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Vier Kirchen schließen sich zusammen

Friedenskirche und Lutherkirche in Radebeul sowie Moritzburg und Reichenberg sind das neue Kirchspiel. Was das für die Gemeinden bedeutet.

Annegret Fischer, Pfarrerin der Friedenskirche, leitet das neue gemeinsame Pfarramt für das Kirchspiel Radebeul und Moritzburg/Reichenberg.
Annegret Fischer, Pfarrerin der Friedenskirche, leitet das neue gemeinsame Pfarramt für das Kirchspiel Radebeul und Moritzburg/Reichenberg. © Norbert Millauer

Radebeul/Moritzburg. Zusammenschluss zum Kirchspiel nennen es die Strukturverantwortlichen in der evangelischen Landeskirche, was ab diesem Jahr für Radebeul, Moritzburg und Reichenberg gilt. Doch es geht keineswegs um ein Spiel, wenn sich vier Kirchen zu einer Organisation zusammenschließen. Warum heißt das so, was bedeutet die bisher größte Veränderung seit der Wende für die Pfarrer und die Gemeindeglieder?

Warum sich die vier Kirchen zusammenschließen

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Die neue Struktur ist notwendig, weil die Zahl der Gemeindemitglieder (die Kirche sagt Glieder) weiter schrumpft, womit auch die Einnahmen aus der Kirchensteuer abnehmen, wovon letztlich auch die Stellen von Pfarrern, Kantoren, Gemeindepädagogen und weiteren Mitarbeitern bezahlt werden. Die evangelische Landeskirche in Sachsen hatte 1949 sieben Millionen Gemeindeglieder. Heute sind es rund 700.000. 2060 wird mit nur noch 350.000 Mitgliedern gerechnet.1990 gehörten zur Gemeinde der Friedenskirche Radebeul etwa 10.000 Bürger, heute sind es, Stand Anfang Januar 2021, genau 3.526. Ähnlich haben sich die Zahlen in den Nachbargemeinden entwickelt: Die Lutherkirche zählt aktuell 2.561, die Kirchen Moritzburg und Reichenberg zusammen 2.082 Gemeindeglieder.

Die evangelische Kirche in Sachsen stellt in Städten auf etwa 2.000 Mitglieder in der Gemeinde eine Pfarrstelle. Auf dem Land können es auch weniger sein. Insgesamt 8.169 Gemeindeglieder rechtfertigen hier im Kirchspiel vier und eine halbe Pfarrstelle.

Das alles gehört zum neuen Kirchspiel, wofür noch ein Name gesucht wird.
Das alles gehört zum neuen Kirchspiel, wofür noch ein Name gesucht wird. © Matthias Kratschmer

Es gibt einen neuen Kirchenvorstand im Kirchspiel und neue Predigtbereiche

Strukturveränderungen in der Kirche haben oft auch zu Frustration geführt, vor allem, wenn sie in kurzen Abständen geschehen sind. „Jeder identifiziert sich schließlich mit seinem eigenen Kirchturm“, sagt Friedenskirchepfarrerin Annegret Fischer. Sie ist die neue Pfarramtsleiterin im Kirchspiel. Anfang Oktober 2019 wurde zwischen den vier Gemeinden Radebeul (Frieden und Luther), Reichenberg und Moritzburg ein Kirchspielvertrag unterschrieben. Laut diesem Vertrag bleiben die Kirchgemeinden bestehen, werden aber künftig durch einen gemeinsamen Kirchenvorstand geleitet und verwaltet.

Den Vorsitz im Kirchenvorstand des Kirchspieles soll laut Vertrag nicht einer der Pfarrer führen. Das ist hier traditionell ein Laienvorsitz (ein Mitglied des Kirchenvorstandes). Die konstituierende Sitzung des neuen Kirchenvorstandes wird am 20. Januar sein. Dann wird auch der oder die Kirchenvorstandsvorsitzende für alle gewählt.Weil Radebeul-Frieden als mitgliederstärkste Gemeinde ins Kirchspiel kommt, wird die Verwaltung künftig von Altkötzschenbroda 40 aus geführt.

