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Akrobatik im Galopp

Die Hengstparaden werden dieses Jahr coronabedingt durch ein kleineres Format ersetzt. Das hat auch Vorteile, finden Besucher.

In dem historischen Bild „Ungarische Post“ stehen Dominik Fickl und Georg Bohne auf je zwei Haflingern, die eng nebeneinander galoppieren. So waren einst ungarische Pferdehirten unterwegs, um die Steppe besser zu überblicken.
In dem historischen Bild „Ungarische Post“ stehen Dominik Fickl und Georg Bohne auf je zwei Haflingern, die eng nebeneinander galoppieren. So waren einst ungarische Pferdehirten unterwegs, um die Steppe besser zu überblicken. © Claudia Hübschmann

Von Ulrike Keller

Moritzburg. Diesem Moment fiebert Besucherin Sophia Runge seit gut anderthalb Stunden entgegen. „Die Ungarische Post wird ein Highlight“, hat sie soeben noch in der Pause gesagt. Nun galoppieren mit enormer Rasanz vier Haflinger über den Paradeplatz der Moritzburger Reitarena. Auf den Tieren stehen historisch kostümierte Männer. Sie reiten stehend zwei Hengste gleichzeitig, jedes Bein auf einem anderen Pferderücken. „Dafür braucht es eine gute Oberschenkelmuskulatur, bewegliche Kniegelenke und jede Menge Mut“, kommentiert Moderator Matthias Barth durch die Lautsprecher.

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Damit der waghalsige Reitstil früherer Pferdehirten in der ungarischen Puszta gelingt, müssen die Hengste paarweise eng beieinander laufen. Doch plötzlich das: Der Abstand eines galoppierenden Doppels wird größer. Sophia Runge, selbst passionierte Reiterin, stockt der Atem. Die 19-jährige Dresdnerin kennt die Akrobaten auf den Pferdrücken.

Durchatmen. „Es ist gerade so gut gegangen“, sagt die erleichterte Zuschauerin und lächelt.

Sie gehört am Sonnabend zu den Besuchern der ersten von insgesamt drei Moritzburger Hengstimpressionen. So heißt das pandemiebedingte Veranstaltungsformat, mit dem die Sächsische Gestütsverwaltung dieses Jahr coronakonform die traditionellen Hengstparaden ersetzt. Ein gekürztes Programm mit historischen und temperamentvollen Schaubildern, bei denen zumindest ein Großteil der 90 Hengste präsentiert wird. Ein Format für ein Sechstel der sonst rund 6.000 Besucher pro Show. Es gibt Pferdezüchtern die Gelegenheit, die edlen Tiere in Aktion zu erleben. Aber auch interessierte Laien möchte die Gestütsverwaltung erreichen.

Sophia Runge ist mit Hobbyreiterin Annalena Hausdorf (21) aus Dresden da. Diese freut sich besonders auf die Springpferde. Das Geschehen verfolgen die zwei von ihren Stehplätzen auf einem langen Podest, ganz nah am Paradeplatz. „Man ist fast auf dem Platz“, schwärmen sie. Das Podest steht gegenüber der überdachten Steintribüne mit Sitzplätzen. Etwa die Hälfte der grünen Hartschalensitze ist leer. 

Erstmals da: Familie Engel aus Brandenburg ist begeistert von der coronasicheren Pferdeshow.
Erstmals da: Familie Engel aus Brandenburg ist begeistert von der coronasicheren Pferdeshow. © Claudia Hübschmann

Die Chefin der Sächsischen Gestütsverwaltung, Kati Schöpke, bilanziert: „Wir hätten noch 80 bis 100 Stehplätze übriggehabt.“ Denn nicht nur auf dem Podest ist am Sonnabend noch reichlich Platz vorhanden, sondern auch auf der Hangwiese neben der Steintribüne.

„Die Atmosphäre ist diesmal entspannter, angenehmer“, sagen Sophia Runge und Annalena Hausdorf. „Sonst war alles voll, es waren richtig Massen hier“, so ihre Erinnerung an mehrere Hengstparaden-Besuche in den vergangenen Jahren. Dabei räumt Annalena Hausdorf schon ein: „Es ist eindrucksvoller, wenn die Tribüne voll ist.“ Allerdings sie ist froh, dass sie bei der Wärme keine Maske tragen muss. Beim Hygienekonzept vertraut sie dem Veranstalter.

„Sehr coronafreundlich“, findet auch eine junge Familie aus Grünheide in Brandenburg. „Es gibt überall Aufsteller mit den Hygieneregeln. Man fühlt sich sicher“, sagt die 31-jährige Franziska Paschke. Gemeinsam mit Lebensgefährte Alexander Engel und Töchterchen Liese (2) sind sie auf der Durchreise in den Bayern-Urlaub und machen in Moritzburg Zwischenstation. Papa Alexander (33) outet sich als Pferde-Laie, schaut sich das Programm aber seinen „beiden Mädels“ zuliebe interessiert mit an.

Paradenkenner: Annalena Hausdorf (l.) und Sophia Runge aus Dresden fiebern mit den Reitern mit.
Paradenkenner: Annalena Hausdorf (l.) und Sophia Runge aus Dresden fiebern mit den Reitern mit. © Claudia Hübschmann

Mutti Franziska nimmt selbst Unterricht im Westernreiten. „Da hat das Pferd weniger Stress im Mund“, sagt sie mit Blick auf die Reitweise, die sie in der Show sieht. „Aber ich glaube, dass die Pferde hier ein grandioses Leben haben.“ Sie wartet voller Spannung auf die „großen schweren Dicken mit viel Mähne“, wie sie die Rheinisch-Deutschen Kaltblüter umschreibt. Eine in ihrer Existenz gefährdete Rasse. Kurz darauf werden diese Hengste in verschiedenen Einsatzbereichen gezeigt, etwa beim Ziehen von Baumstämmen oder von Langholzwagen in der Forstwirtschaft, aber auch als Reitpferd. Die Brandenburgerin ist angetan.

Nach der Auftaktveranstaltung der Hengstimpressionen äußert sich die Chefin der Sächsischen Gestütsverwaltung zufrieden. „Von der Atmosphäre ist es etwas anderes, sehr exklusiv“, resümiert Geschäftsführerin Kati Schöpke. Bei ihren Mitarbeitern habe es – gerade von Stammgästen – viele positive Rückmeldungen gegeben. „Wir hatten ein kleines, aber begeistertes Publikum.“

Für die Hengstimpressionen am 20. und 26. September gibt es noch Stehplatzkarten sowie jeweils rund 100 Sitzplatzkarten.

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