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Auf dem Sörnewitzer Weingut ist der erste Azubi zum Winzer gereift - ein sehr guter Jahrgang.

Von Udo Lemke
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Die ersten Weine dieses Jahrgangs werden abgefüllt: Jungwinzer Julian Beckmann vom Weingut Schuh in Sörnewitz.
Die ersten Weine dieses Jahrgangs werden abgefüllt: Jungwinzer Julian Beckmann vom Weingut Schuh in Sörnewitz. © Arvid Müller

Coswig. Julian Beckmann kommt aus einer Gegend, in der nicht jedem das Wort Winzer geläufig ist, erzählt er. Der 23-Jährige stammt aus Lübeck. Dabei sei die Stadt zu Zeiten der Hanse einer der Haupthändler für Wein gewesen. Ganze 43 Weinhandlungen, die den Rebensaft nach Skandinavien verschifften, habe es gegeben, davon sei heute noch eine vorhanden. Und wie kommt man als Kind der Ostseeküste nach Sörnewitz an der Elbe im tiefsten Sachsen?

Julian hat in einer Demeter-Gärtnerei in Lübeck gearbeitet. „Da haben wir selbst Saft gemacht, das fand ich super interessant und dann habe ich mich nach einem Praktikum auf einem Weingut umgeschaut.“ So ist er 2017 nach Sörnewitz auf das Weingut Schuh gekommen. „Ich wollte ein Praktikum in einem Betrieb machen, der naturnah wirtschaftet.“ Nach der Weinlese war er auch beim Rebschnitt dabei und „es hat mir so gut gefallen, dass ich mich hier für eine Lehre zum Winzer entschieden habe“.

Im Weingut Schuh war er der allererste Auszubildende. „Ich hatte schon bei meinem vollen Einstieg in unseren Familienbetrieb 2013 geplant, junge Leute zum Winzer auszubilden. Zuerst wollte ich mich aber selbst einarbeiten, um auch genügend Zeit für einen Azubi zu haben“, so Matthias Schuh, der 33-jährige Mitinhaber des Betriebes. In einem kleinen Familienbetrieb sei es vor allem wichtig, dass das Arbeitsklima zwischen Lehrling und Ausbilder stimmt, so Matthias Schuh. Und wenn man Julian Beckmann und ihn zusammen sieht, dann ist das auf jeden Fall so. „Bei uns darf der Lehrling von Anfang an viel Verantwortung übernehmen – kann im Weinberg und im Keller alle Arbeiten kennenlernen und sich ohne ständige Anweisungen entfalten. Das ist uns wichtig“, erklärt Matthias Schuh. Oder anders gesagt: „Bei uns gibt es kein Ausweichen.“

Die Vielfalt der Arbeiten ist es auch, die es Julian Beckmann angetan hat. „Vom Rebschnitt im Winter bei strengem Frost über Laubarbeit im Sommer bei Hitze, der Lese, dem Ausbau des Weins im Keller und dem Abfüllen und Fertigmachen der Flaschen für den Verkauf – es wird nie langweilig.“ Auch den Verkauf und den direkten Kontakt zu den Kunden mag Julian. „Ich muss in der Lage sein, in der Vinothek Wein zu verkaufen, das ist auch ein Prüfungsthema gewesen.“ Und: „Es macht mich stolz, zu sehen, wenn wir den Leuten mit unseren Weinen Freude bereiten“, sagt er. „Zur Weinsensorik und zur Vermarktung habe ich viel von Katharina Schuh lernen können“, die sich im Betrieb darum kümmert.

Apropos Prüfung. Die praktische Ausbildung hat Julian Beckmann auf dem Weingut Schuh in Sörnewitz absolviert, zur theoretischen ist er in einer Fahrgemeinschaft mit den anderen fünf Azubis aus Sachsen bis nach Bad Kreuznach gefahren. Das liegt eine Stunde hinter Frankfurt. „Für unseren Betrieb ist Julian Beckmann eine Bereicherung. Wir freuen uns und sind stolz, dass er mit einer Note von 1,7 als Jahrgangsbester in Sachsen seine Ausbildung beendet hat“, sagt Matthias Schuh.

Und wie soll es nun mit Julian Beckmann weitergehen? Bis zum Frühjahr wird er weiter im Weingut Schuh arbeiten. Derzeit wird die Abfüllung der ersten Weine des diesjährigen Jahrgangs vorbereitet. Danach möchte er noch mehr Erfahrungen sammeln. Und zwar im Ausland. Es zieht ihn nach Portugal, in die berühmte Weinregion Douro. Dort möchte er beim Rotwein dazu lernen und auch der Portwein interessiert ihn. Später will er seinen Meister machen, um sich noch besser in die Arbeit einbringen zu können. Matthias Schuh: „Wir finden es gut, dass Julian noch Erfahrungen sammeln und sich weiterbilden will. Ich bin selbst nach meiner Ausbildung in Franken nach Neuseeland und Frankreich gegangen, um mehr zu lernen.“

Natürlich wird Julian Beckmann in Sörnewitz im Weingut Schuh fehlen. Mit seiner norddeutschen Gelassenheit sei er stets ein Ruhepol auch in stressiger Zeit und sehe immer, wo es etwas zu tun gebe, so Matthias Schuh. Allerdings geht es weiter: Mit Paul Neuke aus Dresden lernt inzwischen ein zweiter Azubi im Weingut Schuh.