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Waschen, schneiden, föhnen im Akkord

Gefühlt ein Kilo ist runter vom Kopf - wie in der in Radebeul ansässigen Genossenschaft Charmant der Friseurstart am Montag passierte.

Endlich wieder: Frisieren mit vorschriftsmäßigem Abstand. Die Friseurinnen in der Genossenschaft Charmant sind froh, aus der Kurzarbeit raus zu sein.
Endlich wieder: Frisieren mit vorschriftsmäßigem Abstand. Die Friseurinnen in der Genossenschaft Charmant sind froh, aus der Kurzarbeit raus zu sein. © Arvid Müller

Radebeul/Moritzburg/Dresden. Das haben wir doch in den letzten Wochen alle gemacht: Misstrauisch auf jene geschaut, die schon wieder eine frische Frisur hatten. Die Fußballer sowieso - die haben sich alle gegenseitig die Haare geschnitten, oder? Die Politiker beim Interview im TV - beim wem wird es fransig, wer wurde heimlich oder nicht heimlich doch frisiert?

Jetzt sind wir Otto-Normalhaarträger endlich dran. Außer im Vogtland - wo, wegen der hohen Inzidenzwerte, Tests vorm Betreten der Salons verlangt werden und die Kunden reihenweise ihre Termine wieder abbestellt haben, weil keiner noch extra Geld bezahlen will. Auch im Kreis Meißen wird losgelegt mit Shampoo, Schere und Föhn.

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Montag, kurz vor 10 Uhr. Überglücklich warte ich bemasket und mit Handtuch über der Schulter - eine Bitte der Friseurinnen - vor der Eingangstür zum Salon Charmant in Radebeul-Kötzschenbroda. Jetzt soll der Pelz runter. Jeden Monat nimmt die Haarlänge um etwa einen Zentimeter zu. Wer keine Locken hat und ansonsten sportliche Kürze bevorzugt, entwickelt seinen Kopf in drei Monaten ohne Friseur zur gehörigen Schlagersänger-Matte.

70 Friseusen in 17 Salons legen los

Bei Ute Schrader-Bölsche und ihren 70 Kolleginnen in 17 Salons in Radebeul, Cossebaude, Boxdorf und Moritzburg stehen die Desinfektionsmittelspender gleich hinter der Ladentür. Zwischen jedem Kundenstuhl ist einer freigelassen. An der Kasse liegen die kleinen Zettel für die Kundendaten zur Nachverfolgung parat. 60 Handtücher sind gestapelt - trotzdem baten die Friseurinnen darum, das eigene mitzubringen, damit Waschmaschine und Trockner nicht überfordert werden.

Umhang drumgeschnürt. Kopf nach hinten. Haare waschen mit Gummihandschuhen. Es geht jetzt ganz besonders zügig voran. Die Maschine angesetzt. Schön kurz bitte an den Rändern. Da fallen die Büschel auch schon. Die Handgriffe sitzen perfekt. „Das verlernst du nicht, auch nicht in drei Monaten“, sagt die Genossenschaftsleiterin.

Um die 15 Kundeneinträge stehen bei Charmant-Chefin Schrader-Bölsche für diesen Montag im Terminbuch. Bei den Kolleginnen nicht weniger. Letzten Donnerstag und Freitag, den beiden Annahmetagen, haben die Telefonleitungen geglüht.

Mit Matte und Maske und eigenem Handtuch - auf Bitte der Friseusen -, damit die Waschmaschinen und Trockner nicht an ihre Grenzen kommen.
Mit Matte und Maske und eigenem Handtuch - auf Bitte der Friseusen -, damit die Waschmaschinen und Trockner nicht an ihre Grenzen kommen. © Arvid Müller

Die vorgeschriebenen Hygienetests sind gekauft. Erst mal 150 für zwei Wochen. Eine der Friseusen ist zur Schulung fürs Testen beim DRK gewesen. „Diese Woche kommt sie reihum zu uns und wir erhalten, wie die Vorschrift ist, alle unseren wöchentlichen Test“, sagt Ute Schrader-Bölsche. Sie sagt es eher verärgert, weil die Kosten dafür die Genossenschaft tragen muss. Was sich auf den Frisurenpreis auswirken wird. Und weil es bisher keinen Nachweis gibt, dass Friseursalons Infektionsherde sein sollen.

Jetzt ist nach der Maschine die Schere dran. Rausschneiden am Oberkopf, was die letzten Wochen gewuchert ist. Spitzen im Pony kürzen. Die Rübe nimmt wieder anständige Konturen an. Keine 20 Minuten sind vergangen, bis Ute Schrader-Bölsche mit dem Spiegel um den Kopf kreiselt und fragt, ob alles so recht ist.

Ausbürsten. Kittel abstreifen, Handtuch ausschütteln, Geldbörse holen und Kugelschreiber schnappen für die persönlichen Daten. Bezahlt werden soll möglichst mit Karte, also kontaktlos. Der Herrenschnitt kostet 22 Euro bei Charmant. Über ein wenig Trinkgeld - es ist ja auch richtig Mehraufwand - freuen sich die Frauen sehr.

Ende März geht es wieder von vorne los

Draußen vor der Tür trappelt schon der Nächste mit überreichlicher Haarpracht.

In den Bestellbüchern sind die Termine derzeit für drei Wochen so gut wie alle vergeben. Tag für Tag, auch am Sonnabend, wird jetzt straff durchfrisiert. „Und Ende März werden die Ersten von jetzt nach drei Wochen schon wieder kommen“, sagt die Chefin. Und setzt hinzu: „Aber wer weiß schon, ob wir dann nicht schon wieder zu sind oder es besser andersherum wieder mehr Normalität gibt.

Bezahlen auch hier möglichst bitte mit Karte. Und vorher noch die Kontaktdaten hinterlassen.
Bezahlen auch hier möglichst bitte mit Karte. Und vorher noch die Kontaktdaten hinterlassen. © Arvid Müller

Derzeit jedenfalls geht es auch im vorher terminfreien Herrensalon bei Charmant nur mit Bestellung. Nicht ganz einfach für die Planung, sagen die Friseurinnen, weil in der Regel etwa für einen Herren rund eine halbe Stunde eingetragen ist. Es gibt aber Köpfe, die sind weniger üppig bewachsen und nach zehn Minuten wieder in Fasson. Heißt, dann gibt es 20 Minuten Leerlauf. „Da wäre es effektiver - wie im vorherigen Lockdown - wenn der Nächste aus der kleinen Schlange vor der Tür gleich nachrücken könnte“, sagt die Chefin mit Blick auf die aktuellen Vorschriften.

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Organisationsprobleme und Vorschriften, die sich möglicherweise auch bald wieder richten und ändern lassen. Ich jedenfalls merke, dass es zwar am Kopf mit gefühlt ein Kilo weniger Haaren etwas kühler, aber dennoch wesentlich angenehmer ist als noch vor einer halben Stunde.

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