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Moritzburg verliert erneut seinen Elch

Im Wildgehege ist jetzt auch der zweite in diesem Jahr geholte große Hirsch gestorben. Das soll nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Der junge Elchbulle Oskar war die neue Hoffnung für das Wildgehege Moritzburg. Nun ist auch er tot und die Traditionseinrichtung wieder ohne ihr Wappentier.
Der junge Elchbulle Oskar war die neue Hoffnung für das Wildgehege Moritzburg. Nun ist auch er tot und die Traditionseinrichtung wieder ohne ihr Wappentier. © Arvid Müller

Moritzburg. Es sollte nach der Ankunft von Elch Oskar im November in Moritzburg ein weiterer hoffnungsvoller Tag für Sachsens ältestes Wildgehege werden. Ronald Ennersch, der Leiter der zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörenden Einrichtung, war für zwei Tage in den Norden gefahren, um aus dem privaten Wildpark Schwarze Berge bei Hamburg eine junge Luchsdame nach Moritzburg zu holen.

Beim Start in Richtung Hansestadt war mit dem jungen Elchbullen scheinbar noch alles in Ordnung gewesen. Er sei zum Fressen gekommen, habe sich in der fünf Hektar großen Anlage wie immer bewegt und sich auch sonst nicht auffällig verhalten.

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Doch als Ronald Ennersch wieder auf den Wirtschaftshof rollte und seinen Mitarbeitern stolz die neue Bewohnerin präsentieren wollte, traf ihn die Hiobsbotschaft wie ein Schlag: „Oskar frisst nicht, ihm geht es schlecht.“ Sofort habe er nach dem dreijährigen Elch geschaut. „Er hat ganz komisch gehustet“, sagt der Wildgehegeleiter. „Wir haben Fotos gemacht und rumgeschickt und den Tierarzt angerufen“, ergänzt der Forstmann. Der Verdacht sei schließlich gewesen, dass Oskar eine Lungenentzündung haben könnte.

Untersuchung bestätigt Verdacht

Das Risiko, ihn zu narkotisieren, um ihm Antibiotika verabreichen zu können, sei als zu groß eingeschätzt worden. „Vielleicht wäre er dann nicht wieder auf die Beine gekommen.“ Darum habe man sich entschlossen, dem Elch das Medikament mit Pfeilen zu verabreichen, mit denen die Tiere sonst auch das Narkosemittel erhalten. „Die drei Pfeile haben getroffen, aber leider nicht mehr die erhoffte Wirkung gebracht“, so Ronald Ennersch. Der junge Elchbulle starb am nächsten Tag.

Eigentlich hätte er, wie in solch einem Fall üblich, zur Landesuntersuchungsanstalt nach Dresden gebracht werden sollen. „Aber die haben ihn nicht angenommen.“ Also wurde der Kadaver schließlich nach Leipzig gebracht und dort untersucht. „Dort wurde unser Verdacht bestätigt, dass Oskar eine Lungenentzündung hatte. Dafür kann es verschiedene Auslöser geben. In diesem Fall waren es wohl Bakterien, allerdings sind die Untersuchungen noch nicht ganz abgeschlossen“, so der Wildgehegeleiter.

Bereits im Frühjahr war ein im Vorjahr geborener Jungbulle aus dem Tierpark Sababurg im Landkreis Kassel nach Moritzburg geholt worden. Das Tier lebte sich gut ein, bis es nach knapp vier Wochen plötzlich ohne Vorwarnung Lähmungserscheinungen hatte. Da es der Tierarzt nicht wieder auf die Beine brachte, musste es eingeschläfert werden. Klarheit über die Ursachen für den Verlust des Elches hatte auch die Untersuchung des toten Tieres nicht gebracht.

Immer wieder Probleme

Es sei lange gerätselt worden, was die Gründe gewesen sein könnten. Und auch viel darüber diskutiert worden, wie es in Moritzburg mit den Elchen weitergeht. Denn die beiden Verluste sind nur die letzten in einer langen Kette von Vorfällen in den vergangenen Jahren. Immer wieder waren in Moritzburg geborene Jungtiere gestorben, was auch anderswo passiert. Doch auch ältere Tiere kamen zu Tode. Durch Krankheiten und Verletzungen, deren Ursache zum Teil der 14-jährige Elchbulle Horst gewesen war.

Im Juli 2019 wurde schließlich die 2017 in Moritzburg geborene Elchkuh Elli an den Tierhalter Thomas Golz abgegeben, um nicht auch sie noch zu verlieren. Kurz darauf musste Horst eingeschläfert werden und das Wildgehege stand plötzlich ohne sein Wappentier da. So wie jetzt auch wieder.

Elch-Dame kommt vorerst nicht zurück

Den in Lappland geborenen Oskar hatte Thomas Golz nach Moritzburg gebracht. Eigentlich war geplant gewesen, mit dem gleichen Transport auch Elli in ihre alte Heimat zurückzubringen. Denn Oskar und Elli hatten in der Uckermark gemeinsam bereits erfolgreich für Nachwuchs gesorgt. „Die beiden passen sehr gut zusammen“, sagte Thomas Golz. Und mit ein bisschen Glück hätte die Elchdame dem Wildgehege im Frühsommer nächsten Jahres sogar noch ein oder zwei Mini-Elche beschert. So der Plan.

Doch es kam anderes. Nachdem Oskar bereits im Transportanhänger war, sollte auch Elli verladen werden. Dazu bekam sie eine Narkose. Plötzlich habe die Kuh jedoch angefangen zu husten. „Da habe ich ihr schnell ein Gegenmittel gespritzt, um sie aus der Narkose zurückzuholen“, erzählte Thomas Golz. Das habe funktioniert. Allerdings ging es der Elchdame auch eine reichliche Woche später noch nicht wieder richtig gut. Ein Transport kam damit erst einmal nicht infrage.

Derzeit sei das kein Thema mehr, „da sind wir uns auch mit Thomas Golz einig“, sagt Ronald Ennersch. „Wird haben nach Oskars Tod wie schon im Frühjahr noch einmal das ganze Gehege abgesucht, um irgendetwas Verdächtiges zu finden. Ohne Erfolg.“ Nach der Entnahme von Bodenproben sei im Spätsommer die komplette Elchanlage zudem gekalkt worden. „Um den etwas sauren Boden zu verbessern, aber auch, um das Gehege zu desinfizieren.“ Auch der Futterplatz war unter anderem mit einer beheizbaren Selbsttränke verbessert worden. Gebracht hat es nichts.

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