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Mit fast 100 km/h fegt der Sturm durch das Elbtal

Straßenbahnlinie 4 eingestellt +++ Dutzende Feuerwehreinsätze +++ Stromleitungsschäden von Radebeul bis Radeburg +++ Probleme mit Mülltonnen

Von Sven Görner & Peter Redlich
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Auf der Wichernstraße in Radebeul-Ost hatten die Kameraden der Feuerwehr bis in den späten Nachmittag zu tun. Ein großer Baum hat einen Transporter und den Zaun beschädigt.
Auf der Wichernstraße in Radebeul-Ost hatten die Kameraden der Feuerwehr bis in den späten Nachmittag zu tun. Ein großer Baum hat einen Transporter und den Zaun beschädigt. © Norbert Millauer

Radebeul/Coswig/Weinböhla/Moritzburg/Radeburg. Die Wetterstation neben dem Radebeuler Spitzhaus steht für Sturm genau an der richtigen Stelle. Dort oben kommen die Windspitzen an. Bis Redaktionsschluss zeigten die Aufzeichnungen in Böen Windgeschwindigkeiten über 90 km/h an. Das entspricht Windstärke 10.

Über den Vormittag baute sich der Sturm auf. Um die Mittagszeit erreichte er im Elbland und auf den höher gelegenen Orten seine größte Stärke.

Seit dem Donnerstagmittag fuhr keine Straßenbahn mehr. Die Linie 4 nach Radebeul, Coswig und Weinböhla war eingestellt.
Seit dem Donnerstagmittag fuhr keine Straßenbahn mehr. Die Linie 4 nach Radebeul, Coswig und Weinböhla war eingestellt. © Norbert Millauer

Radebeul: Am Nachmittag waren gut ein Dutzend Meldungen beim Brandschutzverantwortlichen Dirk Liebscher im Ordnungsamt eingegangen. Zweimal hatte es einen Baum im Lößnitzgrund umgestürzt. Am Tännichtweg, nahe Coswig, hat ein stürzender Baum eine Stromleitung beschädigt. Bäume sind auch am Gradsteg, Ecke Obere Bergstraße und auf der Wichernstraße in Ost umgedrückt worden. Personen- und Hausschäden wurden bis zum Nachmittag nicht gemeldet.

Seit Mittag 12.30 Uhr erschien an allen Haltestellen der Linie eine Anzeige der Dresdner Verkehrsbetriebe. Demnach wurde der Verkehr von allen Linien eingestellt, was auch die Straßenbahnlinie 4 betraf, die bis Coswig und Weinböhla fährt.

Die Mitarbeiter der Müllentsorgung hatten am Vormittag und Mittag Probleme mit Gelben Tonnen. Vielfach waren die Tonnen vom Sturm umgefallen und rollten teils auf den Straßen.

Weinböhla: Bis zum Nachmittag hatten die Feuerwehrkameraden von Weinböhla 18 Einsätze wegen des Herbststurmes. Wie Kai Walther, stellvertretender Wehrleiter informiert, hat ein umgestürzter Baum die Staatsstraße 81 sogar so stark beschädigt, dass die Straßenmeisterei reparieren muss.

Ein größerer Baum ist Am Börnchengrund zu Boden gegangen. Die Feuerwehrleute haben geholfen beim Räumen. Telefon- und Stromleitungen wurden beschädigt, sagt der Vizewehrleiter - beispielsweise am Waldweg, nahe dem Reiterstübchen.

Eine gewaltige Linde hat es auf einem Privatgrundstück im Coswiger Ortsteil Brockwitz, hinter dem Gartenmarkt Dehner, umgelegt.
Eine gewaltige Linde hat es auf einem Privatgrundstück im Coswiger Ortsteil Brockwitz, hinter dem Gartenmarkt Dehner, umgelegt. © Norbert Millauer

Coswig: Die erste Sturmmeldung ging bei der Coswiger Feuerwehr bereits am Vormittag ein. Hinter dem Dehner-Gartenmarkt im Ortsteil Brockwitz hatte es eine gewaltige Linde umgelegt. Wie Stadtwehrleiter Andreas Schorbogen sagt, muss sich der Besitzer des Grundstücks um den Baum kümmern.

