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Viel Skepsis bei 5 G

Auf einem sehr gut besuchten Forum diskutieren Bürger und Fachleute in Weinböhla über Chancen und Risiken des neuen Mobilfunkstandards.

Erst für Mobilfunkmasten, die höher als zehn Meter sind, ist in Sachsen eine Baugenehmigung notwendig.
Erst für Mobilfunkmasten, die höher als zehn Meter sind, ist in Sachsen eine Baugenehmigung notwendig. © Daniel Schäfer

Weinböhla. Ob der neue Mobilfunkstandard 5 G gut oder schlecht für Weinböhla ist - diese Frage habe den Gemeinderat schon länger bewegt. Um sich zu orientieren, wurde deshalb zu diesem Forum eingeladen, erklärte Bürgermeister Siegfried Zenker (CDU) am Mittwochabend im Zentralgasthof Weinböhla. Das Interesse am Thema war groß - etwa hundert Einwohner waren gekommen, das Podium war hochkarätig mit acht Männern und einer Frau besetzt.

Jens Kuhne vom Bundesamt für Strahlenschutz übernahm es, dem Auditorium zu erklären, was 5 G eigentlich ist. Wie alle vorangegangenen Mobilfunkstandards nutze auch deren nunmehr 5. Generation hochfrequente elektromagnetische Felder, um Informationen zu übertragen.

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 Dabei verwende 5 G bereits vorhandene Frequenzen älterer Generationen zur Übertragung. Allerdings sei es mittelfristig geplant, sehr viel höhere Frequenzen bis zu 20 Gigahertz (GHz) zu nutzen. Zum Vergleich: Das derzeit übliche Netz 4 G läuft auf Frequenzen bis maximal 3,6 GHz.

Zur Frage, ob elektromagnetische Strahlungen Auswirkungen auf den Menschen haben, erklärte Jens Kuhne, dass sehr hohe Strahlungen chemische Verbindungen brechen könnten. Allerdings habe man bislang durch die beim Mobilfunk entstehenden Strahlungen „gesundheitliche Nachteile nicht nachweisen können“.

Diese Aussage bekräftigte Alexander Lerchl, Professor für Biologie und Ethik in Wissenschaft und Technologie an der Universität Bremen. „Wenn es gesundheitliche Auswirkungen gäbe, würden wir das zuerst am Gehirn sehen. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund zur Sorge.“

Forum im Zentraler: Seit September 2019 gibt es eine Bürgerinitiative in Weinböhla gegen 5 G.
Forum im Zentraler: Seit September 2019 gibt es eine Bürgerinitiative in Weinböhla gegen 5 G. © Udo Lemke

Diese Position wurde aus dem Publikum und auf dem Podium in Zweifel gezogen. So erklärte Ulrich Weiner vom Förderverein Unverstrahltes Land - Stoppt 5 G, dass höhere Raten an Datenübertragung zwangsläufig höhere Emissionen nach sich ziehen. „Das Ziel muss eine flächendeckende Glasfaserversorgung sein.“ 

Diese könne ständig auf neue Standards erweitert werden und sei viel schneller als Mobilfunk. Darin folgte ihm Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Vorrangig sollten die Breitbandnetze ausgebaut werden, derzeit ist 4 G völlig ausreichend.“ 

Alle angeführten Nutzungen von 5 G, etwa die Vernetzung von Autos und landwirtschaftliche Maschinen oder die Füllstandsabfrage bei Kühlschränken und Mülltonnen, seien ohne 5 G möglich.

Was Weinböhla betrifft, so erklärte Bolko Weilandt, der Kommunalbeauftragte der Deutschen Telekom Technik GmbH für Mobilfunk in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, dass für den Bahnverkehr zwei neue Sendemasten in der Gemeinde gebraucht werden. Allerdings „hat die Telekom dafür noch keine Planungen“.

Zur Frage, welchen Einfluss der Gemeinderat auf den Ausbau des 5-G-Netzes nehmen kann, erklärte Rechtsanwalt Stefan Vetter aus Dresden, dass die Entscheidungen darüber durch den Landkreis gefällt würden. Verbraucherschützerin Katja Henschler warb dafür, dass die Kommunen genau schauen sollten, welcher Bedarf für Bürger und Industrie besteht. Ulrich Weiner kritisierte: „Die Industrie gibt den Takt vor und die Behörden müssen nachziehen.“

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In der Diskussion mit den Bürgern wurde deutlich, dass es starke Vorbehalte gegen einen 5-G-Netzausbau für Weinböhla gibt. Die Unabhängigkeit der Fachleute auf dem Podium wurde teils angezweifelt, ebenso ihre wissenschaftliche Expertise. Bemerkt wurde auch, dass es unmöglich sei, die Vielzahl unterschiedlicher Studien zum Thema zu erfassen.

Bürgermeister Siegfried Zenker zog dennoch ein positives Fazit, wonach die gegen 21.30 Uhr beendete Veranstaltung zum Kennenlernen der Positionen des jeweils anderen beigetragen habe.

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