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Wie die Lößnitzstadt in den "Tatort" kommt

Nach interessanten Drehorten für den "Tatort" schaut sich Jens Noack um. Der Locationscout hat Radebeuler Wurzeln.

In der Alten Post fanden anderthalb Wochen lang Dreharbeiten für den Dresden-Tatort statt. Das Gebäude als Filmkulisse machte das Team von Jens Noack ausfindig. Er ist Chef einer Locationscout-Firma.
In der Alten Post fanden anderthalb Wochen lang Dreharbeiten für den Dresden-Tatort statt. Das Gebäude als Filmkulisse machte das Team von Jens Noack ausfindig. Er ist Chef einer Locationscout-Firma. © Norbert Millauer

Radebeul. Etwas Schummelei gehöre dazu, gestand einmal Schauspieler Martin Brambach über Filmdrehs. Als Peter Michael Schnabel leitet er das Mordkommissariat im Dresdner Tatort. Eigentlich müsste vor der ARD-Krimiserie, die regelmäßig ein Millionen-Publikum zum Mord am Sonntagabend vor die Fernseher lockt, Radebeul genannt werden. Denn mit den beiden Kriminaloberkommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) im Film ermittelt Schnabel seit zwei Jahren von der Lößnitzstadt aus.

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Seit dem elften Fall des Ermittler-Trios werden die Innenszenen ihres Kommissariats im Gewerbehof an der Fabrikstraße in Radebeul-West gedreht. Das hat Jens Noack Sächsische.de verraten. Der 47-Jährige ist Geschäftsführer der Mitteldeutschen Filmdienst GmbH (MDF). Als sogenannter Locationscout sucht er für Kino- und Fernsehfilme passende Drehorte aus, so auch für fast alle Folgen der Dresden-Tatorte. Fünf Jahre lang wurde die Kulisse des Kommissariats bei der Spitzenmanufaktur an der Breitscheidstraße in Dresden aufgebaut. Der Eigentümer fand für das Objekt jedoch eine neue Nutzung. „Das Filmteam musste dort nach der zehnten Folge raus“, informiert Noack.

Kurze Wege zwischen den Filmsets

Aktuell laufen bis Anfang September die Dreharbeiten für den 14. Fall des Ermittler-Trios. Der Arbeitstitel lautet „Katz und Maus“. Anderthalb Wochen war die Filmcrew an der Alten Post an der Meißner Straße tätig. Und durch den Umzug des Filmkommissariats werden Orte in Radebeul als Kulissen für vermeintliche Schauplätze in der Landeshauptstadt wohl häufiger dienen. „Geld ist beim Film immer knapp. Deshalb wünschen sich die Produktionsfirmen nicht so weite Wege zwischen den Drehorten“, berichtet Noack. Also wurde für diese Folge nach Filmsets bewusst in Radebeul gesucht, nicht nur wegen der kurzen Strecke zur Kommissariatskulisse, sondern auch, weil die Produktionsfirma aus Berlin ihre Zelte im Radisson Blu Park Hotel aufgeschlagen hat.

Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) sind das Dresdner Tatort-Team.
Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) sind das Dresdner Tatort-Team. © Foto: MDR/Wiedemann & Berg/ Daniela Incoronato

Kurze Wege sind nur ein Aspekt, auf den Noack mit seinem Team beim Ausfindigmachen von Drehorten achten muss. Bei der Alten Post war die Optik beispielsweise ein wesentliches Kriterium. Das einst kaiserliche Postamt sei ein schönes Gebäude. „Es hat eine gewisse Patina“, meint Noack. Das Haus ist nicht neu, sondern alt. Aber nicht ruinös. Man kann es noch nutzen. Strom- und Wasseranschlüsse liegen an und funktionieren. Zudem steht das 1917 eröffnete Postamt seit Jahren leer. „Das ist ideal“, führt Noack weiter aus. Denn so wird das Filmteam beim Drehen nicht gestört und es stört selbst auch niemand anderen.

