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Platz für Familien und Firmen

Oberbürgermeister Thomas Schubert sieht Coswig gut durch 2020 gekommen, macht sich aber trotzdem Sorgen.

Coswigs Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos) wünscht sich, dass Geschäfte und Gaststätten wieder öffnen können, dass die Wirtschaft durchhält und Kultur und Sport eine Perspektive haben.
Coswigs Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos) wünscht sich, dass Geschäfte und Gaststätten wieder öffnen können, dass die Wirtschaft durchhält und Kultur und Sport eine Perspektive haben. © Norbert Millauer

Herr Schubert, Sie haben jetzt das erste volle Amtsjahr als Oberbürgermeister absolviert. Sie kennen die Verwaltung ja als langjähriger Coswiger Finanzchef, konnten Sie überblicken, was Sie als Oberbürgermeister erwartet?

Im Allgemeinen wusste ich aus meiner mehr als zwölfjährigen Tätigkeit als Bürgermeister und meiner fast zwanzigjährigen Arbeit als Kämmerer, was einen Oberbürgermeister erwartet. Das war dann auch im Wesentlichen tatsächlich so. Jedoch zeigte das Jahr 2020 ganz schnell Überraschendes - in Form der Corona-Pandemie. Die Auswirkungen waren nicht vorhersehbar, und auch anders als bei anderen Katastrophen, zum Beispiel beim Hochwasser, gab es keinen Masterplan für die Bekämpfung und Lösung dieses Problems.

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Wie sieht es mit dem Haushalt aus, musste die Stadt 2020 Schulden machen, oder waren alle Ausgaben bezahlbar, und wie sieht es für dieses Jahr aus?

Das Jahr 2020 ist um, und wir haben keine Schulden gemacht. Dank der Hilfen von Land und Bund konnten wir auch alle Aufgaben erfüllen und die daraus resultierenden Ausgaben bezahlen. Man kann sogar sagen: Das Jahr 2020 lief besser, als es im Sommer nach dem ersten Lockdown zu erwarten war, sodass kleinere Rücklagen für 2021 erwirtschaftet wurden. Diese brauchen wir auch dringend, denn um 2021 mache ich mir Sorgen. Wer kann schon sagen, wie lange und wie umfangreich die Einschränkungen durch Corona in diesem Jahr andauern werden? Wie sehr wird sich das auf die Wirtschaft auswirken, und wie lange halten die betroffenen Unternehmen trotz Hilfen des Staates durch? Der Staat kann nicht auf Dauer mit Krediten jedem alle Ausfälle bezahlen – den Unternehmen nicht, den Bürgern nicht und auch nicht den Städten und Gemeinden. Deshalb mache ich mir Sorgen, dass es zu Steuerausfällen kommen wird, für die es keine Schutzschirme oder Ausgleichszahlungen gibt.

Glauben Sie, dass Stadtverwaltung und Stadtrat die Interessen der Wirtschaft im Blick haben?

Ja, natürlich. Stadtrat und Stadtverwaltung schaffen schon seit vielen Jahren attraktive Bedingungen für die Wirtschaft. Wir merken das auch an konkreten Anfragen zur Erweiterung bestehender Unternehmen wie auch für Neuansiedlungen. Damit sich Coswigs Wirtschaft auch in Zukunft weiterentwickelt, sanieren und entwickeln wir die Industriebrache Cowaplast zu einem modernen Gewerbegebiet und erweitern das Gewerbegebiet Cliebener Straße, um auch weiterhin Flächen anbieten zu können. Die erforderlichen Beschlüsse wurden fraktionsübergreifend gefasst.

Wie läuft denn generell die Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und dem Stadtrat, der die gewählten Interessenvertreter der Bürger vereint?

Ich bin der Meinung, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert. Auch wenn es mal Meinungsverschiedenheiten in der Sache gegeben hat und man über den Umfang von Fassadenbegrünungen, Gründächern oder Photovoltaik diskutiert und ringt, so stimmt doch die grundsätzliche Richtung. Es geht darum, dass Coswig ein attraktiver Ort für alle Bürger und die Wirtschaft ist und bleibt. Zahlreiche, für die Zukunft Coswigs wichtige Stadtratsbeschlüsse des Jahres 2020 zeigen doch, dass Stadtrat und Verwaltung gemeinsam daran arbeiten und oft auch einstimmig dafür votieren.

Manche Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass es in diesem Jahr viele Firmenpleiten geben wird. Kann die Stadt mithelfen, dass möglichst viele Arbeitsplätze in Coswiger Unternehmen erhalten bleiben?

Die Stadt stellt nur die örtliche Infrastruktur zur Verfügung und hilft im Behördendschungel. Weitere direkte Möglichkeiten haben wir leider nicht.

Viele Gewerbetreibende stehen vor dem finanziellen Aus. Sehen Sie die verfügten Schließungen von Geschäften und Gaststätten als zielführend an, oder müsste es hier Lockerungen geben?

