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Weißrussen zahlen hohen Preis für Freiheit und Demokratie

Die Couragepreisträgerin Olga Karatch berichtete in Radebeul über Folter und Verfolgung in ihrem Heimatland. Ihre Berichte sind erschütternd.

Olga Karatch bekam 2010 den Radebeuler Couragepreis. Auf Einladung von Frank Richter, Vorsitzender des Couragepreisvereins, besuchte sie erneut die Lößnitzstadt.
Olga Karatch bekam 2010 den Radebeuler Couragepreis. Auf Einladung von Frank Richter, Vorsitzender des Couragepreisvereins, besuchte sie erneut die Lößnitzstadt. © Norbert Millauer

Radebeul. Es sind erschütternde Bilder, die Olga Karatch in einem Hefter zusammengestellt hat. Sie zeigen Menschen mit großen offenen Wunden. Haut und Muskeln klaffen an Armen oder Beinen auf und lassen bis auf den Knochen blicken. Auf den Fotos sind die schlimmen Verletzungen weißrussischer Opfer zu sehen, die in die Fänge der Schergen des Lukaschenko-Regimes geraten sind.

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In der Dokumentation berichtet Olga Karatch von Folter und Misshandlungen durch die Polizei. Ihre Opfer mussten unsägliche Qualen durchmachen, nur weil sie friedlich gegen die Herrschaft von Präsident Alexander Lukaschenko demonstriert haben. Nach dem Wahlsonntag im August 2020 kam es zu Massenprotesten in Weißrussland.

Schreckliche Taten

Die Fotos sind nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Eines zeigt die Folgen einer schrecklichen Tat. „Ein Polizist warf aus Spaß eine Blendgranate unter die Kleidung eines Demonstranten“, berichtet Karatch. Und angesichts des offenen Rückens mag man kaum glauben: „Wir möchten betonen, dass all diese Menschen noch Glück hatten, weil die Polizisten irgendwann Mitleid mit ihnen hatten, und beschlossen, medizinische Hilfe zu holen, um sie zu retten.“ Doch das ist eine Ausnahme. „In der Regel rufen die Polizisten in solchen Situationen nicht nach medizinischer Hilfe“, heißt es weiter in dem Rapport.

„Bis heute wurden allein seit dem 9. August 2020 mehr als 20.000 friedliche Demonstranten in unterschiedlichem Ausmaß festgenommen und gefoltert“, berichtet Karatch. Reichlich 200.000 Weißrussen haben ihr Heimatland verlassen, weil sie verfolgt werden. „Den Preis, den Weißrussen für Demokratie und Freiheit zahlen, ist sehr hoch“, sagt die Preisträgerin des Radebeuler Couragepreises aus dem Jahr 2010 in der Kategorie international.

Gründerin des Bündnisses "Nash Dom"

Auch die Oppositionelle und Bürgerrechtlerin Olga Karatch agiert nun von Litauen aus, weil es in ihrem Heimatland für sie zu gefährlich ist. Ursprünglich stammt die 42-Jährige aus Vitebsk, der viertgrößten Stadt in Belorussland. Im Alter von 26 Jahren gründete sie als politisch interessierte Studentin und Stadtratsabgeordnete das Bündnis „Nash Dom“ (deutsch: „Unser Haus“), das sich für die Rechte von Mietern eines staatlichen Gebäudekomplexes einsetzte. Inzwischen hat sich „Nash Dom“ zu einem landesweit aktiven Menschen- und Bürgerrechtsnetzwerk entwickelt. Olga Karatch kümmert sich um weißrussische Flüchtlinge, insbesondere um Frauen und Kinder und setzt sich für ein Ende der Folter ein.

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Auf Einladung des Couragepreisvereins und dessen Vorsitzenden, des SPD-Landtagsabgeordneten Frank Richter, besuchte sie nun Sachsen, um über die Menschenrechtsverletzungen des Lukaschenko-Regimes, die aktuelle Situation in Weißrussland, aber auch über die Arbeit ihres Nash-Dom-Netzwerkes zu berichten.Eine Spende von 1.500 Euro übergab der Couragepreisverein an die Menschenrechtsaktivistin und ruft zu weiteren Geldspenden auf. „Olga Karatchs Arbeit für die Demokratie in einer der letzten Diktaturen Europas verdient unseren Respekt und unserer Unterstützung“, so Richter.

Bankverbindung: Radebeuler Couragepreis. IBAN: DE 15 850 55 000 300 005 1120; Stichwort: Belarus

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