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Ums Feuer sitzen — was ist erlaubt?

Mandy Thümer vom Ordnungsamt Weinböhla erklärt, was erlaubt, was genehmigt werden muss und was verboten ist - auch wegen Corona.

Sogenannte Wärme- oder Gemütlichkeitsfeuer, etwa an der Feuerschale, müssen nicht genehmigt werden (Symbolfoto)
Sogenannte Wärme- oder Gemütlichkeitsfeuer, etwa an der Feuerschale, müssen nicht genehmigt werden (Symbolfoto) © Westend61

Weinböhla. Großes Verreisen geht in Corona-Zeiten nicht, also nutzen viele den eigenen Garten. Da wird der Grill angeworfen, die Feuerschale gezündet. Seit einigen Jahren gibt es jedoch neue Regeln, die dabei beachtet werden müssen. Viele der Vorschriften, die auch auf dem privaten Grundstück gelten, sind entweder nur teilweise oder gar nicht bekannt.

Die Leiterin des Ordnungsamtes Weinböhla, Mandy Thümer, will informieren und klärt auf. Jährlich erreichen sie zwischen 400 und 600 Anträge zum Abbrennen offener Feuer. Dass keine Gefahren oder Belästigungen Dritter durch Funkenflug, Rauch oder Gerüche entstehen, soll immer im Hinterkopf behalten werden, auch, was die Corona-Regeln zulassen.

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Frau Thümer, welche Feuer bedürfen keinerlei Erlaubnis und sind somit genehmigungsfrei?

Koch- und Grill-Feuer in befestigten Feuerstätten mit handelsüblichen Grill-Materialien, wie zum Beispiel Grillbrikett in handelsüblichen Grillgeräten im eigenen Garten oder Hof. Dazu zählen auch Feuerschalen, Feuerkörbe und -tonnen sowie Azteken-Öfen, die als sogenannte Wärme- oder Gemütlichkeitsfeuer dienen.

Was darf dabei verbrannt werden?

Diese „nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen“ dürfen bestimmungsgemäß nur mit zulässigen Brennstoffen betrieben werden. So zum Beispiel mit Presslingen in Form von Holz-Briketts, naturbelassenem, stückigem oder getrocknetem Holz.

Mandy Thümer ist die Leiterin des Ordnungsamtes Weinböhla
Mandy Thümer ist die Leiterin des Ordnungsamtes Weinböhla © Dietmar Thomas

Und wie sieht es bei einem offenen Feuer aus, was ist da zu beachten?

Sogenannte Brauchtumsfeuer, das heißt offene Feuer, die im Durchmesser größer als ein Meter und in der Höhe mehr als 70 Zentimeter betragen. Das ist die individuelle Regelung für die Gemeinde Weinböhla. Diese Brände sollten jedoch mit der örtlichen Feuerwehr abgestimmt und in einem gewissen Maße der Öffentlichkeit zugänglich sein. Veranstaltungen wie das Maifeuer oder Straßenfeste zählen hier dazu. Der Grundstückseigentümer muss sein Einverständnis vorlegen.

Was ist verboten, also auch nicht genehmigungsfähig?

Feuer auf öffentlichen Anlagen und Straßen, an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen, im Wald, in Landschafts- und Naturschutzgebieten sowie Biotopen, in und an Lagern mit brennbaren Flüssigkeiten, Druckgasen, explosionsgefährlichen und brennbaren Stoffen und in 150-Meter-Nähe von Bahnanlagen ist untersagt. Auch zum Zweck der Abfallbeseitigung ist kein offenes Feuer erlaubt.

Abgeschnittene Äste, Holz- und Pflanzenreste dürfen also nicht mehr verbrannt werden?Das ist richtig. Sicherlich ist es schwierig für die Leute, sich umzugewöhnen. Besonders für die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger. Früher haben wir das Verbrennen pflanzlicher Abfälle im Rahmen der Pflanzenabfallverordnung in den Monaten April und Oktober gestattet. Mit dem Inkrafttreten des Sächsischen Kreislaufwirtschafts- und Bodenschutzgesetzes am 22. März 2019 ist das nun nicht mehr erlaubt.

Wie sieht es mit Grillfeuern an Aussichtspunkten in mobilen Aluminium-Behältnissen aus?

