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Viel Lärm und kein Ende

2018 gab es Untersuchungen zur Lärmsituation an der Dresdner Straße in Weinböhla - seitdem hat sich nichts mehr getan, kritisiert die Bürgerinitiative.

Etwa 10.400 Kfz werden am Tag auf der Dresdner Straße in Weinböhla gezählt. Dass die Anwohner, die Kita Wiesenblume (Foto) und die Advita-Anlage deshalb mit Lärm, Abgasen und Feinstaub zu tun haben, liegt auf der Hand.
Etwa 10.400 Kfz werden am Tag auf der Dresdner Straße in Weinböhla gezählt. Dass die Anwohner, die Kita Wiesenblume (Foto) und die Advita-Anlage deshalb mit Lärm, Abgasen und Feinstaub zu tun haben, liegt auf der Hand. © Arvid Müller

Natürlich müsse man der Verwaltung ein bisschen Zeit lassen, sagt Bettina Grumbach, die Fraktionsvorsitzende der Bürgerinitiative Weinböhla (BiW) im Gemeinderat. Aber dieser Antrag datiert vom 30. Oktober 2018. An Bürgermeister Siegfried Zenker gerichtet, „stellt die Fraktion der BiW den Antrag, schnellstmöglich die Voraussetzungen zu schaffen bzw. umgehend den Antrag zu stellen, dass die Gemeinde in das freiwillige Lärmsanierungsprogramm des Freistaates Sachsen aufgenommen wird“. Bis heute habe man keine Antwort erhalten, so Bettina Grumbach.

Zur Begründung wird in dem Antrag auf den Entwurf eines Lärmaktionsplanes Bezug genommen, den das Ingenieurbüro IVAS Dresden 2018 vorgelegt hatte und der auf einem Bürgerforum am 18. September 2018 vorgestellt worden war. Schon am 12. September hatte die BiW-Fraktion im Gemeinderat den Entwurf als nicht weitreichend genug abgelehnt, zudem seien nicht alle relevanten Lärmquellen und -gebiete betrachtet worden.

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Die Untersuchungen des Dresdner Büros hatte ergeben, dass „ganztägig 65 und nachts 66 Bewohner von Weinböhla gesundheitsgefährdendem Lärm ausgesetzt sind“, dass also die zulässigen Werte (siehe Kasten) überschritten sind. „Dazu kommen noch 228 Personen die tags und 134 Personen, die nachts belästigenden Lärm ertragen müssen.“ 

Allerdings beziehen sich diese Zahlen nur auf die kartierte Dresdner Straße und nur auf den durch Straßenverkehr verursachten Lärm. „Es wird darauf hingewiesen, dass durch Summierung mit dem Eisenbahnlärm die Belastungen dort weitaus höher sein dürften. Somit besteht Handlungsbedarf im Sinne des Gesundheitsschutzes.“ Mit dieser Aufforderung endet der Antrag der BiW.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative finden es nicht nicht akzeptabel, dass sämtliche Schallpegel in der IVAS-Untersuchung lediglich berechnet und nicht durch Messungen nachgewiesen wurden. Und: „Es ist unbegreiflich, warum Kindergärten nicht zu den von der Lärmkartierung erfassten Nutzungen gehören. Richtig angemerkt wird durch das Ingenieurbüro, dass gerade die Kita Wiesenblume an der S 84 Erwähnung finden sollte. Die Bewohner von Advita sind zudem noch vom nächtlichen Verkehrslärm betroffen.“

Auf Nachfrage bei der Gemeindeverwaltung erklärte Bürgermeister Siegfried Zenker, dass es am 8. Mai 2019 in der Gemeinderatssitzung eine Antwort auf eine Anfrage von Bettina Grumbach zum Lärmaktionsplan gegeben habe. Danach lautete die Frage, ob die Gemeinde die Aufnahme der Dresdner Straße in das Programm des Freistaates Sachsen für die freiwillige Lärmsanierung an Staatsstraßen beantragt habe. 

„Bürgermeister Siegfried Zenker und Bauamtsleiter Herr Heini konnten hierzu berichten, dass ein entsprechender Antrag auf Aufnahme in die Dringlichkeitsliste gestellt wurde, wofür auch vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) der Eingang bestätigt wurde.“ Allerdings stelle das Amt eigene Berechnungen an: „Diesbezügliche Ergebnisse liegen zurzeit noch nicht vor.“

Lärmsanierung

Rechtliche Situation

Für die Anwohner bestehender Straßen gibt es derzeit keinen gesetzlichen Anspruch auf Begrenzung der Geräuschbelastung. Lärmschutzmaßnahmen an bestehenden Straßen werden jedoch auf freiwilliger Basis durchgeführt und in Abhängigkeit von der Haushaltslage. 

Aufnahme ins Sanierungsprogramm

Seit August 2020 können Kommunen, bei denen die nachfolgenden Schalldruckpegel in Dezibel überschritten werden, um Aufnahme in das Sanierungsprogramm des Bundes bitten. Der Freistaat fördert analog dazu die Lärmsanierung an Staatsstraßen. 

Gewerbegebiete: Tag (6-22 Uhr) 72 Dezibel und Nacht (22-6 Uhr) 62 Dezibel. 

Kerngebiete, Dorfgebiete, Mischgebiete: 66 und 56 Dezibel. 

Reine und allgemeine Wohngebiete, Kleinsiedlungsgebiete, Krankenhäuser, Schulen, Kur- und Altenheime: 64 und 54 Dezibel. 

Passiver Schallschutz

Lassen sich die Lärmquellen nicht beseitigen oder reduzieren, wird zu passivem Schallschutz, etwa dem Einbau von Schallschutzfenstern, gegriffen. Hierfür werden dem Eigentümer maximal 75 Prozent der entstandenen Kosten erstattet. 

Quelle: www.umwelt.sachsen.de/larmsanierung-6137.html

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