der Riegel", bei der Kleinert Herausgeber und Redaktionsmitglied ist. Bislang sind 80 rote Hefte mit meist rund 40 Seiten erschienen. An ihnen schrieben bislang rund 50 Inhaftierte sowie eine Handvoll ehrenamtlicher Mitarbeiter mit. Die besten Artikel hat Kleinert nun für das Buch ausgesucht, systematisiert und eingeleitet. Das Vorwort schrieb Sachsens Justizministerin Katja Meier Bündnis 90/Die Grünen).

Sieben Kapitel gibt es. Das erste handelt von Beziehungen zwischen drinnen und draußen, im zweiten wird der Knastalltag beschrieben, im dritten gibt es Berichte über das Personal der JVA, das vierte geht auf verschiedene Themenschwerpunkte ein, wie zum Beispiel Drogen, Feste , Begegnungen, aber auch Ängste und Resozialisierung. Das fünfte Kapitel vereint Rezensionen von Büchern, die in der Gefängnisbibliothek zu finden sind, und im sechsten sind Berichte von Fachtagungen aus Meißen versammelt. "Das Lustigste kommt zum Schluss", sagt Kleinert. Im siebenten und letzten Kapitel gibt es Poesie und Satire zu lesen.

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Die erste Auflage ist mit 700 Exemplaren erschienen. Ein Buch kostet 12,90 Euro. Es ist im Notschriftenverlag sowie im Buchhandel erhältlich.

Ulfrid Kleinert, Lydia Hartwig (Hg.): „Ein deutsches Gefängnis im 21. Jahrhundert“, Notschriftenverlag, Radebeul 2021, ISBN: 978-3-948935-14-6.

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