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Wie das Parkchaos beim Spitzhaus gelöst werden soll

Die Stadtverwaltung in Radebeul hat einen Plan, wie sie Autofahrten bis direkt vor den Bismarckturm künftig verhindern will.

Weit sichtbar und friedlich thront das Spitzhaus auf dem gleichnamigen Weinberg über der Stadt Radebeul.
Weit sichtbar und friedlich thront das Spitzhaus auf dem gleichnamigen Weinberg über der Stadt Radebeul. © Robin Geyer

Radebeul. Der Ausblick ist atemberaubend, der sich von Spitzhaus und Bismarckturm auf Radebeul und das Elbtal bietet. Daher zieht die markante Hangkante auf der Premiumweinlage Goldener Wagen regelmäßig Einheimische wie Gäste an. Vor allem in den Abendstunden rollen in den Sommermonaten immer wieder Fahrzeuge die Spitzhausstraße hoch, nicht nur Autos mit Meißner, sondern auch Dresdner oder Bautzener Kennzeichen sind darunter. Statt ihr Auto auf einem der Schrägparkplätze an dem Straßenzug abzustellen, steuern die Fahrer weiter in den Abschnitt mit der Spielstraße hinein.

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Oft fahren sie direkt bis vor den Bismarckturm und parken dort bis in die Nacht hinein. Lautstarke Musik schallt bis weit nach Mitternacht. Am nächsten Tag liegen die Überreste der Party - leere Flaschen und Pizzaschachteln - auf der Erde verstreut herum. Ein Ärgernis für die Wahnsdorfer. Am Mittwochabend auf der Ortschaftsratssitzung machten einige Anwohner ihrem Unmut Luft. Zum wiederholten Male muss man sagen. Denn das Problem besteht schon viele Jahre. Vor allem an den Wochenenden kommen Ausflügler auch tagsüber und parken Spitzhausstraße und Gehwege zu.

Oben spielen sich beim Parken Dramen ab. Autos werden auf Gehwegen, vor Grundstückseinfahrten und im Parkverbot abgestellt.
Oben spielen sich beim Parken Dramen ab. Autos werden auf Gehwegen, vor Grundstückseinfahrten und im Parkverbot abgestellt. © Arvid Müller

Zumindest auf dem Platz rund um den Bismarckturm will die Stadt Radebeul dem Problem mit dem wilden Parken einen Riegel vorschieben. Vielmehr ist es ein Poller, der am Ende der Engstelle, bevor sich der Vorplatz weitet, platziert werden soll. „Er wird massiv und versenkbar sein“, sagte Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Der Bau ist im Rathaus bereits freigegeben.

Ein Poller reicht nicht

„Dann muss aber noch ein zweiter hin“, gaben Ortsvorsteher Siegfried Schneider und weitere Ortschaftsratsmitglieder zu bedenken. Denn sie kennen das fußfaule Volk, das bis hinauf auf die Spitze des Bismarckturms fahren würde, wenn dies ginge. Versperrt ein Poller nur die Ostzufahrt zum Vorplatz des Aussichtsturms, dann biegen die Kraftfahrer noch vor dem ersten Wohnhaus am Spitzhaus nach rechts ab, und nehmen den Feldweg, der zunächst parallel zum Ortskern von Altwahnsdorf verläuft, dann aber eine Kurve nach Süden nimmt und an Gartengrundstücken vorbeiführt. Wo diese enden, gibt es einen Mauerdurchbruch, von dort geht es in Richtung Osten oberhalb des Weinbergs Goldener Wagen an Spitzhaustreppe und Muschelpavillon vorbei zum Bismarckturm. Unter anderem an der Lücke in der Mauer entlang der Hangkante müsse ein weiterer Poller hin, empfehlen die Wahnsdorfer. Der OB hat diesen Hinweis notiert.

