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Vier Sterne für Wackerbarth

Das Staatsweingut in Radebeul konnte die Fachjury des Weinführers Falstaff überzeugen. Seine Winzer bekamen als erste in Ostdeutschland diese Auszeichnung.

Von Silvio Kuhnert
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Golden zeigten sich nicht nur die Weinberge von Schloss Wackerbarth im vergangenen Herbst. Auch die im Weinkeller gereiften Tropfen sind Edelmetall und weitere Preise wert.
Golden zeigten sich nicht nur die Weinberge von Schloss Wackerbarth im vergangenen Herbst. Auch die im Weinkeller gereiften Tropfen sind Edelmetall und weitere Preise wert. © Norbert Millauer

Radebeul. Schloss Wackerbarth hat im aktuellen Falstaff Weinguide Deutschland einen weiteren Stern erhalten. Es ist der nunmehr vierte für das Staatsweingut in Radebeul.

"Sterne in Weinführern sind für Winzer dabei so wertvoll wie die Sterne für Köche", teilte Wackerbarth-Sprecher Martin Junge mit. Die 17 unabhängigen Verkoster des Falstaff Weinguide Deutschland 2021 würden diese Auszeichnung nur an Weingüter vergeben, die kontinuierlich für Spitzenleistungen bekannt seien und deren stilistische Ausrichtung im In- und Ausland hohes Ansehen besäße. Nach eigenen Angaben ist Wackerbarth das bislang einzige Weingut in Ostdeutschland, das diese Bewertung in einem der großen renommierten Weinführer Deutschlands erhalten hat.

„Als erstes Weingut des Ostens überhaupt mit vier Sternen ausgezeichnet zu werden, ist eine ganz besondere Ehre für uns. Damit bestätigen und würdigen die Genussexperten des Falstaffs nicht zuletzt auch die jahrhundertelange Genusskompetenz Sachsens“, freut sich Sonja Schilg, die Geschäftsführerin von Schloss Wackerbarth. „Dieses einzigartige Ergebnis entsteht aus dem stetigen Streben unserer Mitarbeiter nach besten Qualitäten, aber auch aus der langjährigen Treue und Verbundenheit unserer Kunden.“

Erfolgreiche Entwicklung des sächsischen Weingebiets

Für das Weingut ist die Ehrung eine Bestätigung der erfolgreichen Arbeit der vergangenen 30 Jahre. "Seit der deutschen Wiedervereinigung hat sich der sächsische Wein sehr positiv und dynamisch entwickelt. Die Elbtalwinzer haben den Anschluss an ihre westdeutschen Kollegen – mit einer jahrhundertelangen, nicht unterbrochenen Weingeschichte – in einer Rekordzeit geschafft und dabei so manchen Wetterkapriolen und naturbedingten Rückschlägen erfolgreich getrotzt", so Wackerbarth-Sprecher Junge. Er erinnert an die Jahrhundertflut im Jahr 2002, die schlechten Ernten zwischen 2009 und 2013 mit niedrigem Erträgen durch Frost oder die lang anhaltende Trockenheit und Hitze in den zurückliegenden Jahren, welche die Winzer im Elbtal meistern mussten.

Anbaufläche hat sich um 22 Prozent seit 2000 vergrößert

Junge hat einige interessante Zahlen zusammengetragen: "Allein seit dem Jahr 2000 ist die Rebfläche im Elbtal gegen den gesamtdeutschen Trend von 409 auf über 500 Hektar in 2020 gewachsen." Das sei ein Plus von 22 Prozent. Somit besitze das Weinland Sachsen erstmals seit dem 19. Jahrhundert wieder mehr als 500 Hektar Ertragsrebfläche. "Die Anzahl der Haupterwerbswinzer hat sich seit 2010 zudem fast verdreifacht und beträgt heute 37 Betriebe; die Zahl der Nebenerwerbswinzer hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt auf 41 Betriebe", informiert Junge. Außerdem sind im Elbtal noch heute etwa 1.800 Kleinstwinzer und damit mehr als 20 Prozent aller Hobby- und Freizeitwinzer Deutschlands aktiv.

Im Weinberg setzt Weinbauleiter Till Neumeister moderne Technik wie ein Tablet ein.
Im Weinberg setzt Weinbauleiter Till Neumeister moderne Technik wie ein Tablet ein. © Robert Michael/dpa

Winzer räumen regelmäßig Preise ab

Nur etwa 0,25 Prozent des deutschen Weins stammt aus dem Elbtal. Der Durchschnittsertrag der sächsischen Winzer liegt mit rund 50 Hektoliter je Hektar nur bei etwa der Hälfte des gesamtdeutschen Durchschnitts von meist über 100 Hektoliter pro Hektar. "Dass es im Weinberg und Weinkeller jedoch nicht auf die Größe oder Durchschnittserträge, sondern vor allem auf die Qualität ankommt, beweisen die sächsischen Winzer jedes Jahr aufs Neue", so Junge. Als Beleg dafür nennt er die wiederholten Medaillen und Auszeichnungen für sächsische Winzer beispielsweise bei den Decanter World Wine Awards in London, bei der AWC Vienna, bei Mundus Vini, beim Internationalen Bioweinpreis oder bei der Bundesweinprämierung

Der Falstaff-Weinführer erscheint jedes Jahr Ende November oder Anfang Dezember. Das rund 700 Seiten umfassende Werk gilt wie andere Weinführer auch als „Bibel“ der Weinfreunde. In diesem Jahr bewerteten die Verkoster - darunter der Falstaff-Chefredakteur Ulrich Sautter oder die Master of Wine Anne Krebiehl - insgesamt 4.500 Weine von 550 Weingütern aus ganz Deutschland.

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