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„Selten solches Verlangen nach Kunst erlebt"

Der Weinböhlaer Musiker Julian Wolf schreibt über seine Erlebnisse, positive Erfahrungen in der Krisenzeit und sein kulturelles Engagement für den Landkreis.

Spielte auf dem Hurricane-Festival, organisierte zwei Europa-Tourneen als Solokünstler und wurde mehrfach für sein Können ausgezeichnet: Gitarrist Julian Wolf.
Spielte auf dem Hurricane-Festival, organisierte zwei Europa-Tourneen als Solokünstler und wurde mehrfach für sein Können ausgezeichnet: Gitarrist Julian Wolf. © privat

Weinböhla. Drei. Zwei. Eins. Frohes neues Jahr“, mit diesen Worten begann ich zusammen mit einigen guten Freunden das Jahr 2020 über den Dächern der Dresdner Altstadt, stieß mit einem Glas Champagner an und blickte auf das Jahr 2019 zurück. Ich hatte allen Grund, fröhlich zu sein. Nachdem ich meine Radebeuler Band „Funk Fragment“ verlassen hatte und beschloss, als Solokünstler auf Europa-Tournee zu gehen, fühlte ich mich befreit.

Ich reiste durch elf Länder, spielte in über 60 Städten, veranstaltete 118 Konzerte, stand vor über 10.000 Zuschauern, traf mich mit vielen musikalischen Größen: Jan Vogler, Annen MayKantereit, Prinz Pi, Herbert Grönemeyer, Nathan East, Wolfgang Lippert, Matthias Reim und Sheila E. Wenn auch etwas erschöpft von der ganzen Arbeit, blickte ich fröhlich auf meine nächste Tournee, die mich durch Deutschland, Österreich und die Schweiz führen sollte. Dresden, Brandenburg, Halle, Hamburg, Köln, Bremen, Wiesbaden, Graz, Wien, Linz, Meißen und Basel waren nur einige Stationen meiner zweiten Konzerttournee als Solokünstler.

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Seit Januar war ich konstant unterwegs. Am 11. März spielte ich dann mein letztes Konzert im schweizerischen Basel. Hier in der Heimat war die Pandemie schon längst in vollem Gange. Alle meine Konzerte wurden inzwischen abgesagt. Ich reiste zurück nach Hause und begab mich vorsorglich in Quarantäne. Corona hatte ich nicht, trotzdem war ich betrübt und machte mir Sorgen um meine Musikerkollegen, Techniker, Veranstalter und Freunde aus der Gastronomie und Barszene.

Nach einigen Wochen Zwangspause entschied ich mich, Online-Konzerte zu geben. Das machte zwar Spaß, aber für ein virtuelles Publikum zu spielen, fühlt sich seltsam an. Am 15. Mai stand ich endlich wieder auf der Bühne, konnte Leute mit meiner Musik unterhalten. Die Reaktionen des Publikums waren so überwältigend, dass ich meine anfänglichen Bedenken, nach so langer Pause wieder live zu spielen, über Bord warf. Die Menschen hatten die Livemusik genauso vermisst wie ich.

Zu Beginn der Lockerungen bekam ich viele Auftrittsanfragen von Veranstaltern und Freunden. Ich war sehr dankbar, endlich wieder auftreten zu dürfen. Im Sommer gab ich zwischen zwölf und 15 Konzerte pro Monat und konnte die Krise für einen Augenblick vergessen.

Prominenter Besuch beim Konzert in Meißen. Der Gitarrist will sich mit dem Landrat Ralf Hänsel für mehr Kultur im Landkreis einsetzen.
Prominenter Besuch beim Konzert in Meißen. Der Gitarrist will sich mit dem Landrat Ralf Hänsel für mehr Kultur im Landkreis einsetzen. © privat

Künstlerfreunde, die nicht so oft gebucht wurden, lud ich als Gastmusiker ein. Bis zum 24. Oktober stand ich über 50-mal auf der Bühne. Dann kam der nächste Lockdown und erneut fielen meine geplanten Termine aus.

Das Jahr 2020 erwies sich zwar als anstrengend, doch ich versuchte, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen. In den Jahren zuvor fanden gefühlt an jeder Ecke beinahe täglich Konzerte, Kabarett und Lesungen mit unterschiedlicher Resonanz statt. Von sofort ausverkauft bis kaum besucht. In der Corona-Krise gab es da eine deutliche Veränderung. Auch in dem kleinen und bekanntlich ja reglementierten Rahmen kam es zu regelrechten Besucherströmen. Ausverkaufte Live-Events, tosender Applaus oder großzügige Hutspenden zeigten uns Musikern und Künstlern, wie sehr man uns vermisst hatte. Ein solches Verlangen nach Kunst und Kultur, verbunden mit der Solidarität des Publikums, habe ich in den zurückliegenden Jahren selten erfahren.

Meinem Landkreis will ich gleichzeitig etwas zurückgeben. Gemeinsam mit den Kulturreferenten und dem neuen Landrat Ralf Hänsel möchte ich einen landkreisweiten Bandwettbewerb auf die Beine stellen. Die erste Ausgabe soll es dann hoffentlich im Jahr 2022 geben. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich mit meiner Band „Schule rockt“ gewonnen habe. Es war ein Musik-Wettbewerb im Landkreis, der junge Künstler und Bands unterstützte. Leider nur einmalig.

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Das möchte ich ändern und eine jährlich stattfindende Veranstaltung schaffen. Bislang erhielt ich nur positives Feedback von meinen Mitstreitern und Kollegen. Die ersten Treffen werden im nächsten Jahr stattfinden. Geldprämien, Coachings, etwas Medienpräsenz und Auftrittsmöglichkeiten soll es für den Sieger dann geben. Ich möchte junge Künstler aus der Region fördern und die Zeit nach Corona dann mit weiteren Musikprojekten bereichern.

Ich freue mich darauf, Sie alle im nächsten Jahr wieder bei meinen Konzerten begrüßen zu dürfen. Bleiben Sie gesund!

Hier gehts zur Website von Julian Wolf.

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