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Malermeister aus Leidenschaft

Seit 107 Jahren existiert der Malerbetrieb Hönisch in Weinböhla. Inzwischen führt ihn die vierte Generation.

Im Januar übergab Harald Hönisch (rechts) das Geschäft an seinen Sohn Roland (links).
Im Januar übergab Harald Hönisch (rechts) das Geschäft an seinen Sohn Roland (links). © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Weinböhla. Anfang Januar war es so weit. Roland Hönisch übernahm den gleichnamigen Malerbetrieb von seinem Vater und führt das Geschäft nun in der vierten Generation. Am 23. März 1914 in Weinböhla gegründet, befanden sich die Werkstatt und das Bürogebäude bis 1968 auf der Schindlerstraße. Inzwischen betreut der Malermeister seine Kunden von der Gartenstraße aus und arbeitet immer noch mit Techniken und Materialien, die schon vor über hundert Jahren gebräuchlich waren.

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Die ersten Geschäftsjahre erwiesen sich für Oskar Hönisch als große Herausforderung. Praktisch direkt nach der Gründung seines Malerbetriebes musste er den Ersten Weltkrieg überstehen, wurde eingezogen und für Büroarbeiten eingesetzt. Zwischendurch arbeitete er mit einigen Dresdner Kollegen zusammen, um seine Gesellen in Weinböhla überhaupt bezahlen zu können. Es sah schlecht aus. Doch all die Umstände hielten den Unternehmer nicht davon ab, weiter zu arbeiten. in der Hoffnung, dass eine bessere Zeit bald kommen wird. In den Goldenen Zwanzigern erlebte sein Betrieb eine Art Blütezeit.

Wie die Arbeit eines Malermeisters damals aussah, kann man sich heute nur noch schwer vorstellen. Keine Malerrollen, kein Klebeband oder Folien zum Schutz vor Farbklecksen, keine Sprühvorrichtungen. Lediglich Bürsten und Pinsel standen damals zur Verfügung. Ohne technische Unterstützung beispielsweise den 40 Meter langen Flur in der damaligen Mittelschule Weinböhla zu streichen, war ein zeitaufwendiges Unterfangen. Oft mussten die Farben und Werkzeuge von Weinböhla bis nach Meißen mit dem Handwagen transportiert werden - ein Kraftakt, schon bevor die eigentliche Arbeit beginnen konnte.

Roland Hönisch kann nur vermuten, wie das Arbeitsklima früher war: „Es muss damals ein entspannteres Arbeiten gewesen sein“, meint er. „Zwar hat die Arbeit länger gedauert, doch stellten die potenziellen Kunden noch nicht so hohe Ansprüche.“ Ein Wohnzimmer streichen zu lassen, kostete damals um die 15 Mark. Meistens wurde mit sogenannten Trockenpigmenten gearbeitet, mit Leimfarben oder Kreide. Gemischt hat der Maler damals mit den Trockenpulvern noch selbst. Dabei wünschten sich die Auftraggeber nur leicht abgetönte Farben - mal ein leichtes Grün, mal etwas Blau.

Kalk- oder Kreidefarben wieder beliebt

Ein komplettes Umdenken ist seither geschehen. „Alle gewünschten Farbtöne können wir heute per Computer mischen. Das ist in einer Viertelstunde fertig“, sagt der jetzige Betriebsinhaber, der in der Arbeit aus früheren Zeiten eine interessante Parallele zu heute entdeckte. Die Art des Streichens. Heutzutage würden Tapeten, oder auch rohe Wände, bis die Farbe abblättert oder die Tapete unbrauchbar wird, überstrichen.

Als in den Anfangsjahren noch Leimfarbe verwendet wurde, konnte diese vor jedem Neuanstrich abgewaschen werden. Neue Farbe wurde so immer auf eine saubere Wand aufgetragen und die Atmungsaktivität gewährleistet. Das wünschen sich viele zurück. Kalk- oder Kreidefarben werden wieder beliebt, da sie aus natürlichen Produkten bestehen und ökologisch sinnvoll sind. In Zeiten, wo Etiketten wie „Öko“ und „Bio“ zu ganzen Lebensstilen geworden sind, eine Chance, aus der Vergangenheit einmal zu lernen.

Mit dem Dienstmotorrad von 1926 bestritt Gründer Oskar Hönisch (rechts) in den 1930er Jahren stets seinen Dienstweg als Malermeister.
Mit dem Dienstmotorrad von 1926 bestritt Gründer Oskar Hönisch (rechts) in den 1930er Jahren stets seinen Dienstweg als Malermeister. © Norbert Millauer
Ein Dreirad als Dienstfahrzeug - ein junger Harald Hönisch als Geselle in den 1970er-Jahren vor dem sogenannten Malerwagen.
Ein Dreirad als Dienstfahrzeug - ein junger Harald Hönisch als Geselle in den 1970er-Jahren vor dem sogenannten Malerwagen. © Norbert Millauer

Nach dem plötzlichen Tod des Firmengründers im Jahr 1957 übernahm Helmut Hönisch als Meisterschüler und ausgebildeter Maler- und Lackierer den Betrieb und baute den Kundenstamm weiter aus. Ab dieser Zeit arbeitete er mit seinen Angestellten dann auch für in Weinböhla ansässige Großkunden, wie die Schule oder das Rathaus. Das Einzugsgebiet erweiterte sich auch nach Coswig, Radebeul, Moritzburg und Dresden.

Jetzt war der Beruf des Malers fest in der Familie verankert. Sein Sohn, Harald Hönisch, war seit 1973 als Geselle im Betrieb und schloss im Jahr 1986 erfolgreich die Meisterschule ab. 1991 übernahm er die Firma in dritter Generation. 2014 wurde das 100. Betriebsjubiläum gefeiert. Bis dahin arbeitete Harald Hönisch größtenteils allein, konnte mit Kollegen aber auch größere Aufträge erledigen - sämtliche Maler-, Tapezier-, Lackier-Arbeiten, Holzschutz, Fassadengestaltung, fugenlose Bäder, Altbausanierung und umfangreiche Beratungen.

Er erinnert sich noch so an manche lustigen Momente. „Manchmal wurden Tapeten einfach entsorgt, die wir noch brauchten. Auch wurde schon die Grundfarbe vom Reinigungspersonal wieder abgewaschen. Da habe ich mich gewundert, wie verdächtig sauber die Baustelle aussah.“

Ende 2020 ging Harald Hönisch dann in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Sohn, Roland Hönisch, brachte frischen Wind ins Unternehmen. Im Zuge der Digitalisierung verbringt er viel Zeit am Computer, zum Beispiel beim Aufmaßzeichnen. Sogar Raum- und Farbdarstellungen kann er den Kunden dreidimensional vorstellen, bevor die Ideen in die Wirklichkeit verwandelt werden.

Roland Hönisch hat ein abgeschlossenes Diplom im Bereich Baubetriebsmanagement und wünscht sich für die Zukunft vor allem von jungen Leuten ein größeres Interesse am Handwerk. Auszubildende seien Mangelware. „Viele denken, man macht sich auf der Baustelle nur dreckig oder man würde mit einem Studium besser aufgestellt sein“, erklärt der Malermeister, der schon für die Audi-Zentrale in Ingolstadt arbeitete. Dass handwerkliche Berufe attraktiv sind, müsse in den Schulen schon besser vermittelt werden. Gespannt blickt Roland Hönisch jetzt auf die bevorstehende Zeit und möchte jungen Interessierten - wenn möglich - auch einen Praktikumsplatz anbieten.

www.malermeisterhoenisch.de

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