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Wird der Gasthof Serkowitz jetzt verkauft?

Die Stadt hat ein neues Wertgutachten erstellen lassen. Der Lügenmuseums-Betreiber fürchtet um seine Ausstellung.

Der Gasthof Serkowitz stand bereits
im Jahr 2014 zum
Verkauf, wie das
Archivfoto zeigt.
Im Jahr 1337 erstmals urkundlich
erwähnt, wird dort
schon seit einiger
Zeit kein Bier
mehr ausgeschenkt. Seit neun
Jahren hat das Lügenmuseum sein
Domizil in dem Geb
Der Gasthof Serkowitz stand bereits im Jahr 2014 zum Verkauf, wie das Archivfoto zeigt. Im Jahr 1337 erstmals urkundlich erwähnt, wird dort schon seit einiger Zeit kein Bier mehr ausgeschenkt. Seit neun Jahren hat das Lügenmuseum sein Domizil in dem Geb © SAE Sächsische Zeitung

Der historische Gasthof in Serkowitz geht endgültig in den Besitz der Stadt Radebeul über. Für 10.000 Euro erhält sie den Zuschlag für das Objekt, das laut Gutachterschätzung einen Verkehrswert von über 460.000 Euro hat. Dies verkündete offiziell das Amtsgericht in Dresden nach einer Zwangsversteigerung im Jahr 2007. Die damalige Stadtkämmerin Renate Kern hatte das im Auftrag der Rathausführung bewerkstelligt.

Der Anlass damals: Das Rathaus hatte davon erfahren, dass angeblich Rechte den Gasthof erwerben und zum Versammlungsort machen wollten. Dem sollte vorgebeugt werden. Wiederholt hatte Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) anschließend davon gesprochen, dass der über 700 Jahre alte Gasthof an der Kötzschenbrodaer Straße seitens der Stadt erneut ausgeschrieben werden soll. Von Wohnungen, die dort eingerichtet werden könnten, war die Rede. Ein Bauunternehmer, Uwe Herrmann, mit seiner Firma Ventar Immobilien, interessierte sich. Er hat bereits die ehemaligen Madaus Werke und das Kulturhaus an der Gartenstraße zur Wohnnutzung umgebaut. Doch die Sache blieb offen.

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Um 2012/13 musste der in Brandenburg ansässige Aktionskünstler Reinhard Zabka sein dortiges „Lügenmuseum“ räumen. In Radebeul war Zabka unter dem Künstlernamen Richard von Gigantikow als Erbauer des Holzlabyrinths beim Herbst- und Weinfest bekannt geworden. Stadtführung und Stadtrat einigten sich mit Zabka, ihm im Gasthof Serkowitz eine neue Bleibe für seine skurrilen Ausstellungstücke zu geben. Seitdem befindet sich sein „Lügenmuseum“ in dem ehemaligen Wirtshaus. Zabkas Vereinbarung mit der Stadt–er muss lediglich die Betriebskosten für das Haus zahlen und kann auch dort wohnen.

Objektkünstler Reinhard Zabka würde mit seinem Lügenmuseum im Gasthof gern bleiben, aber das Geld zum Erwerb und zur Sanierung hat er nicht.
Objektkünstler Reinhard Zabka würde mit seinem Lügenmuseum im Gasthof gern bleiben, aber das Geld zum Erwerb und zur Sanierung hat er nicht. © Norbert Millauer

Jetzt allerdings meldete sich der Betreiber der Ausstellung und berichtete davon, dass die Stadt ein Gutachten erstellt habe und den Gasthof wohl verkaufen wolle. Er habe um Termine beim Oberbürgermeister gebeten. Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) habe ihn empfangen.

Aus dem Wertgutachten, so Zabka, gehe hervor, dass die Immobilie jetzt 310.000 Euro wert sei. Das Geld zum Kauf habe er nicht. Bereits vor sechs Jahren hätte es seinerseits eine Bewerbung gegeben – damals sei von 125.000 Euro die Rede gewesen –, das Gebäude in einer Art Mietkaufmodell zu erwerben. Die Stadt sei nicht darauf eingegangen. Zabka: „Uns wurde eine Schrottimmobilie übergeben. Wir haben die Kosten.“

Radebeuls OB Wendsche sieht die Sache etwas anders. Die Möglichkeit dort zu wohnen und das „Lügenmuseum“ zu betreiben, sei immer ein vorübergehendes Angebot, um Zabka aus der damaligen Notlage zu helfen. Wendsche: „Allerdings muss das Gebäude saniert werden. Wir haben Herrn Zabka wiederholt Erbpacht mit günstigem Zins angeboten, allerdings mit der Auflage, auch zu sanieren.“

In den letzten Jahren, so so der Rathauschef habe die Stadt das Dach so instand gesetzt, dass es dichthält, die Elektroinstallation wurde sicher gemacht und im Hof sei aufgeräumt worden. Das Bauzustandsgutachten weise aktuell einen Investitionsbedarf von mindestens zweieinhalb Millionen Euro auf. Dem jetzigen Bewohner soll zuerst erneut das Angebot zur Erbpacht unterbreitet werden. Wenn er dies nicht erfüllen könne, dann soll der Gasthof letztendlich ausgeschrieben werden. Mit dem Stadtrat sei dies noch zu besprechen.

Zum Verbleib des „Lügenmuseums“, welchem vom Land Sachsen der Status als Museum und damit verbundene Förderung verweigert wurde, sagt Wendsche, dass dies mit dem Radebeuler Kulturamt geklärt werden müsse.

Reinhard Zabka kündigt an, dass er jetzt überlege, „Kampagnen anzuschieben, um Geld zu sammeln“ und den Verbleib seiner Sammlung im Gasthof zu sichern. Der Eintritt ins Museum kostet für Erwachsene sechs Euro. Die Bewertungen der Ausstellung sind sehr unterschiedlich. Auf der Plattform Tripadvisor heißt es von einer Familie: „Eine Ansammlung von völlig sinnfreiem Müll, überflüssigem Zeug, welches blinkte, sich bewegte und Geräusche machte. Ein Großteil beschäftigt sich auch mit Zeitdokumenten oder -exponaten aus der DDR. Auch diese sind jedoch nur wild zusammengefügt.“

Ganz anders schreibt ein Paar im Jahr 2019: „Es gibt eben Sachen, die gibt es nicht. Das ist unser Satz für diese Art Museum. Nicht immer muss ein Sinn dahinter sein, einfach anschauen und staunen welche Fantasie der Künstler hat. Die 5 Euro lohnen sich. Wir fanden es mal was anderes.“

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