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Zum Gedenken an Wolfgang Tarnowski

Die befreundete Autorin Ingrid Lewek erinnert an den Radebeuler, der 2017 für sein Engagement zum Thema jüdisches Leben mit dem Couragepreis geehrt worden ist.

Wolfgang Tarnowski (1922-2020).
Wolfgang Tarnowski (1922-2020). © Stadtverwaltung Radebeul

Am 30. November des vergangenen Jahres ist Wolfgang Tarnowski im Alter von 98 Jahren verstorben und am 22. Dezember in aller Stille - coronabedingt - auf dem Heidefriedhof beigesetzt worden. Es ist an uns, die ihn gut gekannt haben und ihm Weggefährten waren über lange Zeit, dass wir besonders in Radebeul an ihn erinnern.

Er hat sich mit seiner intensiven Arbeit für die Erinnerung an die „Juden in Radebeul“ (2008 erschienen im Notschriften-Verlag) und dort insbesondere mit seinem Beitrag „Als Halbjude im Nazi-Deutschland“ eingeschrieben in die Geschichte Radebeuls. Sein Blick galt dabei insbesondere der Jugend, dass sie verstehen und ähnliche Verbrechen im Keim erkennen und sich wehren lernt.

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Sein Vater war Jude. Folglich galt der Sohn als „Halbjude“ . Und war damit verurteilt zu einem Leben am Rande der „Volksgemeinschaft“ im NS-Staat. Mit dem Abschluss der Volksschule (Lößnitzschule Radebeul) endete sein Bildungsweg. Gefragt waren nur seine körperlichen Fähigkeiten, also Handlangerdienste. Als „Wehruntüchtiger“ wurde er im Krieg im Arbeitskommando der „Organisation Todt“ gebraucht; 60 Stunden pro Woche, - Trümmerberäumung und Ähnliches.

Wo immer sich ihm in diesen Jahren Möglichkeiten der Bildung ergaben, hat er sie ergriffen. Er war ein sehr belesener Mann.

Wolfgang Tarnowski hat den Krieg überlebt. Unter der sowjetischen Besatzungsmacht und im DDR-Bildungssystem erhielt er Zugang zu einem Berufsweg, der seinen Interessen vorrangig am Menschen entsprach. Über ein juristisches Studium wurde er Richter für Familien und soziale Fälle.

Dem Menschen gerecht werden ohne Vorurteile, war ihm Gebot. Er hat intensiv weitergearbeitet im Fernstudium.

Er war Mitglied der SED. Es war für ihn die einzige Partei nach NS-Herrschaft und Judenverfolgung.

Dass er im Ruhestand die Schicksale der Juden in Radebeul aufspürte und nachverfolgte, war ihm eine „Bringschuld“. Wer immer mit ihm zusammengearbeitet hat, weiß um seine Kenntnisse und Gründlichkeit und seine Fairness. Er war ein guter Freund.

Es ist tröstlich zu wissen, dass Wolfgang Tarnowski nach seiner guten Ehe im Alter in Margarete Becker eine Partnerin und Lebensgefährtin fand, für überaus glückliche Jahre in Verstehen und Gemeinsamkeit. Er war auch in den letzten schweren Monaten und Tagen nicht allein. Im Namen der Freunde Dank ihm und ihr.

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