Radebeul
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Radeburg: Wartehalle muss abgerissen werden

Der typische DDR-Unterstand war 2007 von jungen Leuten verschönert worden. Doch jetzt hat die Stadt Radeburg Gefahr in Verzug festgestellt.

Von Sven Görner
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Die Schäden an den Betonstützen des Buswartehäuschens in Großdittmannsdorf sind nicht zu übersehen. Auch darum soll es nun durch einen neuen Unterstand ersetzt werden.
Die Schäden an den Betonstützen des Buswartehäuschens in Großdittmannsdorf sind nicht zu übersehen. Auch darum soll es nun durch einen neuen Unterstand ersetzt werden. © Arvid Müller

Radeburg. Die Tage des Buswartehäuschens am Angelsteg in Großdittmannsdorf sind gezählt. Der Technische Ausschuss des Radeburger Stadtrats folgte in seiner jüngsten Sitzung dem Vorschlag der Verwaltung und hat den Abriss beschlossen. Dieser soll so schnell wie möglich erfolgen, denn die Rathausmitarbeiter haben bei einer Begehung erhebliche Mängel an dem noch aus DDR-Zeiten stammenden Unterstand festgestellt, die ein schnelles Handeln erfordern. So sind die Betonstützen mittlerweile so marode, dass sie nachzugeben drohen, wodurch die Wartehalle einstürzen könnte.

Zudem war festgestellt worden, dass der Fahrgastunterstand zur Hälfte auf dem angrenzenden Privatgrundstück steht und die Dachentwässerung aufgrund der Neigung in dieses erfolgt. Das führe dort zu Schäden an einem Schuppen.

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Im städtischen Haushalt stehen noch Unterhaltungskosten in Höhe von rund 16.700 Euro zur Verfügung, die nun für den Abriss und die Entsorgung verwendet werden sollen. Zudem haben die Stadträte mit beschlossen, dass sich das Rathaus um einen Ersatz kümmern soll, damit die Busfahrgäste auch künftig nicht im Regen stehen müssen. Die Auswahl des Ersatzhäuschens werde sich nach den Platzverhältnissen vor Ort und der Angebotslage richten, heißt es von der Stadtverwaltung. Zudem soll versucht werden, Fördergelder für den Neubau zu bekommen. Entweder vom Heidebogen oder aus einem anderen Programm. Nicht ganz ernst gemeint war hingegen die Frage von Stadtrat René Eilke, ob das Häuschen denn nicht unter Denkmalschutz stehe. Wobei nicht ganz klar war, ob sich das nun auf das Alter des Unterstandes oder die darin angebrachten Graffitis bezog. Wann dieser gebaut wurde, konnte auch Urgestein Rüdiger Stannek nicht beantworten. Nur, dass ihn die LPG nicht gebaut hatte, wusste er mit Sicherheit. Die Bilder an den Wänden gibt es dagegen seit 2007, wie ein Blick ins SZ-Archiv verrät.

Damals hatten acht Radeburger Jugendliche im Alter zwischen elf und 16 Jahren ganz legal zur Sprühdose gegriffen und drei Wartehäuschen in Bärnsdorf und Großdittmannsdorf vollkommen neu gestaltet. Der städtische Bauhof hatte an diesen zuvor bauliche Mängel beseitigt.

Die Idee für die Aktion war in der damaligen Zille-Mittelschule und dem dort seinerzeit seit einem Jahr angesiedelten Zille-Bunker entstanden. Organisiert wurde sie schließlich mithilfe der Mobilen Jugendarbeit Moritzburg-Radeburg (Morast). Unterstützung gab es für das Projekt neben der Stadt auch von der Druckerei Vetters. Denn der Graffiti-Künstler Sebastian Bieler, der die Jugendlichen bei der Planung und Umsetzung anleitete, hatte sich für die Schablonentechnik statt des Freihandsprühens entschieden.

Damit geht das Sprühen zwar schneller und ist für Anfänger auch einfacher, erfordert aber eine aufwendigere Vorbereitung. Nachdem die Druckerei das entsprechend starke Papier zur Verfügung gestellt hatte, werkelten die jungen Leute zwei Wochen an den Schablonen.

Das Ergebnis der Aktion hat nun seit fast 15 Jahren Bestand. Und auch der Plan, dass mit Graffiti gestaltete Flächen besser vor Schmierereien geschützt sind als leere, funktionierte lange Zeit. Auch wenn inzwischen der eine oder andere Schriftzug hinzugekommen ist.

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