Die Polizeiverordnung besagt, dass Feuer in öffentlichen Grünflächen und Grünanlagen der Gemeinde Weinböhla verboten ist. Möchten sich Wandergruppen oder Jugendliche zum Beispiel im Sommer an einem der Weinböhlaer Türme treffen und kurzzeitig grillen, sollte im Ordnungsamt Bescheid gegeben werden. In der Regel wird das erlaubt. Wir haben keine ausgewiesenen Grillstellen, wie es sie beispielsweise an der Elbe in Dresden gibt. Unsere Entscheidung steht und fällt mit der Waldbrandgefahrenstufe. Diese ist im Sommer leider meist hoch. Für Notfälle sollte aber ein Wasserkanister mitgeführt werden und die Anlagen der Gemeinde nicht im Übermaß beansprucht werden.

Inwiefern wird die Einhaltung der Regeln kontrolliert?

Wenn wir auf Streife sind, schauen wir uns die Problematik nebenbei an. Abends zwischen April und Oktober sind die offenen Feuer gut von einem der Weinböhlaer Türme erkennbar, aber nicht genau zuzuordnen. In der Regel kontrollieren wir nur nach Hinweisen. Ein Team nur für die Kontrolle offener Feuer zu senden, ist personell nicht möglich. Grundsätzlich appelliere ich, Dritte nicht zu stören. Das gehört zu einem Leben in der Gemeinschaft. Fühlen sich andere belästigt, werden diese sowieso meist uns, die Feuerwehr oder die Polizei einschalten. Das kann man sich auch ersparen.

In den Städten ist ein Rückgang der Inzidenz zu erkennen, auf dem Land steigt sie an. Hängt das mit unerlaubten Versammlungen in Gärten oder Kleingärten zusammen?

Die Missachtung der maximalen Personenanzahl bei einer Zusammenkunft ist sicherlich ein Grund für weitere Neuinfektionen, doch können wir dies in Weinböhla nur sehr begrenzt wahrnehmen. Was die Kleingärten betrifft, sind uns bislang keinerlei Fälle bekannt. Auch in den privaten Gärten und Freiflächen wurde bei uns bislang nichts gemeldet. Vor allem Jugendliche, die sich nicht an die geltende Corona-Schutz-Verordnung halten, treffen wir. Diese halten sich jedoch im öffentlichen Raum der Gemeinde auf und achten dabei entweder nicht auf die Maskenpflicht oder versammeln sich mit mehr als fünf Personen aus zwei Haushalten. Treffen mit Personen aus bis zu fünf verschiedenen Haushalten haben wir schon auflösen müssen.

Wie wird auf die Einhaltung der Corona-Schutz-Verordnung im privaten Garten oder Kleingartenbereich kontrolliert?

Lediglich auf Hinweise. Personell können wir eine flächendeckende Kontrolle nicht durchführen. Werden uns verdächtige oder mutmaßliche Verstöße gemeldet, fahren wir zum jeweiligen Ort und sprechen die Leute an. Natürlich unter der Einhaltung der Abstandsregel und mit dem Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.Auf welche Weise werden die Verstöße geahndet?Das ist abhängig vom Einzelfall. Es kommt darauf an, wie die Leute mit uns kooperieren. Es kann eine mündliche Verwarnung ausgesprochen werden, in der Öffentlichkeit ein Platzverweis erfolgen oder direkt eine Strafe fällig werden. Eine schriftliche Verwarnung kann ebenfalls erfolgen. Dann wird auch ein sofortiges Verwarngeld in Höhe von 50 Euro fällig. Wir versuchen, den entstandenen Konflikt auf die kürzeste Art und Weise zu lösen. Sollten sich die Leute nicht einsichtig zeigen, geben wir den Fall an das Landratsamt weiter. Dort erfolgen dann auch die Bußgeldbescheide.

Mit welchen Strafen müssen Bürger rechnen, die sich nicht an die generellen Vorschriften für Feuer halten?

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Das Strafmaß ist unabhängig von der Größe des Feuers sowie dem Verhalten desjenigen, der für das Feuer verantwortlich ist. Wird in unserem Beisein der Brand sofort gelöscht und der Täter zeigt Einsicht, bleibt es in der Regel bei einer mündlichen Verwarnung. Erfolgt keine Kooperation, wird ein Verwarnungsgeld von 75 Euro fällig. Gerät ein Feuer außer Kontrolle und die Feuerwehr muss ausrücken, wird die Einsatzgebühr, zuzüglich der Strafe, fällig. Da rechne ich mit Beträgen von mindestens 500 Euro, die bis in die Tausende reichen können.

Die Fragen stellte Julian Wolf.

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