Bis zum Nachmittag waren die Kameraden zu zwölf Einsätzen unterwegs. Am Nachmittag musste ein großer Ast von der Oberleitung der Straßenbahnlinie 4 entfernt und gesägt werden. Auf ein Haus an der Spitzgrundstraße ist ein Baum gestürzt. Am Boselweg hat ein gestürzter Baum die Stromleitung beschädigt. Auch ein Auto wurde leicht beschädigt - ohne dass eine Person drin saß, so Schorbogen. Das war auf der Melanchthonstraße in Coswig. Mitarbeiter des Bauhofes Coswig waren ebenfalls unterwegs, um schnell zu helfen.

Wie auch in Radebeul haben die Coswiger Kameraden während des Sturmes eine eigene Befehlsstelle eingerichtet, um die Feuerwehrzentrale in Dresden - die für den Kreis mit zuständig ist - zu entlasten.

Moritzburg: In Moritzburg wurde im Laufe des Tages eine ortsfeste Befehlsstelle eingerichtet, um die Leitstelle in Dresden zu entlasten. Alle fünf Ortswehren der Großgemeinde waren in Alarmbereitschaft und mussten zu zahlreichen Einsätzen ausrücken. "Wir fahren gerade von einem umgeworfenen Baum zum anderen", hatte der stellvertretende Gemeindewehrleiter Jens Klotzsche am Nachmittag zur SZ gesagt. Bereits früh hatte ein Baum einen Gastank am Froschcafé in Boxdorf getroffen. "Unsere Kameraden waren schnell zur Stelle und konnten so einen möglicherweise größeren Einsatz verhindern." Während die Straße zwischen der Autobahnabfahrt Wilder Mann und Boxdorf komplett gesperrt werden musste, gab es an der Allee zwischen Bad Sonnenland und Moritzburg keine fallenden Bäume. Am späten Nachmittag mussten die Reichenberger und Boxdorfer Kameraden dann noch die Wehren in Radebeul bei einem Dachstuhlbrand unterstützen.

Im Wildgehege wurde auch diese im Vorjahr aufgestellte Infotafel von einem Ast getroffen.
Im Wildgehege wurde auch diese im Vorjahr aufgestellte Infotafel von einem Ast getroffen. © Sachsenforst

Das Wildgehege Moritzburg blieb am Donnerstag wegen der Sturmwarnung zur Sicherheit geschlossen. Eine richtige Entscheidung, wie sich im Laufe des Tages leider zeigte. Ronald Ennersch, der Leiter der Sachsenforst-Einrichtung, sagte, dass die Orkanböen mehrere Baumkronen abgebrochen und Bäume entwurzelt hätten. Auch Zäune der Tiergehege wurden beschädigt. So beispielsweise bei den Ottern und den Luchsen. „Dort ist zum Glück vor allem der innere Zaun betroffen, den äußeren haben wir gesichert.“ Der genaue Umfang der Schäden war nicht sofort überschaubar, da der Aufenthalt im Freien für die Mitarbeiter gefährlich war. Ronald Ennersch kündigte aber bereits an, dass das Wildgehege auch am Freitag geschlossen bleiben wird. Zum Aufräumen und Beseitigen der Schäden.

Den Betrieb einstellen mussten im Laufe des Tages auch das Museum Schloss Moritzburg und die Lößnitzgrundbahn. Dort hatten im Bereich der Karlstraße in Friedewald Bäume die Gleise blockiert. Das Einrichten eines Schienenersatzverkehrs war leider nicht möglich, hieß es vom Betreiber der Lößnitzgrundbahn, der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mbH.

Radeburg: Während sich der Sturm in anderen Teilen des Landkreises teilweise sehr heftig austobte, bleib es in Radeburg relativ ruhig. "Bei uns war alles sehr entspannt", sagt Stadtwehrleiter Marcus Mambk. Am Morgen waren die Volkersdorfer Kameraden mit zur Unterstützung zum Froschcafé ausgerückt, den nächsten Einsatz gab es dann erst am Nachmittag. Ein umgestürzter Baum vor Volkersdorf. Zwischendurch hatten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs einige umgeworfene Bauzäune in Richtung Königsbrück wieder aufgestellt.

Allerdings war der Drohnentrupp aus Bärnsdorf zweimal in der Nacht zum Donnerstag im Einsatz gewesen. Kurz vor 23 Uhr wurden sie zu einem Brand im Wald bei Gauernitz gerufen, am Morgen dann zu einem Laubenbrand nach Meißen. "Dort war der Wind aber schon so stark, dass wir die Drohne nicht mehr fliegen lassen konnten", so Marcus Mambk.