merken
PLUS Radebeul

Menschen 2020

Dies ist nur stellvertretend eine Auswahl von Menschen, die uns in diesem Jahr begegnet sind. Wir sagen Ihnen allen, liebe Leser, danke!

Die Altenpflegerinnen Anja Zimmermann, Sylke Schmidt und Jacqueline Moehrke (v.l.) von der Volkssolidaritlät in Coswig machen gerne ihren Job.
Die Altenpflegerinnen Anja Zimmermann, Sylke Schmidt und Jacqueline Moehrke (v.l.) von der Volkssolidaritlät in Coswig machen gerne ihren Job. © Norbert Millauer

Die Helferinnen

Drehen, wenden, waschen, manchmal windeln, Frühstück zubereiten für ältere, nicht selten behinderte, aber in jedem Fall pflegebedürftige Menschen - „wir machen das gerne und wollen keinen anderen Job mehr“. Das sagen Anja Zimmermann, Sylke Schmidt und Jacqueline Möhrke unisono. Hotelfachfrau und Verkäuferin waren sie vorher und werden jetzt in der Altenpflege besonders gebraucht. Die drei Frauen vom Pflegedienst der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen haben ein besonderes Jahr hinter sich.

Ihre Schicht beginnt üblicherweise 5.30 Uhr. Schlüssel im Stützpunkt an der Coswiger Hauptstraße für die Wohnungen abholen, in die sie müssen. Die Patientenliste mitnehmen, ins Übergabebuch schauen, ob der Spätdienst was zu einem der Pflegebedürftigen aktuell reingeschrieben hat. Das Körbchen mit den Medikamenten nicht vergessen. Und, genauso wichtig: Die Schutzkleidung einpacken.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region! Attraktive Arbeitgeber Ihrer Region suchen Sie!

„Für jeden Besuch müssen wir uns neu anziehen - Schutzbrille, Maske, Kittel, Schuhüberzieher. Das wird nach dem Besuch gleich entsorgt und vor der nächsten Wohnung neue Schutzkleidung angezogen“, sagt Sylke Schmidt. Das kostet mehr Zeit, mehr Konzentration, ist mehr Aufwand in den Corona-Monaten, aber eben notwendig, um ja nicht das Virus auf die betagten Senioren zu übertragen, die ja wegen des Alters und zumeist mit Vorerkrankungen belastet besonders gefährdet sind.

„Viel mehr reden wollen die Frauen und Männer mit uns“, sagen die drei Frauen. „Sie erinnern sich an Kriegszeiten, als auch schlimme Krankheiten wie Tuberkulose umgingen. Für den, der keine Angehörigen hat, sind wir so was wie die Ersatzfamilie“, erzählt Anja Zimmermann. Die Leute seien emotionaler als sonst. „Dabei wird auch gelacht. Manchmal bekommen die Frauen spezielle Kochrezepte verraten. Weihnachten verkleiden wir uns ein wenig, legen Rentierohren an“, sagt Jacqueline Möhrke. Dankbarkeit und Zuwendung, das mache das Besondere in dem Beruf aus.

Nach der Tour zu 15 bis 20 Pflegebedürftigen folgt noch die Aktenbewältigung im Stützpunkt. Bestellungen für die nächste Schicht müssen aufgegeben werden. Wesentlich mehr als in üblichen Jahren. Deshalb haben die drei und ihre Mitstreiterinnen auch nichts mehr als einen Wunsch: Corona soll bald vorbei sein. Und, die Bitte an andere: Bewerbt euch für diesen Beruf, es ist ein schöner Beruf.

Der Hüter des Waldes

Revierleiter im Staatsbetrieb Sachsenforst, Marko Gross, an einem Schild im Moritzburger Wald, was auf die Wiederaufforstung hinweist.
Revierleiter im Staatsbetrieb Sachsenforst, Marko Gross, an einem Schild im Moritzburger Wald, was auf die Wiederaufforstung hinweist. © Norbert Millauer

Das zu Ende gehende Jahr war das dritte in Folge, in dem Marko Groß mit den Folgen von Stürmen, Trockenheit und Borkenkäferbefall zu kämpfen hatte. Der Forstmann ist Leiter des Moritzburger Staatswaldreviers, das vor allem Flächen des Friedewaldes aber auch einige linkselbische Waldgebiete umfasst. Seit 2018 musste er rund 45.000 Festmeter Schadholz aus seinem Revier holen. Das ist etwa die doppelte Menge, die in dieser Zeit normalerweise geerntet worden wäre. Allein in diesem Jahr waren es noch einmal 12.000 Festmeter, vor allem Käferholz. Begünstigt durch die andauernde Trockenheit hatten die gefräßigen Baumfeinde leichtes Spiel. Die Fichte gibt es inzwischen im Friedewald nur noch vereinzelt. Aber auch Kiefern und Lärchen sind betroffen. Und selbst Laubbäume wie Buchen und Eichen leiden zunehmend unter der Trockenheit. Im Schlosspark Neuhirschstein mussten so jetzt rund 90 Bäume gefällt werden, vor allem Buchen.

Neben dem Beräumen des Schadholzes hat für den Revierleiter daher das Wiederaufforsten oberste Priorität. Mit dem Ziel, dass auf den kahlen Flächen nicht nur wieder Bäume wachsen, sondern ein Wald entsteht, der den künftigen klimatischen Herausforderungen besser gewachsen ist. Marko Groß probiert daher nicht nur bisher eher exotische Arten aus, wie die Esskastanie, die trotz Trockenheit sehr gut gewachsen ist, sondern wählt auch verschiedene Methoden für die Wiederaufforstung.

Neben dem Bepflanzen von Flächen - was sich teilweise als schwierig erweist, weil aufgrund der großen Nachfrage das Pflanzgut knapp ist - setzt er auch auf eine natürliche Verjüngung des Waldes. Allerdings hilft er dem Wald dabei. So ließ Marko Groß im Frühjahr erstmals in Moritzburg eine Brachfläche beräumen und mit Pferden und Pflug aufbrechen. So haben die Samen der Bäume leichteres Spiel beim Keimen. Im Herbst wiederholte er das an einer anderen Stelle mit einem Minibagger mit Zusatzgerät.

Insgesamt 14 Hektar wurden in diesem Jahr aufgeforstet. Seit 2018 sind es im 1.500 Hektar großen Moritzburger Revier inzwischen fast 40. Im nächsten Jahr sind weitere 14 Hektar geplant. Tafeln im Wald, wie auf dem Foto, informieren über den Grund der Abholzung und die Art und Weise der Wiederaufforstung. (Sven Görner)

Die fleißigen Näherinnen

In Coswig und Weinböhla nähen viele Freiwillige, wie Maria Wenke, Mundschutz für Kliniken und Pflegedienste.
In Coswig und Weinböhla nähen viele Freiwillige, wie Maria Wenke, Mundschutz für Kliniken und Pflegedienste. © privat

In Krisen und Notzeiten halten die Menschen zusammen - so war es auch im März dieses Jahres. Die Corona-Pandemie erreichte Deutschland. Das öffentliche Leben wurde zum ersten Mal heruntergefahren. Und bei vielen Krankenhäusern, Altenheimen oder Pflegediensten ging der Vorrat an Einmal-Mundschutz aus. Die Not war groß und ein Hilferuf jagte den anderen.

Hier schlug die Stunde vieler freiwilliger Näherinnen. Eine war Maria Wenke (Foto), die stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen genannt wird, die in ihrer Freizeit Mund-Nasen-Bedeckungen genäht haben. Etwa vier Stück schaffte Wenke pro Stunde. Immerhin sechs Stunden saß sie damals Ende März und Anfang April täglich an ihrer Nähmaschine. Arbeiten ging sie im ersten Lockdown nur noch vormittags.

Unter anderem bekam die junge Frau Bettwäsche gespendet. Gummibänder und Schrägbänder wurden dagegen händeringend gesucht. Denn wie eine andere Ehrenamtsnäherin, und zwar Anett Höft, damals berichtete, war es kein Problem, an Stoff zu kommen. Denn alte Bahnen, Reste oder gar Altkleider aus Baumwolle hatten viele zu Hause übrig. Schrägband besaß dagegen kaum jemand, wenn er nicht selbst näht.

So mussten die Frauen mitunter Schrägband mühsam selbst herstellen. Denn Nähgeschäfte hatten geschlossen, die Lieferzeiten bei Amazon und anderen Onlinehändlern waren lang. Elastikband wurde auch benötigt.

