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Nachschub für Radläden stockt

Im Landkreis umgehört: Werkstatttermine teils erst in sechs Wochen. Fahrradlieferungen dauern bis zu 18 Monate.

Anne Fuchs vom Zweirad-Center Slesak in Coswig. Sie sagt, dass die Beratung per E-Mail derzeit stattfindet. „Der Kunde trägt seine Vorstellungen vor und wir versenden Fotos mit dem möglichen Angebot an Rädern.“
Anne Fuchs vom Zweirad-Center Slesak in Coswig. Sie sagt, dass die Beratung per E-Mail derzeit stattfindet. „Der Kunde trägt seine Vorstellungen vor und wir versenden Fotos mit dem möglichen Angebot an Rädern.“ © Arvid Müller

Landkreis. Es ist Fahrradzeit. Raus mit dem Drahtesel - zumal Corona zum Urlaub vor der Haustür zwingt. Doch ach: der Alte machts nicht, eine Schnellreparatur muss es richten. Oder es steht gar der Sinn nach einem neuen Fahrrad.

Wer jetzt so durchstarten will, kann sehr schnell ausgebremst werden. In den Fahrradläden und deren Werkstätten gibt es derzeit arge Probleme. 2020 wurden so viele Räder gekauft wie noch nie. 75 Millionen stehen derzeit in den Kellern und Schuppen der Deutschen. Mit Corona kam es zu Unterbrechungen in der Teileproduktion, die fast ausschließlich aus Asien kommt. Fazit: Es fehlen genau jene Teile, die zumeist aus Fernost von solchen Zulieferern, wie etwa dem Zubehörriesen Shimano, kommen. Kommen sollen. Und so sieht es bei bekannten Fahrradanbietern im Kreis derzeit aus.

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„Es gibt keine zuverlässigen Liefertermine mehr“, sagt Michael Huhn, einer der Inhaber des in Radebeul und Weixdorf ansässigen Fahrradhändlers Tretmühle. Es fehle an Ketten, an Kassetten und manch anderen Teilen. Huhn: „Was wir für März vertragsmäßig zugesagt bekommen haben, wurde gerade auf August verschoben.“

Kontakt nach Asien

Ähnlich betroffen seien auch die Firmen, welche die Räder aus Komponenten, die aus Asien geliefert werden, in Deutschland zusammenbauen. Wenn die Sattelstütze fehlt oder die Bremsen, dann könne eben das Rad noch nicht an den Einzelhandel geliefert werden. Die Tretmühle habe auch direkte Beziehungen nach Asien. Doch bisher wurden Teilepakete mit dem Passagierflugzeug als Beifracht mitgeschickt. Das fällt jetzt nahezu aus, wegen der ausgesetzten Reisetätigkeit der Fluggesellschaften. Also werde mehr auf Containern über Schiffsrouten transportiert, was länger dauere und mittlerweile teurer ist.

Michael Huhn: „Vor einem Jahr haben wir für den Containertransport 1.800 Euro bezahlt. Jetzt sind es 10.000 Euro. Wir versuchen deshalb sogar Alternativen des Transportes über die Transsibirische Eisenbahn. Das dauert etwa dreieinhalb Wochen.“ Gestiegen seien zudem Materialpreise, etwa beim Aluminium und Stahl. Das habe dazu geführt, dass die Preise für neue Räder Anfang des Jahres angehoben worden sind - um 100 bis 200 Euro.

Wer jetzt sein Rad bei der Tretmühle in die Werkstatt geben will, müsse mit Wartezeiten für einen Termin von vier bis sechs Wochen rechnen. Für Stammkunden versuche man dennoch möglich zu machen, was nur gehe, so Huhn. Auch mal das Ausweichen auf andere Komponenten. Aber viel Spielraum gebe es aktuell nicht.

Lager schnell wieder leer

Dennoch sollen die Kunden weitgehend zufriedengestellt werden, auch in Beschränkungszeiten. Per Telefon oder E-Mail-Verkehr gibt es Beratungstermine bei allen Händlern und Werkstätten, die die SZ angerufen hat. So etwa auch beim Zweirad-Center Slesak in Coswig. Zweiradmechanik-Meisterin Anne Fuchs sagt: „Der Kunde trägt seine Vorstellungen vor und wir versenden Fotos mit dem möglichen Angebot an Rädern.“ Das Antworten dauere derzeit ein bis drei Tage.

Allerdings, was ins Lager jetzt reinkomme, sei aktuell schon in wenigen Tagen wieder verkauft. Auch bei den Coswigern seien Liefertermine vom Frühjahr auf den Sommer verschoben worden. Es fehle manchmal an einer Schraube für ein Rad. Kleinigkeiten in der Werkstatt seien derzeit in etwa zwei Wochen behebbar.

Silvio Kunze, Inhaber der Filialen der Fahrradkette in Coswig, Weinböhla, Dresden, Pirna, Freital und Riesa sagt, dass die Lieferanten kaum noch Lagerware haben und nur das zu haben sei, was bereits länger im Vorjahr geordert wurde. Das habe man bei der Fahrradkette schon rechtzeitig im Sommer 2020 getan, weshalb hier die Lager noch ordentlich bestückt seien.

Preise steigen weiter

Auch hier werde ausdrücklich auf vorherige Beratung gesetzt. Kunze: „Auf unserer Internetseite steht bei jedem Rad auch, welche Rahmengröße noch vorhanden ist. Wer ein spezielles Rad haben möchte, dem müssen teils Wartezeiten von bis zu 18 Monaten angeboten werden“, sagt Kunze bedauernd.

In der Werkstatt würden derzeit kleine Notreparaturen noch relativ schnell erledigt. „Die Ersatzteile tauschen wir in den Filialen untereinander aus“, so der Fahrradkettemann. Üblich seien für einen Werkstatttermin allerdings auch hier aktuell sechs Wochen Wartezeit.

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Und zu den Fahrradpreisen: „Ich gehe davon aus, dass die Preise für Räder weiter steigen werden. Nicht nur, weil die Nachfrage weiter anzieht, sondern vor allem, weil nahezu sämtliche Rohstoff- und Transportpreise immens steigen.“ Ihm bleibe dann nichts weiter übrig, als auch die Preise zu erhöhen. Kunze: „Wir geben ja nur weiter, was uns die Lieferanten anbieten.

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