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Reparierte Heizung oder Maske?

Eine Radebeulerin hatte in den letzten Monaten mehrmals Besuch von Handwerkern, die keine Maske trugen. Dieses Verhalten birgt ein hohes Risiko, findet sie.

Wenn im Winter die Heizung ausfällt, muss schnell ein Handwerker herbeigerufen werden. Nicht immer will der dann für die Reparatur eine Maske aufsetzen.
Wenn im Winter die Heizung ausfällt, muss schnell ein Handwerker herbeigerufen werden. Nicht immer will der dann für die Reparatur eine Maske aufsetzen. © dpa

Von Beate Erler

Radebeul. Seit Oktober hatte die junge Radebeulerin, die anonym bleiben möchte, fünfmal Besuch von Handwerkern in ihrem Wohnhaus und ihrer Wohnung. Auch deshalb möchte sie anonym bleiben: „Bei mir ist ständig Handwerkerbedarf“, sagt sie. Der letzte Besuch war erst vor wenigen Tagen, also zu einer Zeit, in der die Corona-Maßnahmen fast täglich verschärft werden: „Zwei Mitarbeiter der Radebeuler Klempnerfirma klingelten an allen Wohnungstüren im Haus und trugen keine Maske“, erzählt die Mieterin. Sie selbst trägt eine FFP2-Maske, um die Handwerker zu schützen.

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Ähnliche Situationen hat die Radebeulerin in der letzten Zeit noch mehrmals erlebt: Anfang November steht ein Mitarbeiter derselben Klempnerfirma ohne Maske vor ihrer Tür. Sie bittet ihn: „Können Sie bitte eine Maske aufsetzen.“ Daraufhin reagiert der Handwerker ungehalten: „Na, wenn's unbedingt sein muss“, sagt er und weiter, „aber in der Wohnung beim Arbeiten setzte ich sie ab.“ Als er bemerkt, dass die Maske noch im Auto liegt, betritt er ohne den Schutz die Wohnung: „Ich habe ihn gewähren lassen, weil ich seine fachliche Hilfe brauchte“, sagt die Mieterin.

Sie fragt sich, wie Kunden von Handwerkern in so einer Situation reagieren sollen, denn sie sind einerseits auf ihre Hilfe angewiesen, aber andererseits hat sie kein Verständnis für das Verhalten: „Ich halte das für fahrlässig und verantwortungslos“, sagt sie, „diese Berufsgruppe geht von Haus zu Haus, klingelt bei den Leuten und schützt weder sie noch sich.“ Darin sieht sie ein mögliches hohes Risiko, denn die Handwerker sind viel unterwegs: „Wenn sie sich irgendwo anstecken, tragen sie das Virus von Wohnung zu Wohnung und sie tun so, als ginge sie das nichts an.“

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Meißen, Jens-Torsten Jacob, findet, dass sich die Mieterin nicht an die Presse, sondern an den Handwerkerbetrieb oder das Ordnungsamt wenden sollte. Noch eher ist er aber dafür, so etwas auf zwischenmenschlicher Ebene zu klären: „Wenn sie mit dem Verhalten des Handwerkers in ihrer Wohnung nicht einverstanden ist, dann sollte sie ihm das offen sagen und der Handwerker muss dann die Maske aufsetzen“, sagt er. Im schlimmsten Fall muss sie ihn wegschicken und auf die Reparatur verzichten. Die Maskenpflicht bestehe nur im öffentlichen Raum und man könne nicht erwarten, dass die Handwerker immer und überall den Mund-Nasenschutz tragen, so Jens-Torsten Jacob.

Die Handwerkskammer Dresden, die auch für den Landkreis Meißen zuständig ist, hat auf ihrer Internetpräsenz Hinweise zum Umgang mit der Pandemie für die Handwerksunternehmen aus dem Kammerbezirk veröffentlicht. Außerdem haben sie eine Corona-Hotline eingerichtet, die von Montag bis Freitag angerufen werden kann: „Wir bekommen wöchentlich Hunderte Anrufe von Betrieben, die Fragen haben, wie sie sich auf Baustellen oder in Privatwohnungen zu verhalten haben“, sagt der Pressesprecher der Handwerkskammer Dresden, Daniel Bagehorn.

In der aktuellen Corona-Schutz-Verordnung für Sachsen steht, dass eine Verpflichtung zum Tragen des Mund-Nasenschutzes an der Betriebsstätte besteht, so Daniel Bagehorn: „Bei Handwerkern zählt dann auch die Privatwohnung als Betriebsstätte“, sagt er. Die Handwerkskammer sei aber nicht die Behörde, die solche Maßnahmen anordnet und kontrolliert, so der Pressesprecher: „Wir geben den Betrieben Empfehlungen zur Hygiene am Arbeitsplatz und die Betriebsinhaber sind natürlich angehalten, ihre Mitarbeiter dahingehend zu informieren.“ Für eventuelle Kontrollen und Sanktionen seien die Behörden vor Ort zuständig.

Bisher sind im Handwerk lediglich die Kosmetikstudios von einer kompletten Schließung betroffen. Auch mit dem harten Lockdown ab dem 14. Dezember dürfen Handwerker weiterhin in Privatwohnungen arbeiten: „Natürlich sollte man in dieser Zeit nur das Allernötigste reparieren lassen“, sagt Jens-Torsten Jacob von der Kreishandwerkerschaft Meißen. Die Radebeuler Mieterin will nicht die gesamte Berufsgruppe unter Generalverdacht stellen: „Ich habe auch von sehr vorbildlichen Handwerkern gehört, die immer eine Maske tragen und sich an die Corona-Regeln halten“, sagt sie.

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