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Luisenstift wird wieder schön gemacht

Die älteste Schule Radebeuls bekommt eine Sanierungskur. Vieles Historische soll dabei erhalten bleiben.

Alt und neu sollen mit einem Übergang vom historischen Luisenstift zu den Fachkabinetten an der Ostseite verbunden werden. Hier werden auch wieder die Fenster der ehemaligen Schulkapelle geöffnet.
Alt und neu sollen mit einem Übergang vom historischen Luisenstift zu den Fachkabinetten an der Ostseite verbunden werden. Hier werden auch wieder die Fenster der ehemaligen Schulkapelle geöffnet. © Norbert Millauer

Radebeul. Lob sei Dir ewig, o Jesu - der Spruch an der Wand eines Klassenzimmers im Radebeuler Luisenstift erinnert daran, wie fromm es hier mal zugegangen sein muss. Die Schule an der Straße der Jugend in der Niederlößnitz ist ein Gebäude der Baumeister Gebrüder Ziller. Die Diakonissenanstalt Dresden hatte es in Auftrag gegeben. Ostern 1870 nahm man in den neuen Gebäuden den Schulbetrieb für die „höheren Töchter“ auf, steht in den Geschichtsbüchern. Ein Bau, dem man seine Geschichte ansieht.

Zum einen solides Mauerwerk, im Fundament in einer Mischung aus Ziegel und Bruchsteinen. Ein Treppenhaus mit Bögen und stilvollen Geländern. Die Raumaufteilung damals schon großzügig für eine reine Mädchenschule angelegt. Die jungen Fräuleins durften immerhin ab 1924 hier auch das Abitur ablegen. Seit 1945 lernen hier auch Jungen.

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Zum anderen ist das Schulgebäude, welches zu DDR-Zeiten einen Anbau bekam, eben auch in die Jahre gekommen. Heutigen Anforderungen - auch in Sachen Sicherheit - wird das Gebäude nicht mehr gerecht. Dennoch hat die Stadt mit dem Stadtrat beschlossen, dieses älteste Schulhaus der Stadt zu erhalten und auch für die heutigen Gymnasiasten zu ertüchtigen.

Die Arbeiten dafür sind gerade voll im Gange. Die SZ bekam die Möglichkeit, mit dem städtischen Projektleiter, Bauingenieur Holger Jacob, durch das Areal und das Gebäude zu gehen.

Die ersten Arbeiten am Fundament sind bereits erledigt. Dort, wo Bruchsteine nicht hundertprozentig die Standsicherheit auf lange Zeit gewährleisten, ist das Fundament mit einem Betonsockel unterfangen worden. Holger Jacob zeigt auf den Ostgiebel des Luisenstifts. Gleich gegenüber steht bereits, der mit Fachkabinetten bestückte Erweiterungsbau im düsteren Grau. Er wird mit dem historischen Gebäude mit einem Verbindungsbau aus Stahl und Glas verbunden. Das historische Luisenstift selbst bekommt eine helle Fassade.

Das historische Luisenstift als Schule für „höhere Töchter“ der Diakonissenanstalt.
Das historische Luisenstift als Schule für „höhere Töchter“ der Diakonissenanstalt. © Stadtarchiv Radebeul

Der besondere Spruch in der Kapelle

Ebenfalls an der östlichen Giebelseite sollen die zugemauerten Fenster wieder geöffnet werden. Dort, wo der Jesu-Spruch unter Farbschichten freigelegt worden ist, war der Raum für die Kapelle der Schule. Hier wird, wie zuletzt, ein Klassenzimmer sein. Solche von Restauratoren freigelegten Stellen sollen unter Glas sichtbar bleiben.

Es gibt diese Farbuntersuchungen ebenso in den Fluren des Hauses. Auch dort sollen Segmente künftig zu sehen sein. Das Mauerwerk ist solide. Allenfalls ein Dämmputz muss zur Isolierung aufgebracht werden. Einbauten, wie etwa Podeste für die Lehrerpulte, verschwinden. Dort, wo das Parkett noch gut erhalten ist, wird es abgeschliffen. Auch die Fenster sind in Ordnung. Sie wurden erst in den 1990er Jahren erneuert, sagt der Projektleiter.

