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Wegen Corona: Wagenburg für Bauernmarkt

Der Markt am Sonntag auf der Radebeuler Festwiese war gut besucht. Der Veranstalter sorgte für einen geordneten Ablauf.

Zum ersten Mal auf der Festwiese: Der Bauernmarkt lockte mit seinen 60 Händlern zahlreiche Besucher nach Altkötzschenbroda.
Zum ersten Mal auf der Festwiese: Der Bauernmarkt lockte mit seinen 60 Händlern zahlreiche Besucher nach Altkötzschenbroda. © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Radebeul. Hellblau erstrahlte der Himmel über der Radebeuler Festwiese in Altkötzschenbroda am Sonntagvormittag. Bei sonnigen 18 Grad strömten die Besucher in Scharen auf den Bauernmarkt. Die Parkflächen waren überfüllt. Aus dem Vogtland, aus Riesa, Freiberg, Dresden, Pirna und Meißen kamen die Schau- und Kauflustigen angereist. Selbst Ehepaare und Familien aus Berlin und Brandenburg nahmen den weiten Weg nach Radebeul auf sich, um auf dem Markt Korb-, Leder- und Wollwaren, frisches Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch zu ergattern – unter strengen Auflagen.

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„Bitte hören Sie mir einmal zu. Jeder reiht sich in die Eingangsschlangen ein, trägt einen Mundschutz und bekommt von uns Kontaktformulare und Stifte“, erklärte ein Sicherheitsmitarbeiter den wartenden Besuchern am Eingang unmissverständlich. „Bevor Sie den Markt betreten, desinfizieren Sie sich bitte die Hände. Danach können Sie den Mundschutz ablegen.“

Die Corona-Gefahr wurde von den Veranstaltern sehr ernst genommen. Eventmanager Holger Tintner hätte auch nach den neuen Vorschriften noch 999 Leute gleichzeitig auf das geräumige Areal auf der Festwiese lassen können. Das wollte er aber genau nicht. „Die steigenden Corona-Zahlen nehmen wir ernst. Wir wollen nicht, dass unser Markt überfüllt ist, und wir wollen die Ansteckungsherde minimieren. 250 Menschen dürfen auf den Markt, danach gibt es einen Einlass-Stop“, erklärte der Chef des Marktes.

Auch an diesem sonnigen Einkaufssonntag galten Hygiene- und Abstandsregeln. Die Stände wurden kreisförmig platziert, um den Besucherstrom zu lenken. Gäste warteten geduldig am Eingang. Bei 250 Besuchern wurde der Einlass zeitweise gestoppt.
Auch an diesem sonnigen Einkaufssonntag galten Hygiene- und Abstandsregeln. Die Stände wurden kreisförmig platziert, um den Besucherstrom zu lenken. Gäste warteten geduldig am Eingang. Bei 250 Besuchern wurde der Einlass zeitweise gestoppt. © Norbert Millauer

Hatte man nun die Einlassschlange überwunden und wurden alle Formalitäten erledigt, erwarteten die Gäste 60 verschiedene Händler aus vier Nationen – Ungarn, Polen, Tschechien und Deutschland. Dabei reisten rund die Hälfte aller Verkäufer aus der Region nach Radebeul an. Viele der Händler kommen schon seit über zehn Jahren zum Bauernmarkt, um sich zu präsentieren.

Für Handwerker wie Korbmachermeister Detlef Gedrange war der Markt eine gute Möglichkeit, ihre Produkte und Berufstradition vorzustellenEiner davon war Korbmachermeister Detlef Gedrange aus Pirna. Die Korbmacherkunst begleitete ihn schon sein Leben lang. Seine Großeltern und Eltern waren wie er Korbmachermeister. 

2021 wird Gedrange sein 50-jähriges Berufsjubiläum feiern und kommt immer wieder sehr gern nach Radebeul: „Der Bauernmarkt war schon immer fabelhaft. Es gibt nur noch sehr wenige Möglichkeiten, seine Produkte vorzustellen. Ich bin einer von zwei Korbmachermeistern aus der Region – die Tradition wird aussterben“, bedauert er. „Präsent zu sein und Leuten die Arbeit hinter den Körben vorzustellen, macht mir immer noch viel Freude. Vielleicht war das in diesem Jahr die letzte Möglichkeit für uns. Es ist zurzeit alles sehr schwierig.“

Für Handwerker wie Korbmachermeister Detlef Gedrange war der Markt eine gute Möglichkeit, ihre Produkte und Berufstradition vorzustellen
Für Handwerker wie Korbmachermeister Detlef Gedrange war der Markt eine gute Möglichkeit, ihre Produkte und Berufstradition vorzustellen © Norbert Millauer

Diese Schwierigkeiten der Händler hatten auch die Besucher erkannt und unterstützen die Verkäufer gern. Eine große Nachfrage gab es bei den Gärtnerei-Ständen, die Herbstblumen, Gestecke und Kürbisse verkauften. Astern, Glocken-Heiden und Chrysanthemen schmückten den Markt gemeinsam mit Zier- und Gartenkürbissen. Diese waren sechs Tage vor Halloween bei den Besuchern natürlich sehr gefragt. „Bei dem schönen Wetter sind wir aus Riesa gern nach Radebeul gefahren, um uns mit Pflanzen für den Garten einzudecken“, berichtet ein sichtlich gut gelauntes Ehepaar. „Unsere Kinder werden die Kürbisse schnitzen, während wir unseren Balkon herbstlich gestalten.“

Etwas Balsam für die Seele suchten in der Krisenzeit auch Gäste aus Berlin: „Mit den neuen Regeln ist es in unserem Bundesland unaushaltbar. Wir wollten einfach nur weg und uns eine kurze Auszeit gönnen – da, wo die Fälle nicht so rasant ansteigen.“ Viele Besucher trugen, obwohl nicht vorgeschrieben, auch auf dem Marktgelände eine Maske.

Es war ein Spagat für die Gäste und Veranstalter. Zwischen freudiger Einkaufslust, notwendiger sozialer Distanz, Angst vor Neuinfektionen und Sorgen über Arbeitsverlust. Herrschten während des bunten Markttreibens doch permanent etwas Unsicherheit und Sorge darüber, wie der Bauernmarkt nun weiter geht und was wohl die Zukunft für Händler und Veranstalter bringen wird.

Diese unterschwelligen Gedanken teilte auch Silke Altmann von der Kulturlandschaft Moritzburg GmbH (KLM). Die gemeindeeigene Gesellschaft hatte ihre für das vergangene und kommende Wochenende geplanten Herbstmärkte am Donnerstag vorsichtshalber abgesagt: „Klare Konzepte gibt es weiterhin nicht. Man muss weiterhin ausprobieren, was funktionieren könnte und was eben nicht. Es ist nach wie vor eine schwierige Situation.“

Der Großteil der Besucher verlies gut gelaunt den Bauernmarkt, an dessen Eingang der Strom der Wartenden nicht abriss. Holger Tintner plant schon die nächste Ausgabe des Marktes. Diese soll im April 2021 erneut auf der Festwiese stattfinden – dann hoffentlich wieder freier.

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