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Millionen für Haushebung in Brockwitz

Die Hebung von 24 Häusern in Brockwitz ist ein Modellprojekt des Bundes - bis Ende Oktober muss es beantragt werden, sollen die Fördergelder fließen.

Historische Hochwassermarke an einem Haus in Brockwitz.
Historische Hochwassermarke an einem Haus in Brockwitz. © Norbert Millauer

Nun wird es konkret: Bis Ende Oktober müssen das Land Sachsen und die Stadt Coswig ihre Zuarbeiten für ein besonderes Modellprojekt des Bundes beim Hochwasserschutz vorlegen: Die Rede ist von der geplanten Haushebung im Coswiger Ortsteil Brockwitz. Nur dann kann das Ganze zur Förderung beim Bund eingereicht werden. Das wurde jetzt vor Ort diskutiert.

Dazu hatte sich Prominenz im Feuerwehrgerätehaus Brockwitz versammelt. Im Rahmen eines Besuches von CDU-Bundestagsabgeordneten, deren Wahlkreise an der Elbe liegen, waren Arnold Vaatz, einer der Stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und der ehemalige Bundesinnen- und Verteidigungsminister Thomas de Maizière gekommen.

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Der Bund hat bis zu neun Millionen Euro für das Projekt in Brockwitz zugesagt. Das Land müsste in gleicher Höhe fördern, hat aber bislang nur gut fünf Millionen Euro in den Haushalt eingestellt. Sodass derzeit zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen, die Stadt Coswig würde eine weitere Million beisteuern. Ziel ist es, die 24 Häuser an der sogenannten Niederseite in Brockwitz, die sowohl bei den Elbe-Hochwassern 2002 als auch 2013 überflutet worden sind, künftig nachhaltig zu schützen.

Wie das Dorf geschützt werden kann, diskutierten CDU-Bundestagsabgeordnete, deren Wahlkreise an der Elbe liegen, wie Thomas de Maizière für Meißen, Christoph de Vries aus Hamburg und Arnold Vaatz aus Dresden (v. r.), mit Lars Stratmann vom sächsischen Umw
Wie das Dorf geschützt werden kann, diskutierten CDU-Bundestagsabgeordnete, deren Wahlkreise an der Elbe liegen, wie Thomas de Maizière für Meißen, Christoph de Vries aus Hamburg und Arnold Vaatz aus Dresden (v. r.), mit Lars Stratmann vom sächsischen Umw © Norbert Millauer

Dazu wurde auch die Errichtung eines Deiches vor dem Ort diskutiert, allerdings würde er bei drei Metern Höhe an der Basis 31 Meter breit sein und somit einen großen Flächenverbrauch nach sich ziehen, der der Elbe als Ausdehnungsraum wiederum fehlen würde. Außerdem würde er den Blick auf die Elbe versperren und müsste aufwendig instand gehalten werden.

Eine andere Idee hat sich durchgesetzt. Die 24 von Überflutung betroffenen Häuser sollen angehoben werden. „Die Hebung der Häuser soll zwischen 1,60 Meter und 3,63 Meter betragen“, erklärte Olaf Lier, der Ordnungsamtschef der Stadt Coswig, der sich wesentlich um das Vorhaben kümmert. Er erläuterte den Bundestagsabgeordneten die verschiedenen Methoden der Hebung, die sowohl für Häuser mit als auch ohne Bodenplatte, ja selbst für Bruchsteinhäuser möglich ist und bereits andernorts durchgeführt worden ist.

Die Hebung der Häuser erfolgt buchstäblich millimeterweise und dauert etwa eine Woche. Dann wird der entstandene Hohlraum unter den Häusern mit Beton verfüllt, sodass sie stabil stehen. Könnte man die betroffenen Häuser nicht einfach aufgeben und das Problem so lösen? „Die Leute haben auch 2013, nach dem zweiten Jahrhundert-Hochwasser der Elbe gesagt, dass sie hierbleiben wollen. Das war für uns ein starker Impuls“, erklärte Frank Neupold, Coswigs Bürgermeister von 2008 bis 2019.

Er sagte, dass sich damals 23 der 24 Hauseigentümer bereiterklärt hätten, ihre Häuser anheben zu lassen. An diesem Stand habe sich nichts geändert, so Olaf Lier. Er sieht das aktuelle Hauptproblem darin, dass den 24 Privateigentümern der betroffenen Häuser klare Perspektiven aufgezeigt werden müssten: „Sie sagen alle, ich würde ja mitmachen, ich muss aber wissen, was ich an Geld bekomme und in welcher Höhe ich mich selbst beteiligen muss.“

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Es müsse geklärt werden, ob es eine prozentuale Förderung, die sich an den Gegebenheiten jedes einzelnen Hauses orientiert, geben soll, oder eine Festbetragsförderung. Klar ist für ihn, dass „wir gemeinsam mit Land und Bund im geforderten Zeitrahmen alles Nötige zusammentragen werden, sodass das Projekt Haushebung Brockwitz stattfinden kann“

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