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Umweltsauerei am Elbufer

Dutzende Müllsäcke wurden an der Panzerstraße in Radebeul illegal abgeladen. Die Ortspolizei durchsucht die Säcke. Wer kann Hinweise geben?

Von Peter Redlich
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Mitarbeiter der Ortspolizeibehörde Radebeul inspizieren an der Panzerstraße in Radebeul unweit der Elbe mehr als zwei Dutzend illegal abgelegte Plastesäcke mit Haushaltsmüll.
Mitarbeiter der Ortspolizeibehörde Radebeul inspizieren an der Panzerstraße in Radebeul unweit der Elbe mehr als zwei Dutzend illegal abgelegte Plastesäcke mit Haushaltsmüll. © Norbert Millauer

Radebeul. Es ist in den letzten Monaten der größte Umweltfrevel an der Elbe. Ein großer Berg mit Müllsäcken liegt direkt in der Wiese an der Radebeuler Panzerstraße. Wenige Meter von der Elbe, nahe am Radweg hat jemand Übles angerichtet.

Die Säcke platzen zum Teil auf. Aus ihnen fallen Haushaltsabfälle, wie etwa Waschmittelbehältnisse, Flaschen von Kosmetikartikeln, aber auch gebrauchte Malerutensilien mit geleerten Farbeimern, Pinseln und Putzkellen sind darunter. "Hier hat jemand alles gesammelt und offenbar heimlich weggeschafft, was er zu Hause an Müll zusammenbrachte - nur um keine Müllgebühren zu bezahlen", sagt ein Spaziergänger und nennt das "eine Riesen-Umweltsauerei".

Anzeigen gibt es seit Mitte Oktober

Hinweise zu den illegalen Ablagerungen sind auch im Radebeuler Rathaus eingegangen. Daniela Bollmann aus der Stabsstelle des Oberbürgermeisters ging damit jetzt an die Öffentlichkeit. Von dort gibt es einen Aufruf an die Bürger der Stadt. Darin heißt es: Die Stadt Radebeul hat bereits am 14. Oktober einen Hinweis auf eine größere illegale Müllablagerung an der Panzerstraße erhalten und ist diesem gemeinsam mit der zuständigen Unteren Abfallbehörde des Landkreises Meißen im Rahmen der Amtshilfe nachgegangen.

Der Müll wurde am Montagnachmittag beräumt und auf Hinweise auf den Verursacher untersucht. Mitarbeiter vom Ordnungsamt haben die Säcke untersucht und nach Hinweisen geschaut, die auf die Herkunft des Mülls deuten könnten.

Weiter heißt es in der Mitteilung und dem Aufruf: Die Stadtverwaltung Radebeul bittet die Bevölkerung um Unterstützung bei der Aufklärung. Der Müll wurde mutmaßlich zwischen dem 14. Oktober und dem 25. Oktober illegal dort abgelegt. Sachdienliche Hinweise können gern an [email protected] gesendet werden oder auch anonym unter Telefon 0351 8311712 gegeben werden. Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos): "Es kann nicht sein, dass einige wenige alle in der Stadt und vor allem die Umwelt belasten."

Im Verlaufe des bisherigen Jahres waren bereits 28 Einsätze zu Beräumung von kleineren illegal abgelegten Müllbergen im Stadtgebiet notwendig, so die Stadtverwaltung. Allerdings übertrifft der aktuelle Frevel alles vorherige. Derartig große Mengen müssen offenbar mit einem Transporter oder einem Anhänger herangefahren worden sein. Auf dem Elberadweg sind oft Spaziergänger und Radfahrer unterwegs. Von ihnen erhofft sich die Polizeibehörde Hinweise, um die Täter belangen zu können. Wie die Stadt informiert, wurden bei der Durchsuchung der Säcke bislang "leider keine Hinweise auf den Verursacher gefunden".

Zuständig für solche Fälle ist der Landkreis Meißen und dort die Untere Abfallbehörde. Von dort wird üblicherweise der Zweckverband Abfallwirtschaft beauftragt, den Müll wegzuräumen. Die aktuelle Bilanz "rechtswidrig abgelagerter Abfälle" zeigt eine Zunahme solcher illegal entsorgter Mengen. In der Abfallbilanz heißt es: Trotz der umfangreichen und teilweise auch gebührenfreien Angebote zur Entsorgung von Abfällen kommt es leider immer wieder zu rechtswidrigen Abfallablagerungen in der Umwelt und an öffentlichen Plätzen.

Sofern diese auf frei zugänglichen Flächen im privaten Eigentum (etwa im Privatwald) festgestellt werden, beauftragt der ZAOE Entsorgungsfirmen zur Einsammlung der Abfälle. Werden die Abfälle auf öffentlichen Flächen, einschließlich der Wertstoffcontainerplätze für die Glassammlung, illegal abgelagert, sammeln die Bauhöfe der jeweiligen Kommune oder deren beauftragte Dritte diese ein.

Illegale Ablagerungen nehmen zu

Insgesamt wurden im vorigen Jahr 612 Tonnen (2019: 556 Tonnen) rechtswidrig abgelagerte Abfälle entsorgt, wobei mit 460 Tonnen vor allem Rest- und Sperrmüll anfiel (2019: 431 Tonnen). Obwohl Elektroaltgeräte prinzipiell gebührenfrei entsorgt werden können und aufgrund ihrer möglicherweise gefährlichen Bestandteile eine Gefahr für die Umwelt darstellen können, mussten erneut 94 Tonnen (2019: 72 Tonnen) beräumt werden. Auch die drei Tonnen (2019: 18 Tonnen) eingesammelten Grünabfälle stellen bei einer illegalen Ablagerung in der Natur einen Eingriff in das vorhandene Ökosystem dar, heißt es in der Abfallbilanz.

Die Kosten für die Entsorgung der Abfälle betrugen im Bilanzjahr rund 159.000 Euro (2019: rund 140.000 Euro). Sie sind damit im Vergleich zum Vorjahr um rund 19.000 Euro gestiegen. Die Kosten werden aus dem Gebührenhaushalt finanziert und somit auf alle Haushalte umgelegt. Nur wenn bei einer Überprüfung einer Abfallablagerung durch die Untere Abfallbehörde ein Verursacher festgestellt werden kann, können die Kosten direkt in Rechnung gestellt werden, so die Auskunft aus dem Zweckverband. Deshalb helfen - auch anonym - Hinweise von Bürgern. Wer erwischt wird, so die Auskunft aus dem Landratsamt, muss bei Hausmüllabfällen mit bis zu 1.500 Euro Strafe rechnen. Kommen noch Abfälle vom Bau dazu, sind es sogar bis zu 20.000 Euro.