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Skulpturen der Schloss-Balustrade sind komplett

Die Damenvase schloss am Freitag den Reigen der 110 besonderen Sandsteinfiguren in Moritzburg.

Die besondere Vase mit Rosenblüten und figürlichen Reliefs ist die letzte der 110 Skulpturen auf der Moritzburger Schloss-Balustrade, die in den vergangenen vier Jahren saniert oder neu hergestellt wurde.
Die besondere Vase mit Rosenblüten und figürlichen Reliefs ist die letzte der 110 Skulpturen auf der Moritzburger Schloss-Balustrade, die in den vergangenen vier Jahren saniert oder neu hergestellt wurde. © Arvid Müller

Moritzburg. Bildhauer Tillmann Richter und seine Kollegen müssen in dem Moment am Freitagnachmittag noch einmal besonders vorsichtig sein. Eine der schönsten Sandsteinvasen mit filigranen Verzierungen wird auf die Balustrade auf der Südostseite von Schloss Moritzburg gesetzt. 350 Kilogramm kunstvoll behauener Stein, bilden den Abschluss der Sanierungsarbeiten an dem Geländer rund um die Schlossterrasse.

Ulf Nickol, Niederlassungsleiter des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), der Verwalter der Schösser des Freistaates, hatte in den vergangenen vier Jahren die Aufträge an Steinbildhauer und Restauratoren vergeben. Rund 795.000 Euro sind für die Arbeiten aufgewandt worden.

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Nickol erläutert, dass es dringend notwendig geworden war, die wertvollen Sandsteinfiguren entweder zu restaurieren, also Teile von abgebrochenem Sandstein zu ersetzen oder die Skulpturen komplett durch Kopien zu ersetzen.

Die Vase, mit den Damen darauf und der Krone, hatte arg gelitten. Die rundum in Sandstein geformten Fräuleins, wahrscheinlich sollen sie die vier Jahreszeiten, die vier Elemente oder die vier Tugenden darstellen, waren nur noch fragmentarisch zu erkennen. Die Krone ganz zerstört.

Die Dresdner Bildhauerin Angelika Ullmann hat im Auftrag des SIB anhand alter Fotoaufnahmen in mühevoller Arbeit ein Modell der Vase geschaffen, wie sie einst ausgesehen hat. Anschließend wurde nach einer Auswahl von befähigten Fachleuten der Großenhainer Natursteinbetrieb Hartmut Witschel mit dem Wiederherstellen der Skulptur beauftragt. „Etwas mehr als 500 Stunden, insgesamt etwa drei Monate, habe ich daran gearbeitet“, sagt Bildhauer Tillmann Richter.

Bildhauer Tillmann Richter aus der Großenhainer Firma Natursteinbetrieb Hartmut Witschel hat die Vase aus einem 500-Kilo-Sandsteinblock geformt.
Bildhauer Tillmann Richter aus der Großenhainer Firma Natursteinbetrieb Hartmut Witschel hat die Vase aus einem 500-Kilo-Sandsteinblock geformt. © Arvid Müller
So sieht das verwitterte Original der Skulptur aus. Die Vase kommt ins Lapidarium - der Sammlung der Steinwerke - unter der Schlossterrasse.
So sieht das verwitterte Original der Skulptur aus. Die Vase kommt ins Lapidarium - der Sammlung der Steinwerke - unter der Schlossterrasse. © Arvid Müller
Zu den 110 Skulpturen auf dem Geländer der Schlossterrasse gehört auch eine Figur, die offensichtlich August den Starken als Meutenführer bei der Jagd darstellt.
Zu den 110 Skulpturen auf dem Geländer der Schlossterrasse gehört auch eine Figur, die offensichtlich August den Starken als Meutenführer bei der Jagd darstellt. © Arvid Müller

Rund um das Jagdschloss von August dem Starken und später seinem Sohn gibt es auf der Balustrade 110 Skulpturen. Die sechs Großfiguren, 52 Putti und 52 Vasen, haben alle etwas mit der Jagd zu tun. Manche davon sind mit großflächigen Köpfen oder Tieren verziert. Die Sechs großen Figuren zieren jeweils etwa in Lebensgröße, die Ecken der Balustrade rund um die Schlossterrasse.

August der Starke und sein Sohn haben sich auch selbst mit eigenen Sandsteinfiguren verewigt, sagt Stefan Dürre. Der Kunsthistoriker hat im Auftrag des Staatsbetriebes seit 2013 an dem Thema Schloss-Moritzburg-Balustrade und ihre Skulpturen gearbeitet. Aus seinen Forschungen sind eine klare Aufstellungsordnung und der Plan sowie die Aufträge für die Erneuerung der wertvollen Figuren hervorgegangen.

Manche der Figuren haben Bezeichnungen - wie etwa die eine an der Südostseite, die offenbar die Figur des Kurfürsten darstellt als einen Pikör - ein Meutenführer - innerhalb des Jagdgeschehens. Die am Freitagnachmittag aufgestellte Skulptur hat einfach die Bezeichnung Vase mit Rosenblüten und figürlichen Reliefs.

Während der umfassenden Terrassensanierung wurden alle Skulpturen in den letzten vier Jahren herabgenommen und für jede einzelne ein sogenannter Exponatepass entwickelt. Jede Figur erhielt eine eigene Krankenakte, so Ulf Nickol.

Ergänzt wurde diese Akte, mit allem, was sich dazu zusammentragen ließ, von einem ikonografischen Programm zum Aufstellen der Putti und Vasen. Grundlage dafür war immer das Thema Jagd. August der Starke hatte sein Schloss der Jagdgöttin gewidmet. Auf der Südseite ist die sogenannte Hohe Jagd dargestellt, auf der Nordseite die Niedere Jagd. In den Skulpturen lässt sich das nachvollziehen - etwa mit Darstellungen zum Fischfang, der Hochwildjagd, der Beizjagd oder der Entenjagd.

Entgegen anderen Schlössern besitzt Schloss Moritzburg noch einen großen Anteil originaler Vasen und Putti (zumeist Figuren von Kindern mit Gegenständen in der Hand). Von den 110 noch vorhandenen Skulpturen sind wahrscheinlich 32 Originale aus dem 18. Jahrhundert. Nicht alle Originale können mehr im Außenbereich gezeigt werden. 19 Putti und Vasen mussten demnach in den letzten Jahren kopiert werden.

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Die nicht mehr außen aufgestellten Originale werden im sogenannten Lapidarium, der Sammlung unterhalb der Terrasse, eingelagert. Diese Ausstellung war in früheren Jahren öffentlich zugänglich. Bürger konnten sich ein Bild von den Skulpturen machen. Nickol sagt auf SZ-Nachfrage, dass es derzeit Überlegungen gibt, dieses Lapidarium wieder neu zu ordnen und möglicherweise auch für die Besucher erneut zu öffnen. Allerdings konnte er noch nicht sagen, wann das soweit ist.

Die neue Vase jedenfalls steht jetzt sicher zum Anschauen auf vier Metallplatten und wird noch mit Mörtel befestigt.

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