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„Wir brauchen Roboter für die Ernte“

Der Familienbetrieb Bio-Obst Görnitz besteht seit 30 Jahren in Coswig - die Themen haben sich geändert, aber die Herausforderungen sind geblieben.

Ohne Helfer, wie hier Andrea Chiujdea aus Rumänien, wäre nicht nur die Erdbeerernte bei Obstbau Görnitz nicht zu schaffen, sondern auch nicht die aller anderen Kulturen.
Ohne Helfer, wie hier Andrea Chiujdea aus Rumänien, wäre nicht nur die Erdbeerernte bei Obstbau Görnitz nicht zu schaffen, sondern auch nicht die aller anderen Kulturen. © Norbert Millauer

Coswig. Wächst der Wohlstand, wachsen auch die Entfernungen. Heute würde man kaum noch Saisonkräfte aus Polen oder Tschechien bekommen, weil dort die Ansprüche und die Einkünfte gewachsen sind. Mittlerweile kommen die Erntehelfe auf den Biohof Görnitz in Sörnewitz aus der Ukraine, ja selbst aus dem fernen Usbekistan. „Und irgendwann wird es keine Leute mehr geben, die die schwere Arbeit machen“, sagt Michael Görnitz, der Geschäftsführer des Familienbetriebes, dessen Vorläufer, die Obstbaugemeinschaft GbR Coswig, am 1. April 1991, also vor 30 Jahren, gegründet worden ist.

„Wir brauchen Roboter, die die Äpfel und die Erdbeeren ernten.“ Daran werde gearbeitet und sein Betrieb beteilige sich an entsprechenden Forschungen. Digitalisierung und künstliche Intelligenz - das sind zwei aktuelle Herausforderungen, vor denen die Obstbauern stehen, wollen sie bestehen.

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Schulden von LPG übernommen

Für Michael Görnitz, seinen Bruder Mirko, die Mutter Vroni und den Vater Volker mögen sich die Themen, mit denen sie es jetzt zu tun bekommen, geändert haben, der Fakt, dass man sich immer wieder neu orientieren muss, begleitet sie von Anfang an. „Als wir den Betrieb gegründet haben, haben wir eine Million Mark Schulden von der LPG mit übernommen, und wir hatten natürlich auch kein Eigenkapital, wie die Westbetriebe - da musste man schon erfinderisch sein.

Im Familienbetrieb arbeiten die Erwachsenen Michael, Vroni, Mirko und Volker Görnitz (v.l.n.r.).
Im Familienbetrieb arbeiten die Erwachsenen Michael, Vroni, Mirko und Volker Görnitz (v.l.n.r.). © Arvid Müller

"Konkret sah das so aus, dass die Produktion im Laufe der Jahre von 100 Prozent konventionell auf heute 90 Prozent biologisch umgestellt worden ist. Das heißt, dass keine Pestizide im Kampf gegen Insekten, Unkraut und Pilze eingesetzt werden dürfen. Dass moderne Systeme zur Bewässerung der Plantagen und zum Hagelschutz für die Pflanzen angeschafft und ein völlig neues Düngeregime eingeführt werden mussten.

Umbau auf Bio ist ein langwieriger Prozess

"Die Umstellung auf rein biologische Produktion ist ein sehr langwieriger Prozess und heißt, wir arbeiten unter den härtesten Anforderungen, die es in der Landwirtshaft gibt.“ Mitten in diesen Umbruch kam 2008 das Auseinanderbrechen der Obstbaugemeinschaft GbR Coswig. Das hieß unter anderem Auszahlen von Gesellschaftern, „da waren wir fast bankrott“, so Michael Görnitz.

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Heute hat das Familienunternehmen 30 Mitarbeiter und Teilzeitkräfte, jedes Jahr würden zwei bis drei Neue hinzukommen. „Der jüngste Zuwachs ist eine Kanadierin, die wegen der Liebe hiergeblieben ist.“ Ihm sei die soziale Bindung zu den Mitarbeitern wichtig, erklärt der Geschäftsführer. „Und wenn nicht die ganze Familie dahinter steht, lässt sich ein solches Unternehmen sowieso nicht erfolgreich führen.“ Und, wie soll es weiter gehen? „Wir wollen eine führende Stellung in der Produktion von Äpfeln und Birnen erringen“, erklärt Michael Görnitz. Der Aronieanbau - Obstbau Görnitz ist mit einer Anbaufläche von fast 80 Hektar einer der größten deutschen Produzenten der Apfelbeere - soll weiter verfolgt werden. Ebenso der Anbau von Erdbeeren und speziellen Kulturen wie Roten und Schwarzen Johannisbeeren, Hagebutten und selbst Brennnesseln.

Für Michael Görnitz ist klar: „Es gibt einen dauernden Druck zur Veränderung.“

www.bioobst-goernitz.de

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