Das Fahren direkt bis auf den Platz am Bismarckturm will die Stadtverwaltung unterbinden. Am Ende der Engstelle kommt eine Barriere hin.
Das Fahren direkt bis auf den Platz am Bismarckturm will die Stadtverwaltung unterbinden. Am Ende der Engstelle kommt eine Barriere hin. © Norbert Millauer

Auf der Ortschaftsratssitzung berichtete das Stadtoberhaupt zum aktuellen Stand über die Pläne für einen Parkplatz gegenüber dem Spitzhaus. Auf der heutigen Wiese, wo einst eine Gärtnerei war, sollten auf der Südhälfte des Areals 63 reguläre Stellplätze plus fünf Behindertenparkplätze entstehen. Außerdem waren überdachte Abstellplätze für Fahrräder und eine öffentliche Toilette an der Ostseite vorgesehen. Der Verkehr sollte künftig vor dem Spitzhaus auf den Parkplatz abbiegen und dann in einem Bogen als Einbahnstraße über das Gärtnereigelände führen. Die Spitzhausstraße wäre so an ihrem Südende zu einer großen Wendeschleife beziehungsweise Ringstraße geworden. Zudem waren auf der Nordseite drei Baufelder für Eigenheime und ein weiteres zwischen den bereits vorhandenen Wohnhäusern an der Spitzhausstraße geplant.

Parkplatzpläne liegen noch dieses Jahr neu aus

Im Jahr 2019 lag der dafür erforderliche Bebauungsplan öffentlich aus. „Maßgeblich externe Behörden haben ihn abgelehnt“, informierte Wendsche. Weil es sich bei den Häusern am Spitzhaus um eine Splittersiedlung im Außenbereich handle, seien weitere Baugrundstücke nicht genehmigungsfähig, sagt die für Raumordnung zuständige Behörde. Daher fallen die drei Baufelder auf der Nordseite weg. Nur eine Lückenbebauung ist zulässig. Zudem mussten die Planer im Rathaus die Anzahl der Stellplätze auf rund 50 verringern sowie das WC-Häuschen an einer anderen Stelle platzieren, um mehr Versickerungsfläche für Regenwasser zu schaffen.

Für den veränderten Bebauungsplan mussten des Weiteren zahlreiche Gutachten erstellt werden, beispielsweise über Fauna und Flora sowie zu wasserwirtschaftlichen Belangen wie der Oberflächenentwässerung. „Jetzt sind wir soweit, in die nächste Auslegungsrunde zu gehen, wenn der geänderte Plan im Stadtentwicklungsausschuss beraten wurde“, informierte Wendsche. Die erneute Beteiligung aller Behörden und der Öffentlichkeit soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Eigentumsfrage noch nicht geklärt

„Der öffentliche Wille der Stadt ist da, hier stadtplanerisch voranzukommen“, betonte Wendsche. Der Rathauschef gab aber zu bedenken, dass unten in der Stadt die Relevanz für eine verkehrliche Lösung oben in Wahnsdorf nicht Konsens sei. Es gebe Bürger und Räte, die den Parkplatzplänen skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen und die Anzahl der Stellplätze als überdimensioniert kritisieren. „Ich denke aber, es gibt eine Mehrheit für einen Parkplatz“, so der OB.

Auf der Wiese gegenüber dem Spitzhaus ist ein Parkplatz geplant. Am Bebauungsplan musste die Stadt noch einmal Hand anlegen.
Auf der Wiese gegenüber dem Spitzhaus ist ein Parkplatz geplant. Am Bebauungsplan musste die Stadt noch einmal Hand anlegen. © Norbert Millauer

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Bevor jedoch zusätzliche Stellflächen eine Entspannung bei dem Parkproblem bringen können, muss noch die Eigentumsfrage geklärt werden. Die Stadt verfügt nicht über die für einen Bau erforderlichen Flächen. Und die Verhandlungen über den Erwerb mit den Eigentümern der Ex-Gärtnerei werden sich wohl noch einige Zeit hinziehen. „Es ist noch keine Lösung vom Preis her gelungen“, sagte Wendsche. Stadt und Eigentümer liegen weit auseinander, was die preislichen Hoffnungen und Vorstellungen betrifft. Durch den Wegfall der drei Baufelder sei jetzt kaum noch Bauland übrig, so das Stadtoberhaupt.

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