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Von Weinböhla zu Olympia

Der Weinböhlaer Willi Leonhard Binder turnt, seitdem er vier Jahre alt ist. Er begann bei der Turn- und Sportgemeinschaft und trainiert jetzt für Paris.

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Fokussiert und voller Körperspannung: Mehrfach wurde Willi Leonhard Binder schon Deutscher Meister. So auch am Pferd und an den Ringen.
Fokussiert und voller Körperspannung: Mehrfach wurde Willi Leonhard Binder schon Deutscher Meister. So auch am Pferd und an den Ringen. © - Foto: privat

Von Julian Wolf

Mit seinen 18 Jahren hat Turner Willi Leonhard Binder schon viel erlebt. 2016 und 2018 wurde er Deutscher Meister, wurde im Mehrkampf in diesem Jahr Zweiter, am Pferd und den Ringen wieder Erstplatzierter. Seit fünf Jahren nimmt er mit der Deutschen Mannschaft an den Länderwettkämpfen gegen Frankreich, Großbritannien und der Schweiz teil und holte für Deutschland nach 15 Jahren in diesem Jahr erstmals wieder den ersten Platz.

Bis ins US-amerikanische Texas und nach Baku in Aserbaidschan reiste Binder schon zu seinen Wettkämpfen, nahm am Olympischen Festival der Europäischen Jugend teil und brach sich bei einer Landung am Barren im Sommer 2020 seinen Mittelfuß an. Seine sportliche Laufbahn begann, der im August 2003 geborene Turner, bei der Turn und Sportgemeinschaft TuS Weinböhla. Seit Jahren schon besucht Binder das Sportinternat in Cottbus und trainiert mehrfach jeden Tag. Seine größten Ziele hat er schon definiert. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris 2024 und Los Angeles 2028 stehen auf dem Programm.

Willi, wie sind Sie zum Turnen gekommen und wann haben Sie damit begonnen?

Als ich vier Jahre alt wurde, habe ich angefangen, zu turnen. Meine Mutter hat mich geschickt, da hatte ich aber schon das sogenannte „Baby-Turnen“ hinter mir. Danach bin ich zum TuS Weinböhla gegangen. Dort gab es Training erstmal im allgemeinen Sinne. Damals war es noch nicht auf eine spezielle Leistung ausgerichtet. Ich bin in Weinböhla geblieben, bis ich acht Jahre alt war. Dann ging ich nach Riesa und konnte jeden Tag trainieren, aber noch nicht auf Leistungssport-Niveau.

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie auf Ihre Weinböhlaer Zeit zurückblicken?

Es war eine schöne Zeit, aber ganz anders im Vergleich zu jetzt. Jeden Tag zu Hause sein zu können, hat mir gutgetan. Es war nicht so stressig. In Cottbus bin ich ja jetzt in einer eigenen Wohnung mit meiner Schwester und trainiere jeden Tag. Damals war mein Terminplan noch nicht zu voll. Mir war aber sofort klar, dass, wenn ich in den Leistungssportbereich wechseln möchte, ich nicht in Weinböhla bleiben kann.

Wie lang sind Sie schon in Cottbus und wie sieht Ihr Alltag aus?

Seit neun Jahren bin ich jetzt da. Seit meinem achten Lebensjahr bin ich auf dem sportlich ausgerichteten Internat. Von 7.30 bis 9 Uhr habe ich Schule, von 9.30 bis 11 Uhr das erste Training, dann kurz Mittagspause, wieder zwei bis drei Stunden Unterricht und dann noch drei Stunden Training bis in die frühen Abendstunden und das jeden Tag. Am Samstag auch manchmal.

Welche Disziplinen führen Sie jetzt professionell aus?

Eigentlich alle. Beim Mehrkampf zum Beispiel alle sechs Geräte: Barren, Reck, Ringe, Seitpferd, Boden und Pferd. Bislang habe ich mich noch nicht auf eines spezialisiert.

Welche Herausforderungen hat die Corona-Krise beim Turnen mit sich gebracht?

Es war schwierig. Erst mein letzter Wettkampf konnte wieder mit Zuschauern unter Corona-Regeln stattfinden. Vorher gab es die Turnveranstaltungen nur per Live-Stream. Am Gerät mussten wir keine Maske tragen. Beim Gerätewechsel schon. Training konnte stattfinden.

In drei Jahren werden die Olympischen Spiele in Paris stattfinden. Sind Sie dann mit dabei?

In Deutschland gibt es einen sogenannten Kader der Turner. Dort bin ich in den ersten zehn Plätzen mit dabei und stehe zur Auswahl für alle internationalen Wettkämpfe. Das bedeutet für Weltmeisterschaften, die Olympischen Spiele und Europameisterschaften käme ich in Frage. Zurzeit trainiere ich für Olympia in Paris 2024.

Welche Ziele verfolgen Sie neben Olympia 2024 in der nächsten Zeit noch?

Im kommenden Jahr findet die Europameisterschaft in München statt. Dort möchte ich unbedingt teilnehmen können. 2028 möchte ich mit 25 Jahren bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles auch gern dabei sein.

Was wollen Sie neben dem Leistungssport noch erreichen?

Ein Jahr bin ich jetzt noch in der Schule. Eigentlich wollte ich dann studieren. Das kann man nebenbei gut hinbekommen. Was ich studieren möchte, weiß ich allerdings noch nicht wirklich. Mit dem Leistungssport kann es ja nicht ewig gehen. Zurzeit stehen der Sport und die Olympiavorbereitung jedoch für mich im Vordergrund.