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Wenn die Blase drückt und das WC defekt ist

Die öffentliche Toilette im Radebeuler Kultur-Bahnhof ist seit Wochen kaputt. Neben einer Reparatur fordert ein Bürger eine kostenlose Lösung für die Notdurft.

Von Silvio Kuhnert
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Der Kultur-Bahnhof bildet mit der nahe gelegenen Hauptstraße das Zentrum von Radebeul-Ost.
Der Kultur-Bahnhof bildet mit der nahe gelegenen Hauptstraße das Zentrum von Radebeul-Ost. © Arvid Müller

Radebeul. Es ist eine missliche Lage, die jeder wohl kennt: Man ist unterwegs und spürt plötzlich einen Druck auf der Blase. Der Körper verlangt nach einer Erleichterung, man schaut sich nach einem öffentlichen WC um.

So ging es neulich dem Radebeuler Thomas Hofmann. Als er in Radebeul-Ost war, plagte ihn ein allzu menschliches Bedürfnis. Daher eilte er zum WC im Kultur-Bahnhof. Doch da gab es eine böse Überraschung. Die Tür war verschlossen. An ihr hing ein Schild, worauf stand: "Defekt!" Das Schild hängt immer noch.

Daraufhin ging Hofmann zum Rewe-Markt. Aber auch dort war die Toilettentür verschlossen. Daher sah er seine letzte "Rettung", wie er es schildert, im Dresdner Backhaus an der Sidonienstraße. Dort fand er endlich Erleichterung. Doch was ist, wenn die Bäckereifiliale nicht geöffnet hat? Das WC kann dort nur zu den Öffnungszeiten genutzt werden. Hofmanns Fazit lautet daher: In Radebeul-Ost muss eine öffentliche Toilette her, die kostenlos ist. Denn in das WC im Kultur-Bahnhof, wenn es nicht gerade defekt ist, kommt man nur hinein, wenn man die passende Münze (50 Cent) einstecken hat. Ohne Kleingeld bleibt die elektronische Automatiktür verschlossen.

Kostenloses Toilettenhaus gefordert

Mit einer Beschwerde, dass es im Zentrum von Radebeul-Ost keine kostenlose öffentliche Toilette gibt, wandte sich Hofmann an Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). "Vor allem zum Wochenmarkt am Freitag, wenn viele Leute unterwegs sind, fehlt so etwas", sagt Hofmann. Er hat auch einen Lösungsvorschlag. Ein Toilettenhaus könnte im Bereich des Güterbodens bei der Ladestation für E-Autos errichtet werden. "Im Alaunpark in Dresden gib es so etwas, sieht zwar nicht schön aus, aber man hat eine Möglichkeit seine Notdurft zu verrichten", so Hofmann. Die Finanzierung für das WC-Häuschen kann er sich über den Verkauf von Werbeflächen an der Außenfassade sowie durch Zuschüsse der städtischen Tochtergesellschaft, Stadtwerke Elbtal und Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul, vorstellen.

Nur mit Münzeinwurf lässt sich die Toilettentür am Kultur-Bahnhof öffnen, wenn der Automat nicht defekt ist.
Nur mit Münzeinwurf lässt sich die Toilettentür am Kultur-Bahnhof öffnen, wenn der Automat nicht defekt ist. © Arvid Müller

Der Rathauschef hat eine Reparatur des WCs im Kultur-Bahnhof bereits veranlasst. Eine rasche Realisierung scheiterte jedoch bislang an der Beschaffung von Ersatzteilen. Wie die Privatwirtschaft ist auch die Stadt von den derzeit herrschenden Lieferengpässen betroffen. "Auch eine weitere Toilette, wie von Ihnen vorgeschlagen, in unmittelbarer Nähe würde daran nichts ändern, denn auch dort können naturgemäß durch Vandalismus oder einfach Beschädigung Störungen auftreten. Eine öffentliche Toilette neben eine öffentliche Toilette zu bauen, ist daher kein Weg", schreibt OB Wendsche in der Antwort-E-Mail an Hofmann, die Sächsische.de vorliegt.

Nächste Woche ist Reparatur komplett

Künftig werde es zudem bei einem Münzautomaten bleiben, "da ein Benutzen ohne jegliche Bezahlung erfahrungsgemäß die Hemmschwelle für Zerstörungen noch weiter absenkt, da man ja ohne Hindernis reinkommt", so das Stadtoberhaupt. Und was das von Hofmann vorgeschlagene Finanzierungsmodell für ein weiteres Toilettenhaus durch Zuschüsse von städtischen Gesellschaften betrifft, informiert Wendsche: "Bei öffentlichen Monopolen – Wasser, Abwasser – verbietet sich dies von selbst. Dies ist rechtlich unzulässig."

Beim WC im Kultur-Bahnhof ist seit Wochen der Münzautomat kaputt. Ausgebaut wurde er bereits. "Für die Herstellung und Reparatur an sich gibt es aber in Deutschland nur zwei Firmen", teilt Stadtsprecherin Ute Leder mit. In diesem Falle wurde das Gerät nach Berlin geschickt und kommt diese Woche zurück. "Nächste Woche erfolgt dann der Einbau", so Leder.

Gegen den Bau eines weiteren Toilettenhauses spricht sich auch Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) aus: "Die Stadt hat sich bei der Neugestaltung des Gesamtareals bewusst für eine integrierte Lösung des allseits gewünschten öffentlichen WCs im Radebeuler Kultur-Bahnhof entschieden." Dieses befinde sich in unmittelbarer Nähe des vom Bürger vorgeschlagenen Standorts.