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„Lebkuchenfreunde“ im Kinderdorf

Der Firebirds-Pianist Alexander Teich hatte am Dienstag zumindest mal wieder einen kleinen Auftritt in Steinbach bei Moritzburg.

Firebirds-Pianist Alexander Teich mit Sylvia Plättner und Maria Grahl vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Sachsen e.V. Er hat Geschenke für die Wohngruppen mitgebracht.
Firebirds-Pianist Alexander Teich mit Sylvia Plättner und Maria Grahl vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Sachsen e.V. Er hat Geschenke für die Wohngruppen mitgebracht. © Norbert Millauer

Steinbach. Seit März keine Auftritte mit den Firebirds. Keine beim Rock ’n’ Roll vibrierenden Tanzsäle. Dafür aber eine neue CD als Soloprojekt des Bandpianisten Alexander Teich. Mit sieben der frischgepressten kleinen Platten, das Cover vom Meißner Künstler Kay Leonhardt gestaltet, und von beiden je zwei 50-Euro-Scheinen war der Musiker am Dienstagmittag zu Besuch in Steinbach bei Moritzburg im Albert-Schweitzer-Kinderdorf.

„Lebkuchenfreunde“ heißt die CD und entstanden ist sie im Sommer, in stillen Corona-Zeiten. Teich: „Unser Weihnachtslied ist das erste Projekt der Lebkuchenfreunde.“ Eine Anregung seines dreijährigen Sohnes Henry und dessen zehnjähriger Schwester. Kinder aus befreundeten Familien und Kinder vom Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden haben mitgesungen.

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Zu den Ersten, denen mit den Liedern auf der CD eine Freude gemacht werden soll, gehören die Bewohner des Kinderdorfes in Steinbach. In Wohngruppen bei Hausmüttern und -vätern wohnen hier fast 30 Kinder und Jugendliche, welche das Jugendamt aus schwierigen Familienverhältnissen holen musste.

Sylvia Plättner, Geschäftsführerin des Albert-Schweitzer Kinderdorfs: „Die Kinder und Jugendlichen wachsen hier vom dritten bis zum 18. Lebensjahr auf. Viele von ihnen finden nach dem Kinderdorf gut in ihr persönliches Leben und melden sich teils auch anschließend. Manche sind Busfahrer, Krankenschwester und Erzieher von Beruf geworden.“

Haus für eine neue Wohngruppe saniert

In den letzten Monaten sind hier eine neue Küche eingebaut und ein neues Bad installiert worden. Fußböden wurden abgeschliffen, die Wände gemalert, ein Teil der Möbel musste erneuert werden. „Wir haben uns bemüht, dennoch so viel wie möglich zu erhalten und aufzuarbeiten“, so Sylvia Plättner. Trotzdem wurden fast 100.000 Euro für die Grundsanierung, also für die Handwerkerleistungen, das Material und eben neue Einrichtungsgegenstände gebraucht.

Geld, welches aus Spenden für das Kinderdorf von vielen zusammengetragen worden ist. 2019 im Herbst wurde mit dem Sammeln begonnen. Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf wird etwa zu drei Viertel aus Geldern der Jugendhilfe und etwa einem Viertel aus Spenden finanziert.

Anfang Januar soll in das Haus Sternstunden eine neue Wohngruppe mit maximal sieben Kindern und einer Hausmutter einziehen und sich wohlfühlen und behütet aufwachsen.

Gemeinsam mit Maria Grahl, Pressesprecherin für den Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Sachsen e.V., und dem Musiker Alexander Teich sitzt Sylvia Plättner am neuen Küchentisch im Haus Sternstunden des Kinderdorfes. Es ist eines von vier Häusern in Steinbach, die 1996 entstanden sind.

Die Geschäftsführerin sagt, dass über fast 20 Jahre 17 Kinder in einer Wohngruppe aufgewachsen und betreut worden sind. Vor knapp einem Jahr sind sie ins Leben als Erwachsene gegangen. „Es war notwendig, das Gebäude nach all den Jahren zu sanieren“, so die Geschäftsführerin.

Die Anfragen zum Unterbringen von Kindern kommen immer vom Jugendamt, von dessen Mitarbeitern die gefährdeten Steppkes in Obhut genommen worden sind. Bevor die Kinder einziehen, werde geprüft, welche Vorgeschichte sie haben und ob sie zu den Gruppen im Kinderdorf passen. Dann gibt es noch eine Probezeit zum Eingewöhnen, schildert Maria Grahl, wie es üblicherweise ablaufe, bis das neue Zuhause für die Kinder feststeht.

Das Kinderdorf in Steinbach bei Moritzburg.
Das Kinderdorf in Steinbach bei Moritzburg. © Norbert Millauer
Das Baumhaus im Garten, welches neu aufgebaut werden muss.
Das Baumhaus im Garten, welches neu aufgebaut werden muss. © Norbert Millauer

Der Dresdner Alexander Teich erzählt, wie er auf die Idee kam, das Kinderdorf zu unterstützen. „Mein Vater, der selbst auch Arzt ist, ist ein glühender Verehrer von Albert Schweitzer, der bis zur kleinsten Ameise in seinem Krankenhaus in Lambarene in Afrika alle Lebewesen schützen und behüten wollte.“

Und: Teich will es nicht bei dem CD-Geschenk bewenden lassen. Das Geld von ihm und dem Gestalter seiner CD ist für den Neuaufbau eines Baumhauses im Garten des Kinderdorfes in Steinbach gedacht. Etwa 2.500 Euro werden dafür gebraucht, sagen die beiden Frauen von der Geschäftsleitung. Das Geld sei jetzt fast zusammen.

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Im Sommer soll der Rückzugsort der Kinder im Grünen saniert werden. Daniela Bachmann, Bereichsleiterin für die Kinderdörfer, schildert, wofür das Haus dringend gebraucht wird: „Mal ist es für die Jungs eine Ritterburg, die es vor Angreifern zu schützen gilt, mal ist es die erste Adresse für Kaffeekränzchen mit Puppen und Kuscheltieren der Mädchen.“

Spätestens wenn das Baumhaus fertig ist, will der Musiker wiederkommen und seine „Lebkuchenfreunde“ mitbringen.

www.kinderdorf-online.de

www.lebkuchenfreunde.de

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