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Notwendigkeit oder Schikane?

Einer der Bauherren auf dem Ex-Glasinvest-Areal an der Meißner Straße wollte per Antrag an die Stadt und die Räte etwas verändern. Es wurde zweimal abgelehnt.

Von Peter Redlich
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Während die Häuser mit den Eigentumswohnungen so gut wie fertiggestellt sind, stehen die Gebäude an der Meißner Straße, Hauptstraße gerade im Rohbau. Hier sind Seniorenwohnungen vorgesehen.
Während die Häuser mit den Eigentumswohnungen so gut wie fertiggestellt sind, stehen die Gebäude an der Meißner Straße, Hauptstraße gerade im Rohbau. Hier sind Seniorenwohnungen vorgesehen. © Norbert Millauer

Radebeul. Eigentlich ist alles schick. Radebeuls aktuell größtes Wohnungsbauprojekt verwirklicht sich von Woche zu Woche zusehends. Auf dem ehemaligen Glasinvest-Areal an der Meißner Straße entstehen insgesamt 150 Wohnungen. 110 davon errichtet der Radebeuler Peter Heil mit seiner Firma Sächsische Wohnimmobilien GmbH (SWG). Die übrigen die Wohnungsgenossenschaft Lößnitz aus Radebeul.

Linkes Motiv für die Fenster-Unterlichter: abgelehnt im Bauausschuss. Rechtes Motiv: zugestimmt im Bauausschuss der Stadträte.
Linkes Motiv für die Fenster-Unterlichter: abgelehnt im Bauausschuss. Rechtes Motiv: zugestimmt im Bauausschuss der Stadträte. © Peter Heil

Während bei der WG Lößnitz der Bau und Genehmigungen nahezu geräuschlos verlaufen, hakelt es zwischen Heil und der Stadt, vor allem aber den Stadträten im Bauausschuss, immer mal wieder. Aktuell regen den Investor zwei Dinge auf. Zum einen hatte er den Antrag gestellt, in der Tiefgarage unter den Wohnhäusern für behindertengerechtes Wohnen an der Meißner Straße und der Hauptstraße weniger Stellplätze einrichten zu müssen, als es die Vorschrift sagt.

Ein Teil der Plätze sind ganz normale ebenerdige, wie er sie auch unter den Häusern mit den Eigentumswohnungen hat. Ein anderer Teil ist als Doppelparker mit Klappvorrichtung vorgesehen. Per Hebevorrichtung und Versenkbarkeit in einer Grube finden zwei Autos übereinander Platz. Allerdings sind diese nicht so komfortabel wie eben die ebenerdigen, vor allem beim Ein- und Aussteigen, wenn daneben der Nachbar parkt. Heils Argumentation: Diese Doppelparker sind für ältere Leute, die mitunter auch gehbehindert sind, schwerer zugänglich. Und weil aus seiner Erfahrung, etwa in einer ähnlichen barrierefreien Wohnanlage an der Waldstraße, nicht einmal die Hälfte der Stellplätze von den Senioren genutzt werden, würde er gern weniger davon installieren. Die dafür in der Tiefgarage vorgesehenen Gruben einfach ebenerdig auffüllen. Peter Heil: „Das spart Kosten bei der Wartung und den üblichen TÜV-Kontrollen.“ Im Gegensatz zu den Häusern mit den Eigentumswohnungen will Heil die Gebäude mit den Seniorenwohnungen in seinem Firmenbestand behalten und verwalten.

Baustopp kurzzeitig verhängt

Doch die Räte im Bauausschuss stimmten dagegen. Bei einer Kontrolle der Bauaufsicht, wenige Tage vor der Abstimmung im Ausschuss, war festgestellt worden, dass einige der Gruben mit Doppelparkern mit Sand verfüllt waren. Es wurde ein Baustopp verfügt, und zwar so lange, bis die Gruben wieder frei sind. Heil sagt, er habe den Sand drin gelassen, weil über den Gruben noch Bauarbeiter zugange waren und das mehr Schutz biete.

Es gibt noch ein weiteres Beispiel, welches dem Investor missfällt. Für bestimmte Fenster und deren Unterlichter hat Heil eine Leipziger Gestalterin beauftragt, die Glasflächen zu entwerfen. Die Motive zeigen grün-weiße Weindarstellungen, wie sie, so Heil, „wunderbar zu Radebeul passen“. Doch weil diese Motive nicht im vorher abgestimmten Bauantrag enthalten waren, sei ihm untersagt worden, diese Fenster so zu gestalten. Heil hält das für Schikane.

Stadtrat Jens Baumann (CDU), eine der maßgeblichen Stimmen im Bauausschuss, hat andere Argumente, zum Beispiel zu den Doppelparkern. Aus seiner und der Sicht der großen Mehrheit im Ausschuss gebe es keinerlei Grund, von der bisher beschlossenen Zahl der Stellplätze abzuweichen. „Wenn die Senioren die Stellplätze nicht nutzen, dann können dort ja auch andere Leute parken, die das Areal besuchen“, sagt Baumann.

Weniger Doppelparker - Beispielfoto - in der Tiefgarage unter den Seniorenwohnungen haben die Räte im Bauausschuss abgelehnt.
Weniger Doppelparker - Beispielfoto - in der Tiefgarage unter den Seniorenwohnungen haben die Räte im Bauausschuss abgelehnt. © privat

Wenn es weniger Stellplätze in der Tiefgarage gibt, habe der Ausschuss in der Mehrheit die Gefahr gesehen, dass dann noch mehr in den Nebenstraßen ihr Auto abstellen. Baumann: „Der Baubeschluss insgesamt war ein langer Prozess. Wir wollten nicht, dass sich der Investor wieder zurückzieht von seinen Zusagen.“

Ähnlich sieht es Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Der Bauherr habe ja seine Pläne genau so eingereicht, mit den Doppelparkern. Wie er wem dann die Stellplätze zuordne, das sei seine Sache. Heißt, die normalen Stellplätze könnten ja für Senioren und behinderte Bürger sein und die Doppelparker für andere.

Antrag wieder zurückgezogen

Peter Heil hat seinen Antrag auf weniger Doppelparkplätze zurückgezogen. Die Fenster würde er aber gerne so anfertigen lassen. Noch wäre es möglich. Die Gebäude sind gerade im Rohbau fertig. Doch auch dazu gab es eine Ablehnung im Bauausschuss. Der Baubürgermeister: „Darüber haben nicht wir entschieden, sondern die Mitglieder im Ausschuss.“

Der Architekt des Bauherrn habe die Fenstergestaltung vorgestellt, der Ausschuss fand die Weindarstellungen für ein modernes Gebäude allerdings unpassend. Jetzt gibt es eine abstrakte Gestaltung, die besser zu den Bauten passe, so Müller. Und die wurde auch gerade so eingebaut.

Bis Ende 2022 sollen die barrierefreien Wohnungen und Gewerberäume an der Meißner Straße und der Hauptstraße bezugsfertig sein.

So soll es Ende nächsten Jahres an der Ecke Meißner Straße, Hauptstraße aussehen.
So soll es Ende nächsten Jahres an der Ecke Meißner Straße, Hauptstraße aussehen. © aT2 Architekten