Es waren nicht nur freiwillige Näherinnen, die im Krisenjahr 2020 Solidarität bewiesen und lebten. Auch Nachbarn, Freunde und Bekannte sowie Ehrenamtliche sind nicht vergessen, die für ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören und sich vor allem in der Anfangszeit der Pandemie, aber auch jetzt während der zweiten Welle, nicht aus dem Haus trauen, Einkäufe erledigen. Sie holen den Bestellzettel ab, fahren in den Supermarkt, kaufen dort ein und bringen die Einkaufstüte bis zur Tür. Auch für diese Hilfe gilt der Dank aller. (Silvio Kuhnert und Peggy Zill)

Die Stimme aus Coswig

Die Stime für Deutschland aus Coswig: Manuel Süß.
Die Stime für Deutschland aus Coswig: Manuel Süß. © ProSiebenSAT.1/Richard Hübner

Wir hätten es ihm alle gewünscht: Halbfinale, Finale und dann den Sieg. Die Stimme für Deutschland aus Coswig! Es hat nicht ganz funktioniert. Ende November hatte der sympathische und energiegeladene junge Mann aus dem Kreis Meißen seinen vorerst letzten Auftritt in der ProSieben-Sendung The Voice of Germany. Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß (36) und Yvonne Catterfeld (40) haben ihn vom Hot Seat, dem heißen Platz, wieder runtergeholt. Es fiel den beiden Frauen schwer. Es sollen sogar Tränen im Elbland geflossen sein, nachdem „unser Manuel“ ausgeschieden war.

Wahrscheinlich hat mancher Coswiger, Meißner, Riesaer und Radebeuler zum ersten Mal diese Sendung bis teilweise spät in den Abend angeschaut, eben weil der großgewachsene 22-Jährige aus der Heimat dabei ist. In jedem Fall ist Manuel Süß in diesem Jahr eine besondere Begegnung gewesen, wenn auch nur am Bildschirm.

„Man kann hier in kürzester Zeit so viel lernen, wofür man draußen lange braucht. Von daher bin ich auf jeden Fall dankbar“, so der Coswiger nach seinem Ausscheiden. „Ich kann nur jedem da draußen sagen, der mich sieht: Macht’s einfach“, so der Sozialassistent im Hinblick auf sein Abenteuer bei „The Voice“.

Manuel wird auf jeden Fall weitermachen, Menschen mit seiner Stimme Freude bringen. Das kündigt er bereits auf seiner eigenen Seite an. Vielleicht begegnet ihm ja auch mancher Coswiger und Elbländer einfach auf der Straße und sagt „Hallo Manuel - gut gemacht!“ (Peter Redlich)

Die Freundin des Zirkus

Die Weinböhlaerin Antje Herrmann ist eine besonders rührige Unterstützerin des Circus Magic gewesen. Die Zirkusfamilie dankte es ihr auf besondere Weise.
Die Weinböhlaerin Antje Herrmann ist eine besonders rührige Unterstützerin des Circus Magic gewesen. Die Zirkusfamilie dankte es ihr auf besondere Weise. © Udo Lemke

Als im März mit dem Lockdown der Circus Magic der Familie Endres aus Zossen bei Berlin auf der Festwiese hinter der Nassauhalle gestrandet war, zeigte die Gemeindeverwaltung ein Herz und ließ ihn kostenlos Quartier nehmen. Mehr noch, auch Abwasser und Wasser, und die Kosten für Müll und Strom übernahm die Gemeinde. Und auch viele Bürger halfen. Denn ohne Aufführungen konnte der Zirkus weder Rechnungen bezahlen noch das Futter für die rund 25 Tiere. Es gab Futterspenden und Geldspenden.

Eine der besonders rührigen Unterstützerinnen des Circus Magic ist Antje Herrmann gewesen. Die Weinböhlaerin hat, als sie von der Not des Zirkus hörte, der Familie Endres einen Besuch abgestattet. Und dann standen auf der Koppel, wo sonst ihre Pferde Judith und Kid allein sind und ihren Ruhestand genießen, fünf mongolische Steppenkamele. Für die schottischen Hochlandrinder war auch noch Platz. Vorher musste die Koppel umgebaut, und ein Container für die Kamelkacke und die Kuhfladen bestellt werden. Das vorhandene Heu für ihre Pferde hat sie umgestapelt, damit die 22 Rollen für den Zirkus im großen Heuschauer Platz hatten. Fast tausend Euro hat sie für die Lieferung bezahlt. Der schönste Lohn für ihr Engagement war wohl die Geburt eines Kamelfohlens. Antje Herrmann wurde von der Zirkusfamilie zur Patin gemacht.

Im Juni dann, als im Zirkus wieder Vorstellungen gegeben werden durften, hat Antje Herrmann gemeinsam mit der Familie Endres zu Kultur unterm Zirkuszelt eingeladen. Drei Abende wurden organisiert, mit Comedy, Tanz und Rockklassikern. Leider kamen nur wenige Besucher - zu groß war die Verunsicherung.

Der Circus Magic ist längst weiter gezogen - Antje Herrmann wird in den Gedanken der Familie Endres künftig mitreisen. (Udo Lemke und Peggy Zill)

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul