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Wer zieht im Sommer ins Radebeuler Rathaus ein?

Bislang steht nur Amtsinhaber Bert Wendsche als Kandidat zur OB-Wahl fest. Es bahnt sich jedoch mindestens ein Duell um die Stadtspitze an.

Von Silvio Kuhnert
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Das Historische Rathaus an der Pestalozzistraße ist der Amtssitz des Radebeuler Oberbürgermeisters. Im ersten Obergeschoss hat er sein Büro.
Das Historische Rathaus an der Pestalozzistraße ist der Amtssitz des Radebeuler Oberbürgermeisters. Im ersten Obergeschoss hat er sein Büro. © Arvid Müller

Radebeul. Am 12. Juni dieses Jahres sind die Radebeuler aufgerufen, ihr Stadtoberhaupt neu zu wählen. Amtsinhaber Bert Wendsche (parteilos) hat bereits im vorigen Sommer seine erneute Kandidatur zum Oberbürgermeister bekannt gegeben. Jetzt bleibt nur noch ein halbes Jahr für den Wahlkampf. Ein Herausforderer hat sich bislang jedoch noch nicht aus der Deckung gewagt. Daher fragte Sächsische.de bei den Parteien und Wählervereinigungen in der Lößnitzstadt nach, was sie zur OB-Wahl planen.

Die CDU unterstützt die Kandidatur von Rathauschef Wendsche. Auch wenn coronabedingt noch keine Mitgliederversammlung stattfinden konnte und somit ein formaler Beschluss noch aussteht, gibt Stadtverbandschef Werner Glowka ein deutliches Bekenntnis ab: "Es ist klar, dass wir weiter hinter dem bisherigen OB stehen." Die Union habe in den zurückliegenden Jahren vertrauensvoll mit Bert Wendsche zusammengearbeitet. Seit August 2001 ist dieser im Amt. Im Kreistag führt Wendsche gemeinsam mit dem Radebeuler Ulrich Reusch die CDU-Fraktion an.

Wahlempfehlungen von CDU und Freien Wählern

"Wir freuen uns, dass Bert Wendsche wieder antritt. So gibt es keinen Anlass für die CDU, sich andere Gedanken zu machen", führt Glowka weiter aus. Unaufgeregt und mit viel Sachkenntnis habe Wendsche die Stadt vorangebracht. Die positive Entwicklung Radebeuls in den vergangenen zwei Jahrzehnten sei maßgebend ihm zu verdanken. Der heute 57-Jährige wurde 2001 mit 59,4 Prozent ins Amt gewählt. Bei seiner ersten Wiederwahl 2008 konnte er 98,3 Prozent auf sich vereinen, bei der zweiten 2015 - bei einer Gegenkandidatin, Stadträtin Eva Oehmichen (Bürgerforum/Grüne) - 73,7 Prozent.

Konkurrenz vonseiten der Freien Wähler muss OB Wendsche nicht fürchten. "Wir stellen definitiv keinen eigenen Kandidaten auf", sagt deren Ortsverbandschef und Stadtrat Uwe Wittig. Auch hier steht noch eine Mitgliederversammlung aus. Doch bereits jetzt zeichnet sich eine Wahlempfehlung ab. "Ich gehe davon aus, dass die Freien Wähler Herrn Wendsche unterstützen", sagt Wittig.

Bewerbungsende am 7. April

Die Linkspartei hält sich noch offen, ob und wem der Ortsverband unterstützen wird. "Wir laden alle Bewerber von demokratischen Parteien ein, sich auf einer Mitgliederversammlung vorzustellen", informiert Ortsverbandschef und Stadtrat Daniel Borowitzki. OB Wendsche habe bereits eine Einladung für März erhalten. "Einen eigenen Kandidaten haben wir nicht in Planung", so Borowitzki.

Bert Wendsche hat schon dreimal die Oberbürgermeisterwahl gewonnen. Gelingt dem 57-Jährigen ein vierter Sieg?
Bert Wendsche hat schon dreimal die Oberbürgermeisterwahl gewonnen. Gelingt dem 57-Jährigen ein vierter Sieg? © Norbert Millauer

Für den Wahlgang am 12. Juni dieses Jahres können bis zum 7. April, 18 Uhr, Kandidaturen eingereicht werden, heißt es aus dem Wahlbüro im Rathaus. Bewerber von Parteien oder Wählervereinigungen, die im sächsischen Landtag oder im Radebeuler Stadtrat vertreten sind, sowie der Amtsinhaber benötigen keine Unterstützerunterschriften. Einzelbewerber dagegen schon, mindestens 100 müssen sie nach jetzigem Stand sammeln.

FDP und AfD noch unentschlossen

Die FDP hat sich zur OB-Wahl noch nicht positioniert. Ob sie einen eigenen Bewerber ins Rennen schickt oder nicht, wollen die Liberalen auf einer Mitgliederversammlung noch Anfang dieses Jahres klären, wie deren Ortsgruppenchef und Stadtrat Alexander Wolf berichtet. Er selbst hat keine Ambitionen. "Und aus der Partei hat sich noch keiner bei mir gemeldet", sagt Wolf, der Interesse am OB-Job zeigt.

Ins Historische Rathaus möchte auch AfD-Stadtratsfraktionschef und -Kreisvize René Hein nicht einziehen: "Ich kandidiere auf jeden Fall nicht." Auch sonst ist an ihn noch kein Parteimitglied herangetreten, das eine Bewerbung anstrebt. Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen. "Ob überhaupt und wen wir aufstellen, entscheidet die Basis", so Hein. Die Versammlung, bei der die AfD ihre Kandidaten küren will, findet voraussichtlich Anfang März statt. In diesem Jahr wird nicht nur in Radebeul gewählt. Auch die Weinböhlaer, Strehlaer, Gröditzer und Hirschsteiner sowie einige Kommunen mehr im Landkreis Meißen sowie in ganz Sachsen entscheiden über ihre künftige Stadt-, Gemeinde oder Kreisspitze.

Grüne und SPD wollen einen Herausforderer stellen

So bleibt die spannende Frage, was Bürgerforum/Grüne und SPD machen. Im Stadtrat bilden sie ein Fraktionsbündnis, das aus seinem Selbstverständnis heraus, den Amtsinhaber kritisch begleitet und im Stadtparlament die Opposition gibt. Bedeckt hält sich Franziska Plessing, Vorsitzende des politischen Vereins Bürgerforum/Grüne. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte sie sich noch nicht äußern.

Spätestens Ende Januar, vielleicht auch schon früher, soll eine Entscheidung bekannt gegeben werden, informiert Eva Oehmichen, Vorsitzende des Fraktionsbündnisses im Stadtrat. "Wir wollen mit jemanden antreten", sagt sie. Man sei dabei einen geeigneten Kandidaten oder Kandidatin zu finden. Mehr möchte sie jetzt noch nicht verraten.

Der Name des Herausforderers könnte eventuell schon früher fallen. Dies ließ SPD-Stadtrat Thomas Gey durchblicken: "Es wird eine Gegenkandidatur geben." Ein Sozialdemokrat sei es nicht. Vermutlich werde es ein Mann sein, ließ sich Gey entlocken. Der Name soll voraussichtlich schon in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden.

Der Oberbürgermeister wird für sieben Jahre gewählt. Bei einem Duell steht bereits am Abend des 12. Juni fest, wer das künftige Stadtoberhaupt sein wird. Wenn mehr als zwei Bewerber antreten und keiner von ihnen am zweiten Junisonntag mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint, gibt es am 3. Juli dieses Jahres einen zweiten Urnengang. Dann reicht die einfache Mehrheit zum Sieg.