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Wenn der Hirsch schreit

Im Wildgehege Moritzburg ist Brunftzeit. Warum es jetzt weniger Tiere sind und was sich beim Füttern verändert hat.

So sieht es aus, wenn ein Hirsch röhrt. Direkt vor der Anlage im Moritzburger Wildgehege steht diese Metallplastik. Mit etwas Glück können die Besucher das auch in echt erleben.
So sieht es aus, wenn ein Hirsch röhrt. Direkt vor der Anlage im Moritzburger Wildgehege steht diese Metallplastik. Mit etwas Glück können die Besucher das auch in echt erleben. © Matthias Schumann

Moritzburg. In diesen Wochen ist eine besondere Stimmung im Moritzburger Wildgehege. Nicht nur, dass sich im goldenen Oktober zarte Nebel und feine Spinnennetze vermehrt über Wiesen und Bäume legen, es ist Brunftzeit für das Rotwild. Wer Geduld hat, hört die Hirsche, wie sie den Hals lang machen, das Maul öffnen und einen langgedehnten Schrei ausstoßen.

Schreien oder röhren sagt man dazu, so Ronald Ennersch, Leiter des Wildgeheges und langjähriger Revierleiter. 22 Stück Rotwild sind derzeit im Gehege. Sie haben genügend Auslauf. Die Wiesen bieten reichlich Futter. Das war nicht immer so. In den Vorjahren tummelten sich mitunter doppelt so viele Hirsche und Kühe innerhalb der zehn Hektar.

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Es war nicht so sehr ein Platz- als ein Konkurrenzproblem. Um den Platzhirsch, der die Hirschkühe in der Brunftzeit befruchten soll und diese auch streng bewacht, gibt es immer wieder Nebenbuhler. Spießer sagen die Fachleute zu den heranwachsenden Junghirschen, die auch mal an die Hirschkühe ranwollen.

Aktiv sind die Tiere vom Rotwild jedenfalls in diesen Wochen innerhalb des zehn Hektar großen Geländes.
Aktiv sind die Tiere vom Rotwild jedenfalls in diesen Wochen innerhalb des zehn Hektar großen Geländes. © Matthias Schumann

Ennersch: „Es war im letzten Winter so, dass bis zu zwölf Konkurrenten den Platzhirsch bedrängten und ihm großen Stress verursachten. Zumal sich wegen der milden Witterung die Brunftzeit bis fast in den Januar hinzog. In dieser Zeit fressen die Hirsche, vor allem der Platzhirsch, sehr wenig.“ Die Angreifer haben den Platzhirsch letztlich so müde gemacht und auch verletzt, dass er gestorben ist.

Der Wildgehegeleiter sagt, dass es jetzt noch sechs Hirsche sind, zwei Junghirsche, 14 Hirschkühe und sechs Kälber. Das sei ein gesundes und ausgewogenes Verhältnis. Und dafür sind die zehn Hektar Gelände fürs Rotwild genau richtig.

Draußen im freien Wald beginnt die Brunft bereits im September. Sie dauert üblicherweise vier bis sechs Wochen. Im Gehege beginnt das Schreien und Röhren meist drei bis vier Wochen später als in freier Wildbahn, so Ennersch.

Alfred hat auch schon geschrien, sagt der Forstmann. Gemeint ist der weiße Hirsch, der ja auch zum Rotwild zählt, nur eben eine besondere Färbung aufweist. Alfred ist noch jung, ganze drei Jahre. Die beiden Hirschkühe, die meist um ihn herum im Gras dösen, sind schon sieben und acht Jahre. „Wir hoffen, dass es bald Nachwuchs gibt und Hirsch Alfred jetzt soweit zum Zeugen ist“, sagt Ronald Ennersch. Bisher sei noch nichts festzustellen gewesen, eben weil er wohl bisher zu jung war.

Auch der weiße Hirsch hat schon geröhrt und ist in der Brunftzeit, sagt Wildgehegeleiter Ronald Ennersch.
Auch der weiße Hirsch hat schon geröhrt und ist in der Brunftzeit, sagt Wildgehegeleiter Ronald Ennersch. © Matthias Schumann

Wer ganz sicher gehen will, dass er den oder die Hirsche sieht - auf zehn mal 10.000 Quadratmetern gibt es schließlich viele Versteckmöglichkeiten -, der findet die besten Gelegenheiten bei den Fütterungsrunden. Zweimal am Tag - am Morgen kurz nach der Wildgehege-Öffnung und etwa 14 Uhr - machen die Mitarbeiter die Runde. Früh werden die Anlagen und Futterstellen gereinigt. Dann gibt es Saftfutter, etwa Möhren oder Äpfel.

Ennersch: „Eigentlich finden die Tiere im Gehege von Frühjahr bis Herbst genügend, aber mit dem Saftfutter locken wir, um den Bestand zu ermitteln und nach der Gesundheit der Tiere zu schauen.“ Nicht selten hören die Hirsche, Füchse oder Wildschweine schon, wenn das Elektrofahrzeug in der Nähe startet und stellen sich dann schon nahe der Futterstelle auf.

Das mit dem Füttern oder Futter abgeben durch Besucher haben die Leute vom Wildgehege abgeschafft. Es habe viele Leute gegeben, die ordentlich ausgelesene Eicheln oder Kastanien abgegeben hätten. Aber immer wieder seien darunter auch welche gewesen, die nasses oder mit Wegesplit zusammengekehrtes Futter dazu gekippt hätten. „Wir mussten dann meist alles entsorgen. Schade und unnütz“, sagt der Gehegeleiter.

Abgeschafft wurde auch der Futtersäckchenkauf neben der Kasse. Wenn die Tiere in den großen Besuchszeiten permanent gefüttert werden mit Hafer, dann ist das auch nicht gut. „Wir essen auch nicht den ganzen Tag Schnitzel“, sagt Ennersch. Und dennoch passiere es immer wieder, dass Süßigkeiten und Pommes durch den Zaun gereicht würden. Tiere mit aufgeblähten Bäuchen, die sich krank fressen, seien das Ergebnis.

200 Tiere in 28 verschiedenen Arten beherbergt das Wildgehege Moritzburg auf einem Areal von 44 Hektar. Was sich die Kurfürsten früher als Aufzuchtareal für Jagden angelegt hatten, ist heute eine Einrichtung von Sachsenforst, eingeordnet unter der Bezeichnung waldpädagogische Sondereinrichtung für heimisches Wild. Welche von den Besuchern gut genutzt wird. „Wir liegen, trotz Corona, im normalen Jahresmittel zwischen 120.000 und 180.000 Gästen“, sagt der Gehegeleiter.

www.sbs.sachsen.de/wildgehege-moritzburg

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