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Vor dem Hochwasser kommt das Vorland

In der Elbtalweitung vor der Bosel haben sich in den letzten hundert Jahren Sedimente abgesetzt. Auch deshalb ist Brockwitz von Hochwasser betroffen.

Die Luftaufnahme zeigt den Lauf der Elbe am Coswiger Ortsteil Kötitz und der Insel Gauernitz vorbei. Oberhalb des Badesees Kötitz liegt landeinwärts der Ortsteil Brockwitz, der immer wieder stark von Hochwasser betroffen ist.
Die Luftaufnahme zeigt den Lauf der Elbe am Coswiger Ortsteil Kötitz und der Insel Gauernitz vorbei. Oberhalb des Badesees Kötitz liegt landeinwärts der Ortsteil Brockwitz, der immer wieder stark von Hochwasser betroffen ist. © Stadt Coswig

Wie kann das sein? Der Coswiger Ortsteil Brockwitz liegt 750 Meter von der Elbe entfernt und ist von deren Hochwassern viel stärker betroffen, als etwa die Ortslagen Kötitz oder Sörnewitz, die viel näher an der Elbe liegen. Die logische Erklärung nennt Coswigs Ordnungsamtschef Olaf Lier, der sich intensiv mit der Problematik beschäftigt: „Im Hochwasserfall ist nicht die Entfernung der Häuser von der Elbe entscheidend, sondern wie hoch sie liegen.“

Doch bei dieser Binsenweisheit will er es nicht belassen. Er zeigt ein altes Foto, das die Fähranlegestelle in Kötitz zeigt. Die Aufnahme ist etwa 100 Jahre alt und deutlich ist darauf zu sehen, dass der gepflasterte Weg zur Anlegestelle viel höher aus dem Ufer herausragt, als eine Aufnahme der gleichen Stelle von heute zeigt. Das heißt, dass die Elbe im Laufe der letzten 100 Jahre bei ihren Hochwassern insgesamt einen Meter Sediment aufgeschüttet hat. Die Ursache dafür liegt ein Stück stromabwärts. Dort verengen das Spargebirge mit der Bosel rechtselbisch und die Hänge unterhalb von Schloss Batzdorf linkselbisch das Tal, so dass bei Elbehochwasser ein Rückstau erfolgt und im stehenden Wasser Sedimente abgelagert werden. Denn hier, an der Elbtalweitung zwischen der Bosel und Cossebaude, hat das Wasser mehr Platz.

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Das Foto zeigt die Elbe bei Sörnewitz. Die Streuobstwiesen stehen auf einer Sedimentablagerung, die in den letzten hundert Jahren entstanden ist.
Das Foto zeigt die Elbe bei Sörnewitz. Die Streuobstwiesen stehen auf einer Sedimentablagerung, die in den letzten hundert Jahren entstanden ist. © Stadt Coswig

Die Sedimentablagerungen sind mit dafür verantwortlich, dass die Hochwasser der Elbe immer höher stiegen. So erreichte die Elbe am Pegel Dresden am Vormittag des 17. August 2002 einen Stand von 9,40 Metern. Das war nicht nur der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen, sondern er lag auch 63 Zentimenter höher als beim bisherigen Rekordhochwasser 1845. Durch die Sedimentablagerungen suchte sich das Wasser auch die Wege, die Brockwitz jetzt mehrmals zum Verhängnis wurden.

Olaf Lier zeigt alte Karten am Computer. Aus diesen geht nicht nur hervor, dass die Gauernitzer Elbinsel einmal aus drei Inseln bestand, sondern dass es schon immer eine Art unsichtbare Insel auf dem Vorland vor Brockwitz gegeben hat. Sie wird quasi vom Lockwitzbach hinterflossen, der dann bei Sörnewitz in die Elbe mündet. Ein Foto vom Elbehochwasser 2002 zeigt, dass die inselartige Erhöhung viel größer geworden ist, als in den alten Karten verzeichnet. Ja, sie bietet Platz für Weideland und zwei Streuobstwiesen, die quer zur Fließrichtung der Elbe angelegt sind.

Was soll nun geschehen, damit sich die Situation dauerhaft verbessert? Der Bund ist nur für den Elbestrom selbst und die beiden Ufer verantwortlich. Er lässt die Fahrrinne regelmäßig ausbaggern, wo sich Sediment ablagert, bzw. solches aufschütten, wo sich der Strom immer tiefer in sein Bett einzugraben droht. Das Land Sachsen wiederum ist für den Schutz des Vorlandes vor den Siedlungen zuständig. Er sei froh, so Olaf Lier, dass Vertreter beider Seiten beim jüngsten Besuch von Bundestagsabgeordneten in Brockwitz (SZ berichtete) miteinander ins Gespräch gekommen sind.

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Als Erstes müssten die Sedimentablagerungen vor Ort untersucht und das Verhalten der Elbe bei Hochwasser simuliert werden, um Schlüsse für künftige Maßnahmen zum Hochwasserschutz ableiten zu können. In kleinerem Maßstab hat das die Stadt Coswig beim Lockwitzbach schon vorgemacht. Immerhin schießen bei Hochwasser bis zu 8.000 Liter Wasser pro Sekunde zu Tal - das ist so viel, wie die Neiße in Görlitz bei Normalwasser führt.

Was immer am Ende auch unternommen wird, um Brockwitz und andere Siedlungen besser zu schützen. Für Olaf Lier ist klar: „Wir können nicht gegen die Elbe arbeiten, wir müssen mit ihr leben.“

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