Fußböden bekommen, wo nötig, neuen Belag. Die schweren und soliden Holztüren sollen aufgearbeitet werden. Wände werden teils neu verputzt. Maler bekommen noch reichlich Arbeit.

Im gesamten Gebäude muss einiges den neuen Brandschutzvorschriften angepasst werden. Am auffälligsten sind dann große, feuerhemmende Glaswände mit sich automatisch schließenden Türen. Träger und Türen müssen ertüchtigt werden, die Holzbalkendecken sollen künftig feuerbeständig sein.

Die Geländer im Treppenhaus bekommen ein zweites vorgesetzt, einerseits, um das historische Geländer behalten zu können, andererseits, um die, heute vorgeschriebene Sicherheitshöhe von 1,10 Meter, einzuhalten.

Das schöne Schultreppenhaus wird so erhalten und bekommt lediglich als Feuerschutzabgrenzung zum Flur Glaswände.
Das schöne Schultreppenhaus wird so erhalten und bekommt lediglich als Feuerschutzabgrenzung zum Flur Glaswände. © Norbert Millauer

Dann auch mit einem Fahrstuhl

Im Nordwesten des Gebäudes werden die Sanitäranlagen auf jeder Etage erneuert. Mensa und Cafeteria befinden sich bereits im Erweiterungsbau, in den die Schüler über den geplanten Verbindungsgang gelangen. Im Keller ist für die Heizung ein Verstärker installiert worden - die eigentliche Wärme kommt vom Blockheizkraftwerk im zum Campus gehörigen Weinberghaus über Leitungen herüber. Die Zimmer erhalten neue Heizkörper.

Einen Fahrstuhl bekommt das alte Luisenstift auch. Die Unterfahrung dafür ist schon im Keller an der Ostseite des Gebäudes angelegt. Das Dach ist dicht und bleibt. Zuletzt wurde es in den 1990er Jahre gedeckt.

Die auffälligsten Veränderungen am Luisenstift passieren gerade außen. Der Anbau an der Westseite wird abgerissen. Das eigentliche Schulhaus, welches von den beiden Türmen begrenzt wird, soll wieder in seiner Kubatur hergestellt werden. Dort, wo jetzt noch der Schuttberg aus Abbruchsteinen liegt, wird ein Geräteschuppen errichtet. Sitzbänke für die Schüler sollen künftig auch hier stehen. Der jetzige Geräteschuppen im parkartigen Schulhof wird noch abgerissen.

Das zu DDR-Zeiten an der Westseite ergänzte Gebäude wird wieder abgerissen. Dafür gibt es den Ergänzungsbau im Osten.
Das zu DDR-Zeiten an der Westseite ergänzte Gebäude wird wieder abgerissen. Dafür gibt es den Ergänzungsbau im Osten. © Norbert Millauer

Überall schaut der Denkmalschutz drauf, auch auf die Außenanlagen. Der Schulhof hinter dem Luisenstift ist eine Grünoase ohnegleichen - große schattenspendende Bäume, Büsche, Rasen, ein Platz zum Erholen von anstrengenden Unterrichtsstunden für die insgesamt über 700 Schüler am Gymnasium.

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Mit dem Bauen am Luisenstift wurde zum Jahresende 2020 begonnen. Etwa 30 Monate Bauzeit sind veranschlagt - was heißt, dass zum Halbjahr 2023 eingezogen werden soll. Die Lehrer sind in der Übergangszeit im Erweiterungsbau. Sekretariat, Schulsozialarbeiter, Oberstufenberater und Fachleiter, ein Klassenraum, Sanitäranlagen und ein Lager sind vorübergehend in Containern untergebracht. 4,325 Millionen Euro stehen als Baukosten im Planungspapier, 1,597 Millionen Euro davon sind Fördermittel.

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