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Wer wütet auf dem Spielplatz der evangelischen Schule?

Kinder in Radebeul haben sich an Scherben von zerschlagenen Bierflaschen verletzt. Sie wenden sich mit einem Appell an die Vandalen.

In der Nacht sind wiederholt Unbekannte über das Tor zum Hof des Evangelischen Schulzentrums geklettert, um auf dem Spielplatz Bier zu trinken. In einem Brief am Torgitter appellieren Schul- und Hortkinder, dieses Treiben zu unterlassen.
In der Nacht sind wiederholt Unbekannte über das Tor zum Hof des Evangelischen Schulzentrums geklettert, um auf dem Spielplatz Bier zu trinken. In einem Brief am Torgitter appellieren Schul- und Hortkinder, dieses Treiben zu unterlassen. © Norbert Millauer

Radebeul. "Liebe Jugendliche! Stopp – bevor ihr wieder über den Zaun steigt, lest das hier bitte!!!“ Dieser eindringliche Appell steht auf einem großen Hinweisschild am Tor zum Hof des Evangelischen Schulzentrums (ESZ) in Radebeul. Schüler und Hortkinder haben ihn verfasst, weil sie den Vandalismus auf ihrem neuen Spielplatz nicht länger hinnehmen möchten.

„Wir konnten die ganze letzte Woche nicht rutschen, weil Scherben von Bierflaschen sich in der Rutsche befanden. Das fanden wir sehr doof und auch gemein“, ist auf dem Schild weiter zu lesen. Die Schüler und Hortkinder fordern Respekt für ihren Spielort ein. „Bierflaschen, Scherben und auch andere ekelige Gegenstände am Montagmorgen finden wir zum Kotzen“, sind ihre deutlichen Worte.

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Wer diejenigen sind, die sich nachts auf dem Spielplatz treffen, ist derzeit nicht bekannt. Dass es sich um Jugendliche handelt, ist nur ein Verdacht. Dieser nährt sich an dem Umstand, dass Erwachsene sich erfahrungsgemäß nicht auf Spielplatzen in der Dunkelheit tummeln. Zudem gab es in der Vergangenheit, als der Bereich noch öffentlich zugänglich war, immer wieder Beschwerden von Nachbarn, über laute Jugendliche, die dort Bier tranken.

Spielplatz erst dieses Jahr neu gebaut

Den Spielplatz hat der Evangelische Schulverein im vorigen Frühjahr neu anlegen lassen. Er verfügt über einen Fitnessparcours mit Holzstangen und Griffen zum Hangeln sowie Boxsäcken, Sitzecken zum Quatschen und einen Kletterturm mit einer langen Rutsche. Auf dem großzügigen Spielbereich können die Schulkinder die Hofpausen verbringen und am Nachmittag sich die Hortkinder des ESZ und der Stadt Radebeul austoben. Wenn das letzte Hortkind nach Hause gegangen ist, wird am späten Nachmittag das Tor zum Hof mit dem Spielplatz abgeschlossen.

Über die Sommermonate hindurch gab es aber immer wieder nächtlichen Besuch, von denen Hinterlassenschaften wie leere Bierflaschen am nächsten Morgen zeugten. Ein Vorfall vor rund vierzehn Tagen war nun der Anlass für den Appell am Tor. „Flaschen wurden in den Rutschkanal geworfen und zerschellten“, berichtet ESZ-Geschäftsführer Falk Wenzel. Die Scherben wurden nicht gleich entdeckt, sondern erst, als die ersten Kinder die Rutsche nutzten und sich verletzten. „Das war richtig fies“, so Wenzel. Die Flaschen müssen zudem mit großer Wucht geworfen worden sein. Sie hinterließen Dellen und sorgten für Abplatzungen.

