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Streit um eine Weinböhlaer Ruine

Anwohner befürchten, dass ein seit Jahrzehnten unbewohntes Haus am Florian-Geyer-Weg Türöffner für ein neues Wohngebiet sein könnte.

Steine des Anstoßes: Diese Ruine am Florian-Geyer-Weg soll weg. Dagegen haben auch Anwohner nichts, sie wollen nur nicht, dass dies der Startschuss für ein neues Wohngebiet wird.
Steine des Anstoßes: Diese Ruine am Florian-Geyer-Weg soll weg. Dagegen haben auch Anwohner nichts, sie wollen nur nicht, dass dies der Startschuss für ein neues Wohngebiet wird. © Udo Lemke

Auf dem Alten Dresdner Weg unterhalten sich zwei Anwohnerinnen. Ob man in den nahe gelegenen Florian-Geyer-Weg an den Schienen der Straßenbahn nach links oder nach rechts fahren müsste, um zur Ruine zu kommen, lautet die Frage. Die beiden schauen sich verwundert an: Eine Ruine? Davon wissen sie nichts. Und doch gibt es keine 400 Meter von den beiden Frauen entfernt am Ende einer schmalen Privatstraße, die vom Florian-Geyer-Weg abgeht, eine solche Ruine. Sie hat im letzten Weinböhlaer Gemeinderat vor der Sommerpause für hitzige Diskussionen gesorgt.

Worum geht es? Dort wurde über eine Ergänzungssatzung für den Florian-Geyer-Weg beraten. Ziel des Ganzen: Die Ruine und ein dazu gehörendes Grundstück, die bislang im Außenbereich lagen, weshalb dort nicht gebaut werden darf, sollten dem Innenbereich zugeschlagen werden, damit dort gebaut werden darf. Rechtliche Grundlage des Anliegens ist die Festlegung im Baugesetzbuch, wonach eine Gemeinde durch Satzung einzelne Außenbereichsflächen in die im Zusammenhang bebauten Ortsteile mit einbeziehen kann, wenn die einbezogenen Flächen durch die bauliche Nutzung des angrenzenden Bereiches entsprechend geprägt sind.

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„Im vorliegenden Fall soll durch die Ergänzungssatzung lediglich die Reaktivierung einer bereits vorhandenen Wohnbauruine bzw. ein Ersatzneubau an dieser Stelle ermöglicht werden“, heißt es in der Beschlussvorlage für die Gemeinderäte. Kurz: Um endlich die Ruine in der Gemeinde loszuwerden, soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass an ihrer Stelle ein neues Haus gebaut werden darf, oder sie saniert werden kann. Nicht dieses wohl jedermann einleuchtende Vorhaben ist auf den erbitterten Widerstand von Anwohnern gestoßen. Sie gaben vielmehr mit einer Unterschriftensammlung, an der 21 Bürger teilnahmen, einer Befürchtung Ausdruck, die Anja Sims, die im letzten Haus gegenüber der Ruine wohnt, so formuliert: „Die Anwohner wollen nicht, dass hier ein weiteres Wohngebiet aus Betonklötzchen entsteht.“

Dabei gehe es nicht darum, dass die Ruine - wozu ein 1.500 Quadratmeter großes Grundstück gehört - verschwindet, sondern um ein weiteres, angrenzendes 12.000 Quadratmeter großes Grundstück, das bebaut werden könnte. Es grenzt an den Rücken der Häuser in der Siedlerstraße, und dort befürchten die Anwohner, dass Ruhe und Natur bald passé sein könnten. Sie trauen dem Frieden nicht, dass der dortige Außenbereich bleiben wird.

Bürgermeister Siegfried Zenker habe zwar gesagt, dass ein Bauverbot ins Grundbuch eingetragen wird und ein Teil des Grundstücks als Fläche für Ausgleichsmaßnahmen genutzt werden solle, so Anja Sims, aber viele trauten diesen Zusagen nicht. „Ich habe Anfang August ein Gespräch mit dem Bürgermeister zum Thema“, erklärt sie.

Der Gemeinderat hat den Aufstellungsbeschluss für die Ergänzungssatzung beschlossen. Das heißt, dass die Ruine und ihr Grundstück Innenbereich werden sollen. Und das heißt auch, dass sich alle Betroffenen dazu äußern können.

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Nochmals auf die Befürchtungen der Anwohner hin angesprochen, erklärt Bürgermeister Siegfried Zenker: „Ich kann den Leuten ihre Ängste nehmen, denn wir setzen hier einen Schlusspunkt, indem wir nur dieses eine Baufenster öffnen.“ Und: „Ich bin froh über jede Gelegenheit, eine solche Ruine wegzubekommen.“

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