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Was hat die Wettin-Eiche?

Der gut 140 Jahre alte Baum ist von einem Schädling befallen - die Stadt lässt prüfen, was dagegen zu tun ist.

Die Wettin-Eiche prägt den Wettinplatz im Zentrum von Coswig. Sie war anlässlich der 800-Jahrfeier des Hauses Wettin im Juni 1889 gepflanzt worden. Nun wird der Baum gründlich untersucht, weil sich ein Pilz an seinem Stamm ausgebreitet hatte.
Die Wettin-Eiche prägt den Wettinplatz im Zentrum von Coswig. Sie war anlässlich der 800-Jahrfeier des Hauses Wettin im Juni 1889 gepflanzt worden. Nun wird der Baum gründlich untersucht, weil sich ein Pilz an seinem Stamm ausgebreitet hatte. © Arvid Müller

Coswig. Vor der Wettin-Eiche parkt ein Transporter, ein Mann schlägt Nägel in den Stamm des Baumes, und auf einem Warndreieck steht „Baumfällung“. Soll etwa die große Eiche, die dem Wettinplatz quasi sein Gesicht gibt, umgesägt werden? Was hat der stattliche Baum, der gerade seine hellgrünen Blätter entfaltet?

„Im vergangenen Jahr hatte die Eiche einen fußballgroßen Pilz gebildet. De Stadtverwaltung hat nun ein dendrologisches Gutachten in Auftrag gegeben, um geeignete Maßnahmen zum Schutz des Baumes und der Sicherheit der Passanten zu ergreifen“, teilt Stadtsprecherin Ulrike Tranberg mit.

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Der Übeltäter liegt auf dem Pflaster. Der Pilz ist am Stammfuß der Eiche abgeschält worden und dabei in mehrere Stücke zerbrochen. „Das ist ein Tropfender Schillerporling“, sagt Andreas Deppner. Der Dresdner Sachverständige für Bäume ist von der Stadt Coswig beauftragt worden zu untersuchen, ob der Pilz schon Schaden angerichtet hat an dem Baum. Denn das ist nicht irgendein Baum, sondern die Wettin-Eiche. Sie war anlässlich der 800-Jahrfeier des Hauses Wettin im Juni 1889 gepflanzt worden. So stand es jedenfalls einmal auf einer Tafel, die am Baum angebracht worden war.

In den Stamm hineinschauen

Was hat es nun mit dem Tropfenden Schillerporling auf sich? „Der Pilz kann nicht nur den Stamm, sondern auch die Wurzeln schädigen, er zersetzt das Holz“, erklärt Andreas Deppner. Zersetzt wird das Lignin, ein Makromolekül, das als Stützmaterial für die Druckfestigkeit des Holzes verantwortlich ist und dem Baum überhaupt erst das Höhenwachstum ermöglicht.

Baumpfleger Andreas Deppner bringt Messgeräte am Stamm an, um diesen auf Hohlräume hin zu untersuchen.
Baumpfleger Andreas Deppner bringt Messgeräte am Stamm an, um diesen auf Hohlräume hin zu untersuchen. © Arvid Müller

An die Nägel, die Andreas Deppner in etwa einem Meter Höhe vom Boden in den Stamm schlägt, hängt er Sensoren. Sie senden einen Schallimpuls. An den Stellen, an denen der Stamm innen hohl ist, muss der Schall außen um den Stamm wandern, durch die gesunden Stellen geht er geradewegs hindurch. Aus den Messdaten lässt sich ein Bild zusammensetzen, sodass man quasi in den Stamm hineinschauen kann. „So soll festgestellt werden, welchen Schaden der Pilz schon angerichtet hat.“

Besonders ältere Bäume müssen nicht gleich gefällt werden, wenn der Stamm nur noch eine relativ geringe Restwandstärke aufweist. Andreas Deppner geht bei seinen Messungen mit der sogenannten SIA-Methode vor. SIA – das heißt „Statisch integrierte Abschätzung“, sie beruht auf mehrjährigen interdisziplinären Forschungsarbeiten und „berücksichtigt die Holzqualität der unterschiedlichen Baumarten, die Stammdicken und die Windbelastung. Aus diesen Parametern wird die Grundsicherheit errechnet“.

Zugversuch mit Stahlseil

Neben der Schallmessung gehört dazu auch ein Zugversuch. „Der Baum ist ja nicht allzu hoch, etwa 20 Meter. In zwölf, dreizehn Metern Höhe wird dazu ein Stahlseil angebracht. Über eine Messuhr werden mir die Werte direkt aufs Notebook übermittelt.“ Gemessen wird die Dehnung des Baumes an der Zugseite, woraus direkt auf seine Bruchfestigkeit geschlossen werden kann. Dass der Baum dabei umgezogen wird, ist ausgeschlossen, denn es werden nur maximal 40 Prozent der möglichen Dehnungskräfte ausgeübt. „Danach beginnt eine Verformung, die nicht mehr rückgängig zu machen wäre.“

„Der Tropfende Schillerporling zersetzt das Holz“, erklärt Baumpfleger Andreas Deppner
„Der Tropfende Schillerporling zersetzt das Holz“, erklärt Baumpfleger Andreas Deppner © Arvid Müller

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Am Donnerstag ist der Zugversuch durchgeführt worden. Mittels einer Hubarbeitsbühne sind das Seil und der Flaschenzug angebracht worden. Was die Wettin-Eiche nun genau hat, wird Andreas Deppner in seinem Baumgutachten für die Stadt aufschreiben. Fürs Erste kann er nur sagen: „Die Eiche hat die letzten Stürme alle überstanden.“ Klar ist auch, was Fachleute empfehlen: „Bäume, die mit dem Tropfenden Schillerporling befallen sind, sollten engmaschig kontrolliert werden.“

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