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Wald-Umbau braucht seine Zeit

Bei einem Studientag der Evangelischen Akademie erklärte Sachsen-Försterin Jana Weisbach, welche Baumbestände dem Klimawandel am ehesten trotzen.

Von Manfred Müller
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Försterin Jana Weisbach (M.) erklärt Teilnehmern am Waldumbau-Studientag die Aufforstung einer Windbruchfläche.
Försterin Jana Weisbach (M.) erklärt Teilnehmern am Waldumbau-Studientag die Aufforstung einer Windbruchfläche. © Manfred Müller

Moritzburg. Wie lange es wohl dauert, bis sich ein maroder Wirtschaftswald ohne menschliche Eingriffe in einen naturnahen, widerstandsfähigen Mischwald verwandelt hat? Jana Weisbach blickt fragend in die Runde der etwa 20 Exkursionsteilnehmer. Deren Schätzungen liegen weit unter dem tatsächlichen Zeitabschnitt von sage und schreibe einem Jahrtausend. „So lange können wir nicht warten“, sagt die Försterin, die beim Staatsbetrieb Sachsenforst für Waldpädagogik zuständig ist. Sie führt eine Gruppe Teilnehmer am Studientag der evangelischen Akademie durch den Staatswald hinterm Moritzburger Schloss. „Wald-Umbau in Zeiten des Klimawandels“ lautet das Thema der Veranstaltung, und Weisbach trifft auf ein außerordentlich interessiertes Publikum.

Nach den drei Trockenjahren 2018, 2019 und 2020 befinden sich deutschlandweit große Waldflächen in einem beklagenswerten Zustand. Die fehlenden Niederschläge brachten besonders für die Nadelbäume einen derartigen Stress mit sich, dass sie den Borkenkäfern keinen Widerstand mehr entgegensetzen konnten. Um die Käferplage in Grenzen zu halten, blieb oftmals nur der Kahlschlag. Hinzu kamen etliche Stürme, die wie „Friederike“, erhebliche Lücken in die Waldbestände rissen. Wie forstet man die betroffenen Flächen nun wieder auf, sodass sie künftig Hitze, Trockenheit, Wind und Borkenkäfer widerstehen?

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Es gibt mehrere Möglichkeiten, erklärt Jana Weisbach, die aber alle noch weiter erforscht und erprobt werden müssen. Die Forstwirte der Region beschäftigen sich zwar nicht erst seit gestern mit dem Wald-Umbau, sondern schon seit drei Jahrzehnten. Aber die Folgen des Klimawandels sind nun einmal erst durch die extreme Trockenheit der letzten Jahre so deutlich sichtbar geworden. Natürlich sei die Anpflanzung trockenresistenter Baumarten aus anderen Weltregionen eine Option. Aber man könne auch auf die Evolution hiesiger Arten setzen. Bei denen sei die Widerstandsfähigkeit nämlich individuell unterschiedlich ausgeprägt.

Hin und wieder treffe man in von Borkenkäfern schwer geschädigten Fichtenwäldern auf grüne Inseln, deren Existenz die Forstleute vor Rätsel stellt. „Das ist wie beim Menschen“, sagt die Sachsen-Försterin. „Da kommt der eine auch besser mit der Hitze klar als der andere.“ Und ein bisschen dürfe man auch darauf hoffen, dass sich der Wald in regenreicheren Perioden erholt. So wie im vorigen Jahr, in dem das Holzwachstum wieder zulegte.

Stärkere Nutzung von Holz als Baustoff

Was denn nun der ideale Wald der Zukunft sei, fragt einer der Exkursionsteilnehmer. Tja, was ist eigentlich ideal?, fragt Jana Weisbach zurück. Für Teile der Natur können auch Borkenkäfer und Kahlschlag von Vorteil sein. Sie habe zum Beispiel noch nie so viele Spechte und Eulen gesehen wie in diesem Jahr. Es komme immer darauf an, welche Funktionen des Waldes man für wichtig erachtet: die Holzwirtschaft, die Erholung, den Naturschutz oder die Bedeutung für den Wasserhaushalt und das Klima. Der Kompromiss zwischen diesen Funktionen könne ganz unterschiedlich aussehen. Auf alle Fälle plädiert die Forstwirtin für eine stärkere Nutzung von Holz als Baustoff. Das sei viel ökologischer und nachhaltiger als Beton, Glas und Stahl.

„Beim Klimawandel steht die Frage nach der Bewahrung der Schöpfung wie bei kaum einem anderen Thema“, sagt Studienleiterin Julia Gerlach. Die promovierte Politikwissenschaftlerin leitet an der Evangelischen Akademie den Bereich Demokratie, Wirtschaft und Soziales. Sie sei in einer Großstadt im Ruhrgebiet aufgewachsen, erzählt sie, und Ausflüge in den Wald waren da schon etwas ganz Besonderes. Ihr Vater kannte sich mit den verschiedenen Baum- und Pflanzenarten, vor allem aber mit Pilzen richtig gut aus, und das habe sie geprägt.

Neben der Forst-Exkursion hielten die Teilnehmer am Studientag eine Andacht in der Moritzburger Kirche ab, an die sich eine kleine Besichtigungstour übers Schlossgelände anschloss. Zum Ausklang der Veranstaltung wurde noch etwas Waldpoesie vorgetragen.