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Coswig: "Wir sollten alles tun, dass sich junge Familien bei uns wohlfühlen"

Turnusmäßig und lautlos wechselt die größte Fraktion in Coswig ihren Chef: das Bündnis für ein nachhaltiges Coswig. Bis zur Kommunalwahl 2024 bleibt das so.

Von Martin Skurt
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Der neue (l.) und der alte Fraktionsvorsitzende des Bündnisses für ein nachhaltiges Coswig, Thomas Werner-Neubauer und Bernhard Mossner, ziehen eine Bilanz ihrer vierjährigen Arbeit im Coswiger Stadtrat. Das Bündnis gibt es erst seit 2019.
Der neue (l.) und der alte Fraktionsvorsitzende des Bündnisses für ein nachhaltiges Coswig, Thomas Werner-Neubauer und Bernhard Mossner, ziehen eine Bilanz ihrer vierjährigen Arbeit im Coswiger Stadtrat. Das Bündnis gibt es erst seit 2019. © Norbert Millauer

Coswig. Noch dauert es gut ein Jahr, bis die Kommunalwahlen in Sachsen starten. Doch das Bündnis für ein nachhaltiges Coswig (BnC) befindet sich schon jetzt im Wahlkampf-Modus. Nachdem der Linken-Politiker Bernhard Mossner Ende April planmäßig als Fraktionsvorsitzender zurückgetreten war, übernimmt nun der ehemalige Grüne und mittlerweile parteilose Thomas Werner-Neubauer bis Juli 2024.

"Das war von vornherein so abgesprochen", sagt Werner-Neubauer wenig überrascht. Denn die Fraktion besteht inzwischen aus zehn Stadträten. Vier gehören der Coswiger Bürgerliste (CBL) an, jeweils zwei zählen zu der Linken und den Grünen. Zusätzlich gibt es noch Einzelkandidaten der SPD sowie sogar der DSU, einer rechtskonservativen Partei. Das Spektrum ist relativ breit, was sich auch im Abstimmungsverhalten im Stadtrat widerspiegelt. "Wir haben keinen Fraktionszwang, jeder stimmt nach seinen politischen Grundsätzen ab", sagt Mossner. "Natürlich sprechen wir uns bei vielen Themen auch ab."

BnC will ein beitragsfreies Kindergartenjahr

Der größte Erfolg der Fraktion war sicherlich die Schaffung der Stelle eines Klimaschutzmanagers, der schließlich ein Integriertes Klimaschutzkonzept erarbeitet hat. Das Konzept wurde von der Fraktion und besonders von CBL-Stadtrat Alexander Stolle vorangetrieben. Seit Juli 2022 hat die Große Kreisstadt ein eigenes Klimaschutzkonzept. Inzwischen ist der ehemalige Klimaschutzmanager Sebastian Leinhos weitergezogen und arbeitet an der HTW Dresden – und zwar als Klimaschutzmanager bis 2025. Derzeit hat die Stadt Coswig keinen neuen Klimaschutzmanager nach Informationen von Sächsische.de.

Neben dem Umwelt- und Klimaschutz setzt das BnC auch auf den sozialen Aspekt. "Wir wollen das letzte Kindergartenjahr beitragsfrei gestalten, um die Familien in Zeiten von Inflation und allgemein hohen Kosten etwas zu entlasten", sagt Bernhard Mossner. Ende Oktober habe er das Thema im Verwaltungsausschuss angesprochen. Bürgermeisterin Trommer habe ihm zugesichert, dass man bei der Erstellung der neuen Gebührensatzung darüber nachdenken könne. Nun ist es fast Ende Juni, die neue Satzung für die ab 1. September erhöhten Elternbeiträge steht.

"Ich werde das im nächsten Stadtrat noch einmal ansprechen, ob wir als älter werdende Stadt unsere Familien nicht mehr unterstützen können", sagt Mossner. Die Verwaltung könne die Erhöhung der Beträge ab September doch selbst tragen. Es ginge ja nur um ein paar Euro pro Kind. Natürlich wäre das eine bürokratische Hürde, aber eine, die es aus Sicht der beiden Stadträte wert ist, genommen zu werden. "Wir sollten als Stadt alles dafür tun, dass sich junge Familien bei uns wohlfühlen", ergänzt Thomas Werner-Neubauer. "Das wäre eine symbolische Geste des guten Willens." Der Fraktionschef hofft, dass er mit seinem Vorschlag im nächsten Jahr Gehör findet.

PV-Anlagen auf städtischen Gebäuden dank BnC

Weiter noch setzt sich das Bündnis für den Ausbau des Radwegenetzes und die Sanierung der Radwegeinfrastruktur in Coswig ein. Die Beschilderung der Radwege soll weiter überprüft werden. Zum Beispiel das Einfahrtsverbotsschild von der Hauptstraße auf den Wettinplatz, nennt Thomas Werner-Neubauer. Gemeinsam mit der Fraktion der Christlichen Demokraten Coswig (CDC) hat sich das BnC zudem in einer Petition für einen Radweg an Coswigs meistbefahrener Straße, der S82, eingesetzt: Es geht um 300 Meter zwischen der Südstraße und dem neu gebauten Kreisverkehr an der Lößnitzstraße. Der Landtag hatte im November die Petition zwar abgewiesen, aber dem Anliegen der Petition recht gegeben, dass zwischen Südstraße und dem neu gebauten Kreisverkehr an der Lößnitzstraße ein Radweg notwendig sei. Der war bis zum vergangenen Jahr noch nicht in der Planung aufgeführt. Inzwischen gibt es eine Vereinbarung mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Ein weiterer Erfolg des Bündnisses ist der im März gefasste Beschluss zur Errichtung von drei Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden: dem Rathaus und dem Gymnasium. Nach einer Diskussion im vorangegangenen Verwaltungsausschuss wurde beschlossen, dass noch ein drittes Objekt hinzukommen soll. Damit haben sich die Stadträte von BnC durchgesetzt. Rund eine Viertelmillion Euro wird der Bau dieser drei Anlagen kosten.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels stand, dass der Landtag positiv über die Petition abgestimmt hat. Das ist nur teilweise richtig. Die Petition hat er vielmehr abgewiesen und der Coswiger Stadtverwaltung übergeben.