Annegret Fischer erklärt auch, was der Begriff Kirchspiel eigentlich bedeutet. Es geht zurück auf das althochdeutsche Wort Spel, was Rede, Erzählung, Predigt heißt. Das Kirchspiel ist also der Predigtbezirk der Pfarrer und der erweitert sich jetzt für die jeweiligen Hirten auf das gesamte Kirchspiel. Fischer betont, dass die fünf Pfarrer - vier zu 100 Prozent, plus eine halbe Stelle - für die jeweilige Gemeinde wie bisher erhalten und Ansprechpartner für ihre Gemeindeglieder bleiben. Sie behalten auch ihre Seelsorgebezirke, etwa für Trauungen, Taufen, Gespräche. Auch bleiben die jeweiligen Pfarrhäuser bestehen. Für die Friedenskirche sind das Annegret Fischer und Sigrun Zemmrich als Pfarrer, für die Lutherkirche Christof Heinze und Anja Funke (halbe Stelle) und für Moritzburg und Reichenberg Freimut Lüdeking, seine Frau Maren Lüdeking ist für die Konfirmandenarbeit zuständig.

Neu ist, dass die jeweiligen Pfarrerinnen und Pfarrer auch bei den Nachbarn einen Gottesdienst abhalten können. Eine echte Einsparung von Kosten und die Bündelung von Aufwand soll der gemeinsame Sitz des Kirchenvorstandes, der Zentrale in Radebeul, sein. Hier werden alle finanziellen, personellen und etwa auch bauplanerischen Angelegenheiten von bisher vier Kirchenvorständen ab sofort zusammengefasst.

Für die Gemeindeglieder ändert sich erst mal nicht so viel. Außer, dass es jetzt einen gemeinsamen Gemeindebrief gibt, der zweimonatlich erscheint, so der Kirchspielvorstand. Annegret Fischer: „Die Landeskirche strebt an, Strukturanpassungen nicht mehr in kurzen Abständen umzusetzen. Diese neue Strukturverbindung soll mindestens bis 2040 Bestand haben und den Gemeindegliedern und Mitarbeitern Sicherheit geben.“

Worin die Vorteile des neuen Kirchspiels liegen können

„Wir werden künftig keine Gemeinden mehr haben, in denen Pfarrer Einzelkämpfer sind. Künftig gibt es nur noch Teampfarrämter und das hat hoffentlich auch Vorteile. Im Team muss man sich in seiner Arbeit abstimmen, aber man kann sich auch besser unterstützen, die Gruppe ist kreativer“, sagt die neue Pfarramtsleiterin. Erfahrene und kreative Kantoren wie Gottfried Trepte von der Lutherkirche, Peter Kubath von der Friedenskirche und Barbara Albani von Moritzburg/Reichenberg können ihre Kompositionen auch bei den Nachbarn vorstellen.

Das Dreigestirn Pfarrer, Kantor und Gemeindepädagoge soll so lange wie möglich erhalten bleiben. Helfen und sich gegenseitig inspirieren, davon profitieren auch die Gemeindepädagogen im neuen Team. Seit zwei Jahren wurde diese neue Strukturverbindung intensiv vorbereitet, Es gab Gesprächsrunden und Abstimmungen. Trotzdem rechnen alle mit zusätzlichen Herausforderungen in diesem Übergangsjahr 2021, so Annegret Fischer.

Gottesdienste in Corona-Zeiten und die Suche nach dem Kirchspiel-Namen

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Auch in dieser besonderen Zeit sollen Gottesdienste gefeiert werden - ohne Singen, mit großen Abständen im Kirchenschiff, aber mit einer Predigt und Orgelspiel. „Es kommen derzeit ohnehin sehr wenige Leute in die Kirche“, sagt Pfarrerin Fischer. Geplant ist für den 17. Juli ein großes Willkommensfest, wenn es denn stattfinden kann. „Sobald das Gemeindeleben wieder möglich ist, werden wir auch wieder Bibelwochen für Kinder, Ausflüge für Konfirmanden, Gesprächsabende planen. Vieles wird dann im ganzen Kirchspiel beworben und kann für manch einen zur Chance werden. Was es vorher in meiner Gemeinde nicht gab, finde ich in einer anderen Gemeinde im Kirchspiel“, sagt die Pfarramtsleiterin.

Noch gibt es für das Kirchspiel keinen eigenen Namen. Der werde noch gesucht. Das Verbindende zwischen allen sei beispielsweise der Lößnitzgrund mit seiner markanten Schmalspurbahn Lößnitzdackel.

Kontakt: Telefon 0351 8381741

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