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Wo Radebeul noch Gewerbeflächen zu bieten hat

Mit einem Baustopp will die Stadt Brachflächen an der Fabrikstraße für neue Betriebe sichern. Denn freie Standorte sind im Stadtgebiet knapp.

Auf den Grundstücken nördlich der Fabrikstraße hat die Stadt jegliche Neubauprojekte jetzt verboten. Dort sollen sich künftig nur noch Gewerbebetriebe ansiedeln dürfen.
Auf den Grundstücken nördlich der Fabrikstraße hat die Stadt jegliche Neubauprojekte jetzt verboten. Dort sollen sich künftig nur noch Gewerbebetriebe ansiedeln dürfen. © Arvid Müller

Radebeul. Das Entwicklungsziel für das Areal nördlich der Fabrikstraße hat der Stadtentwicklungsausschuss im Frühjahr dieses Jahres beschlossen. Gewerbe soll sich entlang der Straße ansiedeln. Damit dieser Plan nicht durch das Errichten von Wohnhäusern vereitelt wird, hat der Stadtrat nun einen Baustopp verhängt.

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Die sogenannte Veränderungssperre umfasst das Gebiet des Bebauungsplans mit der Nummer 55. Der Geltungsbereich liegt zwischen Fabrik- und Kötitzer Straße und wird im Osten von der Nudossi-Fabrik begrenzt. Im Westen reicht er fast an den Ziegeleiweg ran. Den Aufstellungsbeschluss für das B-Planverfahren hat der Stadtrat bereits im Januar 2003 beschlossen. Viele Jahre war der B-Plan in der Schublade verschwunden. Doch nun wollen Verwaltung und Stadtrat ihn voranbringen. Zwei Jahre haben sie dafür Zeit. Denn dann endet die Veränderungssperre.

In Radebeul-Mitte haben bereits drei Unternehmen ihren neuen Standort bezogen. Ein weiteres folgt noch.
In Radebeul-Mitte haben bereits drei Unternehmen ihren neuen Standort bezogen. Ein weiteres folgt noch. © Arvid Müller

Die teilweise noch unbebauten und brachliegenden Grundstücke gegenüber dem Gewerbehof und Hasse Transport sollen zu einem eingeschränkten Gewerbegebiet entwickelt werden. Das heißt, es dürfen sich nur Unternehmen ansiedeln, die keinen Krach weiter machen, wie in einem Mischgebiet. Den Grund für den nun verhängten Baustopp nannte Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos): „Uns liegt ein Antrag vor, der im Widerspruch zu den Zielen steht.“

Antrag auf Hausbau gestellt

Die Bauvoranfrage zur Alten Molkerei ist damit nicht gemeint. In dem Gebäude, das Künstler als Atelier nutzen, wollte eine Immobilienmaklerin eine Kombination aus Büros und Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss und Wohnungen darüber schaffen. Die Bauvoranfrage hat sie wieder zurückgezogen. Das einstige Molkereigebäude steht nun zum Verkauf. Der Bauantrag, der im Rathaus eingereicht wurde, bezieht sich auf ein anderes Grundstück und hat das Schaffen von Wohnraum zum Ziel.

Zuletzt hat die Lößnitzstadt in Radebeul-Mitte einen neuen Gewerbestandort ermöglicht. Er liegt östlich des Pharmaparks an der Meißner Straße. Dort hatte einst das Unternehmen Madaus beziehungsweise Arzneimittelwerk Dresden Naturheilkräuter angebaut. Seit 2005 ist das rund 16.000 Quadratmeter große Areal Eigentum der Lößnitzstadt. Als nach zwölf Jahren immer noch kein Großbetrieb beim Rathaus angeklopft hatte, entschied der Stadtrat im November 2017, eine Teilfläche von 7.500 Quadratmeter an regionale Unternehmen zu verkaufen, die sich erweitern wollten, aber an ihrem alten Standort nicht konnten.

Im Gewerbegebiet Radebeul-Ost sind noch zwei Hektar frei.
Im Gewerbegebiet Radebeul-Ost sind noch zwei Hektar frei. © Jürgen-M. Schulter

„Die bisherige Teilfläche des Gesamtgrundstücks in Radebeul-Mitte dient der Ansiedlung von vier Unternehmen“, informiert Daniela Bollmann, Leiterin der Zentralen Leitstelle im Rathaus. Derzeitig haben drei Unternehmen den Bau ihres Objektes abgeschlossen und haben den Standort bezogen. Direkt an der Meißner Straße hat die auf den Bau von Bädern spezialisierte Firma Elements einen Ausstellungs- und Beratungsraum geschaffen. Daneben eröffnete die Sächsische Haustechnik Dresden Ende September vorigen Jahres ABEX Radebeul. Auf rund 800 Quadratmetern bietet der Großhandel für Haustechnik, der Fachhandwerker in den Regionen Dresden, Riesa, Freiberg, Pirna und Ostsachsen beliefert, 6.000 Artikeln an.

Nur noch geringe Flächenreserve

Dahinter hat sich die Käppler Elektrotechnik GmbH einen neuen Firmensitz gebaut. Daneben steht ein weiteres neuerrichtetes Objekt noch leer. „Die Erschließung der vier Gewerbegrundstücke ist gemeinsam erfolgt“, berichtet Bollmann. So bauten die Unternehmen unter anderem die Zufahrtsstraße selbst. Diese endet vor einer Brachfläche. Auf dieser hatte vor rund einer Woche ein Baufahrzeug mit Schiebeschild Erde eben geschoben. Auch diese Fläche ist für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben bestimmt. Sie sei derzeit noch nicht verfügbar, da sie noch als Baustelleneinrichtung für umliegende Objekte diene, so Bollmann.

An freien Gewerbeflächen hat die Stadt Radebeul momentan nicht viel zu bieten. „Die Gewerbegebiete in Radebeul-Ost und Naundorf weisen heute einen hohen Auslastungsgrad auf und besitzen nicht einmal fünf Prozent an freier Flächenreserve“, ist im Rahmenplan zur Fabrikstraße zu lesen, den der Stadtentwicklungsausschuss Ende März dieses Jahres verabschiedet hat. Ein Blick in die Gewerbeflächendatenbank des Freistaats Sachsen liefert konkrete Angaben: Von der 450.000 Quadratmeter großen Nettobaufläche im Gewerbegebiet Radebeul-Ost an der Meißner Straße sind noch 20.000 Quadratmeter frei. Bei der 370.000 Quadratmeter großen bebaubaren Fläche am Gewerbestandort Naundorf sind nur noch 10.000 Quadratmeter zu haben, was einem Hektar oder der Größe eines Fußballfeldes entspricht.

Im Gewerbegebiet in Naundorf ist derzeit nur noch eine fußballfeldgroße Fläche zu haben.
Im Gewerbegebiet in Naundorf ist derzeit nur noch eine fußballfeldgroße Fläche zu haben. © Arvid Müller

Noch Potenzial an der Stadtgrenze zu Coswig

„Die Stadt Radebeul verfügt über weitere kommunale Flächen für potenzielle Ansiedlungen im Gewerbegebiet Naundorf sowie an der Meißner Straße Stadtausgang zu Coswig“, teilt Bollmann mit. Diese Flächen werden aber erst nach Abschluss des Neubaus der geplanten Eisenbahnüberführung Nach der Schiffsmühle zur Verfügung stehen. Für die Brücke samt Straße, die das interkommunale Gewerbegebiet mit der Meißner Straße verbinden wird, gab es vorigen Sommer grünes Licht von der Landesdirektion Sachsen. „Teilweise werden die Flächen direkt für den Neubau der Trasse aber auch für Baustelleneinrichtungen des Vorhabens benötigt“, so Bollmann. Für Gewerbeansiedlungen werden dann noch rund 15.000 bis 20.000 Quadratmeter verfügbar sein.

Im Rathaus wird der Flächennutzungsplan (FNP) überarbeitet. Neue Gewerbeflächen werden in dem Rahmen im Stadtgebiet wohl nicht ausgewiesen. Denn beim Überarbeiten des FNP gehe es im Wesentlichen um die Sicherung sowie Abrundung der vorhandenen Gewerbestandorte. „Eine Erschließung neuer Gebiete ist aufgrund von sehr eingeschränkt zur Verfügung stehenden Flächen in unserer Stadt nicht realistisch“, berichtet Bollmann.

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