Nachbarn passen jetzt auf

„Das Maß des Erträglichen und Hinnehmbaren ist erreicht“, sagt Wenzel, der sich sichtlich noch immer über den Vorfall ärgert, sowohl über die Schnittwunden bei den Kindern als auch den Schäden an der Rutsche. Rund 80.000 Euro hat der Evangelische Schulverein in die Hand genommen, um neue Spielgeräte zu bauen. Das ist viel Geld für den Verein. „Die Täter sind illegal über das Tor auf unser Gelände gestiegen. Das ist Hausfriedensbruch“, so Wenzel. Er hofft, dass so etwas nicht wieder passiert. Der Appell an die Vernunft soll dabei helfen. „Oder müssen wir erst Überwachungskameras anbringen lassen?“, fragt Wenzel an die Adresse der Unbekannten. Die Nachbarn jedenfalls wurden auf das Problem aufmerksam gemacht und sensibilisiert. Sie haben nun ein Auge auf den Spielplatz, sobald verdächtige Geräusche nachts von dort kommen.

Seit dem Vorfall mit den zerschlagenen Flaschen war es ruhig und der Spielplatz blieb sauber. Das ESZ bietet den Unbekannten in dem Schreiben am Tor auch Hilfe an: „Wenn es Euch stört, dass ihr vielleicht gerade keinen Treffpunkt habt (da können wir nichts für), dann könnt Ihr ja mal Kontakt mit uns aufnehmen. Wir beraten Euch gerne darin, wie Ihr Euch für Eure Interessen gegenüber der Stadt Radebeul einsetzen könnt.“

Stadt listet Angebote für Jugendliche auf

Sowohl dem Rechts- und Ordnungsamt als auch dem Amt für Bildung, Jugend und Soziales war dieses Problem bislang noch nicht bekannt. „Beschwerden von Nachbarn wegen Lärm oder ähnlichem liegen derzeit nicht vor“, teilte Stadtsprecherin Ute Leder auf SZ-Anfrage mit.

Jugendamtsleiter Elmar Günther listet Angebote auf, die in Radebeul-West für Teenager und junge Erwachsene bestehen. Dort gibt es den Jugend- und Schulclub Ratskeller, eine Schulsozialarbeiterin in der Oberschule Kötzschenbroda, Angebote des Kinderschutzbundes im Mohrenhaus, einen Bolzplatz am Mohrenhaus und einen weiteren an der Kötitzer Straße, dieser sogar mit einer Feuerstelle, das von Mitte Mai bis Mitte September frei zugängliche Lößnitzbad, Angebote der Friedenskirchgemeinde, der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks. „Nicht weit ist es bis zum Weißen Haus mit Skateranlage und Beachvolleyball sowie Noteingang. Ebenso gibt es etliche Sportangebote“ so Günther.

Treffpunkte im Freien werden rar

Zudem ist Robert Kaiser mit dem VW-Bus Radebulli als Streetworker regelmäßig im Stadtgebiet unterwegs. Der Jugendsozialarbeiter warnt vor einer Vorverurteilung: „Ob es Jugendliche waren, ist nicht erwiesen“, sagt der junge Mann. Er macht darauf aufmerksam, dass Treffpunkte für Jugendliche in Radebeul-West rar sind und weniger werden. So ist der freizugängliche Bolzplatz hinter dem Schulgebäude des ESZ verschwunden. Dort befindet sich nun der Spielplatz, der nur noch für Schul- und Hortkinder bestimmt ist. Auch der Apothekerpark wird verkleinert. Auf der Nordhälfte soll noch in diesem Herbst der Bau eines neuen Spielplatzes für Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren beginnen.

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So bleiben als Treffpunkt für Jugendliche nur noch die Feuerstelle an der Elbe oder die Bänke am Hochwasserdeich sowie am Elberadweg. Außer zu sitzen, gebe es wenig Möglichkeiten, sich an diesen Orten aktiv zu betätigen, so Kaiser. Zwar hat die Stadt den Bolzplatz an der Kötitzer Straße anlegen lassen. Hierbei handelt es sich allerdings nur um eine Interimslösung, bis dort Häuser gebaut werden. Der Jugendclub Ratskeller, der sich am Standort des ESC befindet, war mehrere Wochen wegen Krankheit geschlossen. Ab nächster Woche hat er wieder auf, kündigt Robert Kaiser an.

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