Villen in Ober- und Niederlößnitz als Motiv beliebt

Zuerst liest Noack sich aufmerksam das Drehbuch durch. Danach folgen intensive Gespräche mit dem Szenenbildner. „Er ist der künstlerische Kopf“, sagt Noack. Danach begibt er sich auf Motivsuche, wo beispielsweise eine Leiche gefunden wird, wo ein wichtiger Zeuge wohnt oder wo eine rasante Verfolgungsjagd auf Zelluloid gebannt werden kann. Seine Vorschläge für interessante Drehorte bespricht Noack erneut mit Szenenbildner und Regisseur. Wenn sie ihr Okay geben, schließt der Locationscout die erforderlichen Verträge mit den Eigentümern ab, kümmert sich darum, dass Wagen für Garderobe und Maske sowie das Catering vor Ort sind, wenn der Drehtermin ansteht und Absperrungen erfolgt sind.

Wird für einen Film eine Villa gesucht, schaut sich Noack regelmäßig in den Radebeuler Stadtteilen Nieder- und Oberlößnitz um. Denn dort gibt es eine große Auswahl an kleinen und großen Häusern, an alten und ganz neuen, zudem viele, die dazwischen liegen, wie er sagt.

Der gebürtige Dresdner kennt sich in der Lößnitzstadt aus, hat er doch Radebeuler Wurzeln. Beide Elternteile stammen von hier. „Meine Mutter ist an der Wasastraße, mein Vater an der Kötzschenbrodaer Straße aufgewachsen“, berichtet Noack. In dem Gebäude mit dem heutigen Restaurant Suhi & Wein drin hatten sie ihre erste gemeinsame Wohnung. Als Kind war er regelmäßig bei seinen Großeltern in der Lößnitzstadt zu Besuch.

Radebeul diente schon mehrmals als Filmkulisse

Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum seit den Dresden-Tatorten mit Kommissariatsleiter Schnabel hier immer wieder gedreht wurde. Bereits in der ersten Folge diente eine Villa an der Blumenstraße, Ecke Horst-Viedt-Straße als Wohnung des Musikmanagers Rollo Marquardt, gespielt von Hilmar Eichhorn. Dieser managte den Musiker Toni Derlinger, Teil des ehemals erfolgreichen Volksmusik-Duos Toni und Tina, der bei Proben zu einer Volksmusikshow im Dresdner Zwinger ermordet wurde. Oder der bekannte Mime Benjamin Sadler spielte einen mordenden Arzt in der Folge „Das Nest“. Szenen für den fiktiven Arbeitsort des Mediziners entstanden im Elblandklinikum. „Auch im Wasapark wurde schon gedreht. Dort gibt es noch eine richtig schöne DDR-Kantine“, sagt Noack.

Zu seinen Wunschmotiven für eine Tatortfolge gehören die Radebeuler Weinberge. Dort sucht der Weinliebhaber gern die Weingüter und Straußwirtschaften auf. Zudem ist er mit dem Winzer Martin Schwarz befreundet und hat diesem schon öfters bei der Weinlese geholfen. Den Vorschlag zu einem Tatort im Weinberg hat Noack der Produktionsfirma gemacht. Nun hofft er, dass diese die Idee aufgreift.

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Als Locationscout ist Noack nicht nur für den Dresden-Tatort unterwegs. Seit 2010 hält er mit seiner Firma, die in Leipzig sitzt, für nationale und internationale Produktionen in Mitteldeutschland nach Drehorten Ausschau, darunter George Clooneys Hollywood-Streifen „Monuments Men“, der Film „Werk ohne Autor“ oder die „Bibi & Tina“-Reihe. Für die Fernsehkomödie „Herzdamen an der Elbe“, die 2013 in der ARD ausgestrahlt wurde, organisierte Noack Filmdrehs auf Schloss Wackerbarth.

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