merken
PLUS Radebeul

Moritzburg hat ein neues Luchsmädchen

Isolde kommt aus dem Norden und wurde im Frühjahr geboren. Noch können sie und die elfjährige Erika sich nur durch den Zaun beschnuppern.

Das sieben Monate alte Luchsmädchen Isolde sitzt in seinem neuen Zuhause im Wildgehege Moritzburg. Das rot-weiße Absperrband markiert den Zaun, der seinen Teil des Freigeheges von dem der elfjährigen Erika trennt.
Das sieben Monate alte Luchsmädchen Isolde sitzt in seinem neuen Zuhause im Wildgehege Moritzburg. Das rot-weiße Absperrband markiert den Zaun, der seinen Teil des Freigeheges von dem der elfjährigen Erika trennt. © Norbert Millauer

Moritzburg. Das helle Winterfell des Luchsmädchens sieht dicht und kuschelig aus. Vermutlich würde es sich auch genau so anfühlen, wenn man es anfassen könnte. Was natürlich nicht geht, weil das Wildgehege Moritzburg coronabedingt geschlossen ist, und vor allem, weil der junge Luchs kein Schmusekätzchen, sondern ein Wildtier ist.

Geholt hat Wildgehegeleiter Ronald Ennersch die neuste Bewohnerin der Einrichtung aus dem privaten Wildpark Schwarze Berge bei Hamburg. Die Mitarbeiter haben das sieben Monate alte und noch immer sehr verspielte Luchsmädchen sofort in ihre Herzen geschlossen. Was verständlich ist, wenn man die Fotos und auch ein kleines Video sieht, das vom Wildgehege ins Netz gestellt wurde.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Die ersten Tage hat Isolde, so der Name des Jungluchses, erst einmal allein im überdachten Teil der Anlage verbracht, sagt Ronald Ennersch. So konnte sie sich von der Fahrt erholen und zugleich langsam und ungestört an einen Teil ihres neuen Zuhauses gewöhnen. „Wir haben sowohl im überdachten Zwinger als auch im Freigehege der Luchsanlage die Möglichkeit, beide Tiere voneinander zu trennen“, ergänzt der Wildgehgeleiter.

Natürlich hat Isolde auch in den ersten Tagen schon den Geruch der elfjährigen Hausherrin Erika aufnehmen können. Und auch umgekehrt. Allerdings ohne einen direkten Kontakt.

Inzwischen ist das anders. Denn sowohl Erika als auch jetzt Isolde durchstreifen nun ihren Teil des Freigeheges. Isolde sehr neugierig, aber auch mit der angeborenen Portion Vorsicht. Erika dagegen eher bedächtig und souverän. Die Neue bringt sie nicht aus der Ruhe.

Blickkontakt mit Hausherrin Erika

Die beiden Teile des Freigeheges sind durch einen relativ großmaschigen Forstzaun voneinander getrennt. Der ermöglicht ausreichend Blickkontakt. Ihre Nasen können die beiden Luchse durch den Zaun aber trotzdem nicht zusammenstecken. Denn wie die äußere Absperrung ihrer Anlage ist auch dieser durch stromführende Drähte gesichert. Denn wie alle Katzen sind auch Luchse ausgezeichnete Kletterer.

Ganz nah, wenn auch noch nicht zu nahe, können sich Erika und Isolde trotzdem kommen. „Im Zaun zwischen den beiden Teilen des Freigeheges gibt es Schieber und Türen“, sagt Roland Ennersch. „Dort können sich die beiden auch beschnuppern, ohne dass es gefährlich werden kann.“

Denn noch weiß man nicht, wie die Luchsdamen reagieren, wenn sie nichts mehr voneinander trennt. Darum soll die Zusammenführung der beiden auch weiter ganz behutsam und Schritt für Schritt erfolgen. „Ideal wäre natürlich, wenn sich beide die Anlage künftig wirklich teilen würden“, so der Wildgehegeleiter. Ob das funktioniert, ist aber nicht sicher. „Wir überstürzen nichts.“

Da ein unterschiedliches Abschiebern der inneren und äußeren Bereiche möglich ist, sollen als Nächstes die Flächen, die beide derzeit nutzen, getauscht werden. So können sie nicht nur die Gerüche der anderen besser aufnehmen, sondern gewissermaßen auch die gesamte Anlage in Besitz nehmen.

Verzicht auf Nachwuchs

Mit dem neuen Luchsmädchen soll nun wieder etwas mehr Leben in die Anlage einziehen, in der es in der Vergangenheit recht quirlig zugegangen war. Mehrfach hatte es Luchsnachwuchs gegeben, der natürlich stets zu den Besucherlieblingen gehörte. Zuletzt waren 2011 vier Luchsbabys geboren worden. Mit dieser Verdoppelung des damaligen Bestandes platzte die Luchsanlage ein Jahr später aus den Nähten. Und Besserung war nicht in Sicht.

Denn die Bemühungen des damaligen Leiters Rüdiger Juffa, die Jungtiere über die Tauschbörse des Wildgehegeverbandes im deutschsprachigen Raum an den Mann zu bringen, blieben erfolglos. Auswilderungsprogramme wie vor Jahren im Harz, wo auch zwei Tiere aus Moritzburg hingingen, gab es auch nicht mehr. So bleib nur die Entscheidung, künftig auf Nachwuchs zu verzichten und vor allem die beiden männlichen Tiere - die Kuder - möglichst schnell woanders hinzugeben. Bis dahin sollten Hormonstäbchen weitere Luchsbabys verhindern.

Weiterführende Artikel

Moritzburg verliert erneut seinen Elch

Moritzburg verliert erneut seinen Elch

Im Wildgehege ist jetzt auch der zweite in diesem Jahr geholte große Hirsch gestorben. Das soll nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Moritzburg gegen Bauantrag für Wildgehege

Moritzburg gegen Bauantrag für Wildgehege

Die Gemeinde hat eigentlich nichts gegen den geplanten Ersatz des Eingangsgebäudes. Sorgen bereitet den Räten und der Verwaltung etwas anderes.

Der ältere Kuder konnte tatsächlich noch 2012 an einen Tierpark bei Bremen abgegeben werden. Der jüngere, sein Sohn, machte sich schließlich im gleichen Jahr in einer stürmischen Gewitternacht über einen auf den Zaun gefallenen Ast aus dem Staub. Mehrfach hatten ihn danach Wanderer, Jogger und Jäger gesehen. Eine Fotofalle nahm sogar ein Bild auf. Einfangen konnten ihn die Mitarbeiter des Wildgeheges indes nicht mehr. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises erklärte den entlaufenen Luchs schließlich im Frühjahr 2013 zum Wildtier. Da der Luchs eine streng geschützte Art ist, durfte ihm damit nicht mehr nachgestellt werden.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul