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Millionenschaden an Schuldächern

In Radebeul und Meißen muss schnell repariert werden, damit das nächste Schuljahr nicht gefährdet wird.

Handwerker auf dem Dach der Förderschule Meißen. Hier müssen schnell undichte Stellen repariert werden. Das kostet fast 600.000 Euro.
Handwerker auf dem Dach der Förderschule Meißen. Hier müssen schnell undichte Stellen repariert werden. Das kostet fast 600.000 Euro. © HUEBSCHMANN

Radebeul/Meißen. Die Situation im Radebeuler Beruflichen Schulzentrum (BSZ) in der Straße des Friedens in Mitte ist verheerend. Überall tropft es. Planen hängen unter der Decke im Treppenhaus. Eimer sind aufgestellt. Im Kursraum, im Sportraum dringt das Wasser durch. Das Parkett quillt und Schimmel bildet sich. Es muss dringend und vor allem schnell etwas getan werden. Am 1. Oktober soll das nächste Schuljahr beginnen.

Die Radebeuler Berufsschule gehört als Immobilie dem Landkreis Meißen. Wie auch das Gebäude des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) in der Meißner Goethestraße. Die Förderschule Meißen und die Sprachheilschule Sörnewitz, einem Ortsteil von Coswig.

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Was alle vier Schulgebäude gemeinsam haben - ein Flachdach, welches begrünt ist. Also Steine und Pflanzen trägt. Vor etwa 20 Jahren wurden all diese Gebäude mit dem Flachdach gebaut. Und jetzt stellen sich die Probleme ein.

So sieht es im Hausflur der Radebeuler Berufsschule aus. Nur mit Plastikplanen kann größerer Schaden im Erdgeschoss noch verhindert werden.
So sieht es im Hausflur der Radebeuler Berufsschule aus. Nur mit Plastikplanen kann größerer Schaden im Erdgeschoss noch verhindert werden. © Landratsamt Radebeul

Am drastischsten am BSZ in Radebeul. Katja Lamnek, Amtsleiterin Hochbau und Liegenschaften, musste deshalb mit einem dringenden Antrag im Kreistag um Genehmigung bitten. Es geht um 900.000 Euro Sanierungskosten. In der Vorlage für den Kreistag steht: Ausgangspunkt war das Bestreben, an den bestehenden Gründächern an den Schulen des Landkreises eine Sanierung des Grünbereichs vorzunehmen. Hierzu wurde 2019 eine Dokumentation in Auftrag gegeben, die den aktuellen Zustand und die derzeitigen Schäden widerspiegeln sowie mögliche Problemlösungen aufzeigen sollten.

Dass an den Dächern was getan werden musste, war allen klar. Wie schlimm der Schaden allerdings ist, stellte sich erst bei den Untersuchungen heraus. Für die Maßnahmen am BSZ Radebeul wurden zunächst 190.000 Euro aus Haushaltsmitteln bereitgestellt und ein Planungsbüro beauftragt. Während der Planung gab es Ende 2020 einen Einregenschaden. Dieser war so stark, dass Teilbereiche des Obergeschosses durch die Schule gesperrt werden mussten und der Parkettboden teilweise ausgebessert wurde.

Die im Anschluss erfolgten Dachöffnungen und Bauteilprüfungen ergaben weitere Schäden. Wie genau überall Wasser eindringt, war nicht festzustellen. Fazit: Das gesamte Dach muss saniert werden. Ein Statiker wurde hinzugezogen. Die Amtsleiterin: „Da es sich bei dem Dach um ein Flachdach mit innenliegender Entwässerung handelt, erfolgte eine Vermessung der unterseitigen Dachfläche. Dabei wurde festgestellt, dass sich der Mittelteil um etwa fünf Zentimeter abgesenkt hat.“

Das Berufliche Schulzentrum in Radebeul hat den größten Dachschaden. Hier muss fast eine Million Euro aufgewendet werden.
Das Berufliche Schulzentrum in Radebeul hat den größten Dachschaden. Hier muss fast eine Million Euro aufgewendet werden. © Norbert Millauer

Vor wenigen Wochen, im Mai 2021, hat es erneut ordentlich reingeregnet. Die Folge: starke Schäden an Parkettflächen, Holztrennwänden und Sitzbänken. „Dieser Umstand machte es notwendig, das Obergeschoss der Schule bis auf Weiteres für den Schulbetrieb zu sperren“, so Katja Lamnek.

Wie bei den Untersuchungen festgestellt wurde, gibt es eine in Teilbereichen undichte Dampfsperre, wo Regenwasser eindringt und sich über Holzbalken und Nuten für Elektrokabel im gesamten Gebäude verteilt und an Kreuzungspunkten oder Deckenleuchten entweicht. Einen genauen Wassereintritt festzustellen oder zurückzuverfolgen, sei daher nicht möglich.

Bei weiteren Einregnungen, so die Amtsleiterin, die selbst Architektin von Beruf ist, kann sich das Wasser bis in das Erdgeschoss ausbreiten, die Holztrennwände und Einbauschränke sind der Schimmelgefahr ausgesetzt und es sind Stromabschaltungen notwendig. Dies würde auch eine Sperrung des Erdgeschosses bedeuten.

Der Kreistag musste schnell entscheiden

Jetzt musste schnell gehandelt werden: Genehmigung im Kreistag, Auftrag ausschreiben, Baufirmen finden und in den nächsten Wochen sanieren.

Dachschäden - nicht alle in diesem Ausmaß - stellten sich auch an weiteren Schulen heraus. Am Dach der Förderschule Meißen ist Kernfäule in den Kopfbalken festgestellt worden. 595.000 Euro müssen hier aufgewandt werden. Der Bau ist gerade im Gange. Den Beschluss für den Aufwand gab es bereits im November im Kreistag.

Am BSZ in Meißen muss zum Glück nur das Gründach saniert werden - kostet rund 50.000 Euro und soll im September geschehen. Ebenso an der Sprachheilschule in Sörnewitz. Dort mussten nur 1.750 Euro ausgegeben werden. Die Arbeiten sind schon erledigt.

Im BSZ Radebeul quillt der Fußboden auf, weil es ständig tropft.
Im BSZ Radebeul quillt der Fußboden auf, weil es ständig tropft. © Landratsamt Meißen

Auf die SZ-Nachfragen, warum denn gerade Flachdächer - alle zu ähnlicher Zeit gebaut - so anfällig auf Undichtheit sind und ob es nicht besser wäre, die Dachform zu ändern, sagt Amtsleiterin Lamnek: Entscheidend sei, dass sich inzwischen Bestimmungen für Flachdächer geändert haben. Es werde keine Innenentwässerung mehr angewandt. Die neu aufzubringende Dämmung soll ein Gefälle bekommen, damit das Regenwasser zum Dachrand in eine Dachrinne geführt werden kann. Auch gebe es heute viel bessere Materialien zum Abdichten, etwa flüssigen Kunststoff, sagt die Fachfrau. Ein Flachdach sei deshalb nicht generell problembehaftet.

Die für das Radebeuler BSZ notwendigen Mittel von fast einer Million Euro sollen beispielsweise aus weniger notwendigen Aufwendungen aus der Sozialumlage des Kreises (310.000 Euro) und einer Umwidmung von 220.000 Euro vom BSZ Meißen aufgebracht werden.

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