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Wo Überschwemmungen in Radebeul drohen

Für die Hochwassergefährdung liegen neue Karten vor. Für einige Gebiete gibt es bei einer Jahrhundertflut Entwarnung.

©  SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Radebeul. Die beiden großen Elbefluten 2002 und 2013 sind den von Überschwemmung betroffenen Radebeulern sicher noch in Erinnerung. Seitdem kamen die Deiche in Naundorf und Fürstenhain zum Schutz vor Überflutung hinzu. Die Landestalsperrenverwaltung hat die Hochwassergefährdung des Stadtgebiets durch die Elbe neu bewerten lassen. Die Überschwemmungskarten sowie der Bericht liegen im Rathaus aus. Wichtige Punkte stellt die SZ vor.

Was ist in den Karten dargestellt und für wem sind sie von Interesse?

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Die Karten geben Auskunft über die vom Hochwasser betroffenen Flächen und das Ausmaß der Gefahren und Risiken. Sie liegen für vier Szenarien vor: einem sogenannten HQ 20, einem Elbhochwasser, das statistisch gesehen aller 20 Jahre auftreten kann, einem 50-jährlichen (HQ 50), einem 100-jährlichen (HQ 100) und einem 200-jährlichen Hochwasser (HQ 200). Den Karten können Behörden sowie private Eigentümer und Nutzer entnehmen, welche Grundstücke gefährdet sind und entsprechende Flutschutzmaßnahmen treffen.

Welche Pegelstände erreicht die Elbe bei den vier untersuchten Szenarien?

Beim Augusthochwasser 2002 erreichte die Elbe in Radebeul einen Höchststand von 9,40 Meter. Der Scheitelpunkt beim Junihochwasser 2013 lag bei 8,60 Meter. Beide Elbfluten sind damit der Kategorie HQ 100 zuzuordnen. Bei der Untersuchung der Hochwassergefährdung im Radebeuler Stadtgebiet orientierte sich das von der LTV mit der Studie beauftragte Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an den offiziellen Meldepegeln. Bevor ein Hochwasserscheitel die Lößnitzstadt erreicht, passiert er den Pegel Dresden. Neben Wasserständen wird auch die Durchflussmenge angegeben, mit folgenden Werten:

HQ 20: 3.000 Kubikmeter je Sekunde; 7,95 Meter Höchststand

HQ 50: 3.690 Kubikmeter je Sekunde; 8,57 Meter Höchststand

HQ 100: 4.260 Kubikmeter je Sekunde; 9,02 Meter Höchststand

HQ 200: 4.860 Kubikmeter je Sekunde

Für letzteres Extremszenario liegt für den Pegel Dresden keine Wasserstandsangabe vor. In Meißen werden 10,39 Meter und am Pegel Riesa 10,02 Meter gemessen.

Welche Stadtgebiete werden bei HQ 20 überschwemmt?

Bei einem HQ 20 stehen in Serkowitz die Seewiesen und der Seegraben bis hin zum Rand der Kleingartenanlage „An den Seewiesen“ unter Wasser. Dabei werden auch im geringen Maße Wohnhäuser und Gewerbeflächen, die in und nahe den Seewiesen liegen, überschwemmt. In Naundorf werden die Zufahrtsrampen zur Staatsstraße 84 nahe der Brücke Niederwartha sowie die Bahnunterführung an der Cossebauder Straße überflutet. Bei einem HQ 20 schwappt die Elbe bereits über den Deich in Altkötzschenbroda. Elbnahe Wohnhäuser sind dort betroffen, wie auch an der Kötzschenbrodaer Straße. Das Hinterland in Fürstenhain wird dagegen von dem dort errichteten Deich geschützt. An die Flutschutzanlage in Naundorf reicht das Wasser noch nicht heran. Laut Statistik sind circa 179 Einwohner von der Flut betroffen.

Welche weiteren Gebiete werden bei HQ 50 überflutet?

In Serkowitz stehen weitere Wohn- und Gewerbeflächen in der Nähe der Seewiesen unter Wasser. Durch Rückstau steigt der Wasserstand im Lößnitzbach zwischen zwei und vier Meter, teilweise auch darüber, an. Auch nach Altkötzschenbroda schwappt immer mehr Wasser hinein. So steht es bereits am Hotel Goldener Anker, der Dorfanger bleibt aber noch trocken. Die Anzahl der betroffenen Einwohner steigt auf rund 310 an.

©  SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Welche Gebiete sind bei einem HQ 100 betroffen?

Bei einem HQ 100 (siehe Grafik) steht das Wasser auf dem Dorfanger Altkötzschenbroda zwischen einem halben und einem Meter hoch. Auch das Kaufland an der Weintraubenstraße ist überschwemmt. In der Ortslage Naundorf werden bei einem HQ 100 das Gewerbe- und Industriegebiet der König & Bauer AG, landwirtschaftlich genutzte Flächen sowie Verkehrswege in der Nähe der Auffahrt Cossebauder Straße zur S 84 mit Wassertiefen von größtenteils ein bis zwei Meter überflutet. Die Grafik zeigt aber auch, welche Flächen 2002 und 2013 von Überflutung betroffen waren, jetzt aber verschont bleiben. Es sind die grünlich bis bräunlich gefärbten Bereiche. So wird Fürstenhain von dem dortigen Damm geschützt. Die Hochwasserlinie Naundorf sorgt dafür, dass beispielsweise das Lößnitzbad sowie die östlich daneben liegende Wiese, die für einen dritten Sportplatz reserviert ist, der Bereich zwischen Kötitzer Straße und Bahndamm, Zitzschewig und Altnaundorf nicht überschwemmt werden. Dennoch ist das Hab und Gut von 622 Einwohnern betroffen.

Was passiert bei einem Extremhochwasser HQ 200?

Dieses Szenario will man sich nicht vorstellen. Denn alle Deiche werden überströmt. Das Überschwemmungsgebiet erreicht nördlich der Meißner Straße auch Teile der Niederlößnitz. An einigen Stellen liegt die Hauptverkehrsader bis zu zwei Meter unter dem Elbwasser. Die Zahl der Flutopfer steigt auf fast 4.900 an.

Wo sind die Hochwasserkarten einsehbar?

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Die Karten und der Bericht können im Technischen Rathaus, Pestalozzistraße 8, Zimmer 1.10, nach Voranmeldung unter 0351 8311 941 eingesehen werden. Zudem stehen die Unterlagen auch auf der Internetseite der Stadt.

www.radebeul.de/hochwasserkartierung.html

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