Schwere Frage. Ich habe bisher auch keine bessere Idee, als Kontakte zu vermeiden, um Ansteckungen, Erkrankungen oder gar Todesfälle zu minimieren. Leider dauert das Impfen auch länger, als wir alle erhofft hatten. Ich persönlich halte sowohl den Einkauf in Geschäften mit Maske als auch Gaststätten mit guten Hygienekonzepten nicht für Hotspots, kann aber nicht mit Sicherheit sagen, ob eine Lockerung unter den aktuellen Umständen vertretbar wäre.

Wie sieht es mit der Sanierung und dem Bau von Wohnungen aus? Gehen Sie mit der Meinung mit, dass die größte Aufgabe der WBV in der nächsten Zeit der Umbau von kleineren Wohnungen ist, um Platz für Familien zu schaffen?

Wohnungsbau findet in den letzten Jahren wieder verstärkt statt, sowohl im Eigenheimbau als auch im Bau von Mehrfamilienhäusern. Da die Nachfrage aktuell so groß ist, wurde auch der Flächennutzungsplan in diesem Sinne fortgeschrieben. Aufgabe der WBV wird es sein, ihre Häuser im Wohngebiet Spitzgrund so zu sanieren, dass diese zukunftstauglich werden. Das erfordert unterschiedliche Maßnahmen und hat nicht nur eine Mietergruppe im Blick. Zum einen müssen die Wohnungsgrundrisse familientauglich werden, was durch die Zusammenlegung von kleinen Wohnungen erreicht werden kann. Es müssen aber auch Wohnungen barrierearm und damit altersgerecht umgestaltet werden, was Fahrstuhleinbauten etc. erfordert. Und alle Maßnahmen müssen für die Mieter auch künftig noch bezahlbar bleiben. Aber auch für Mieter mit schmalerem Geldbeutel sind Wohnungen vorzuhalten und sinnvoll zu sanieren. Außerdem muss das Parkproblem gelöst werden. Um all diese Ziele zu erreichen, wollen wir das Wohngebiet mit Fördermitteln sanieren.

Wie sehen Sie Coswig in Bezug auf Kindergärten und Schulen aufgestellt – ist die Betreuungs- und Bildungslandschaft Ihrer Meinung nach ein Argument für junge Familien, sich in der Stadt anzusiedeln?

Coswig hat eine hervorragende Bildungsinfrastruktur – von Kita bis Gymnasium, die komplett durchsaniert ist. Der erfreuliche Zuzug der letzten Jahre führte dazu, dass die Kitaplätze knapp wurden. Der Stadtrat hat 2020 die Weichen für einen Kitaneubau an der Salzstraße gestellt, den wir aktuell umsetzen. Im ersten Quartal 2022 wird diese neue Kita in Trägerschaft der Johanniter in Betrieb gehen, sodass wir in Coswig den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz garantieren können.

Am meisten haben die Kultureinrichtungen und Vereine unter den vom Landkreis und vom Land verfügten Beschränkungen wegen Covid zu leiden. Besteht nicht die Gefahr, dass Kultur und Sport irreparable Schäden erleiden, kann die Stadt hier helfen?

Ich bedauere die aktuelle Situation für alle Vereine – Sport wie Kultur – für alle Künstler, Kultureinrichtungen, Museen und habe tatsächlich Sorge, dass dauerhafte Schäden eintreten werden. Wir hatten im letzten Jahr viel für Hygienemaßnahmen und -konzepte, etwa in der Börse, getan und trotzdem sind sämtliche Veranstaltungen aktuell untersagt. Ich baue auf die ungebrochene Sehnsucht der Bevölkerung nach Kultur und Sport, sobald es wieder geht, damit den Einrichtungen auch wieder eine Perspektive gegeben wird und sie merken: Ja, wir werden gebraucht.

Es gibt Stimmen, die sagen, Coswig fehlt eine Strategie zur Entwicklung des Stadtzentrums. Was würden Sie dem entgegnen?

Das sehe ich anders. Coswig hat kein historisches Stadtzentrum mit mittelalterlichem Charme. Das hatte es nie und wird es auch nie bekommen. Coswig hat mit Mitteln aus der Stadtsanierung und durch Investoren ein saniertes Zentrum entlang der Hauptstraße, Bahnhofstraße, dem Wettinplatz und dem Ravensburger Platz mit diversen Geschäften. Wir haben keine Gebäude mit zugenagelten Läden, sondern Häuser mit Geschäften, Arztpraxen und Gaststätten. Und die Leute nehmen die Geschäfte an, man muss nur mal Freitag- oder Samstagvormittag vor Ort sein. Natürlich kann man für die Aufenthaltsqualität an manchen Stellen noch etwas tun. Und eine Lösung für das Mohn’sche Gut finden wir irgendwann auch noch.

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